Zum Hauptinhalt springen

Goldbarren mit falscher Schweizer Prägung im Umlauf

Vier Raffinerien im Tessin und in Neuenburg sind von einem grossen Betrugsfall betroffen. Es geht wohl um Gold im Wert von mindestens 50 Millionen Dollar.

Pro Jahr wird in der Schweiz die Hälfte der weltweiten Goldproduktion raffiniert. (Symbolbild) Foto: Martin Ruetschi/Keystone
Pro Jahr wird in der Schweiz die Hälfte der weltweiten Goldproduktion raffiniert. (Symbolbild) Foto: Martin Ruetschi/Keystone

Um illegal abgebautes oder erworbenes Gold zu waschen, werden aktuell wohl Goldbarren mit gefälschten Prägungen grosser Raffinerien auf dem internationalen Goldmarkt verbreitet. Das bestätigen Führungskräfte von Goldraffinerien und Banken. Die Fälschungen seien schwer zu erkennen und deshalb eine ideale Basis für das Geschäft von Drogendealern und Warlords.

In den vergangenen drei Jahren seien demnach Goldbarren im Wert von mindestens 50 Millionen US-Dollar mit gefälschten Prägungen von vier Schweizer Raffinerien identifiziert worden. Diese seien in Tresoren von JPMorgan Chase & Co. gelagert worden, einer der im Goldmarkt wichtigsten Banken. Das berichten Führungskräfte von Goldraffinerien, Banken und andere Quellen der Branchen.

Hälfte des Goldes wird in der Schweiz raffiniert

Einige davon bestätigten, dass mindestens 1000 Barren gefunden wurden. Das ist ein vergleichsweise geringer Anteil in Anbetracht des Gesamtvolumens der Goldindustrie, die zwischen 2 und 2,5 Millionen Goldbarren pro Jahr herstellt. Da die Fälschungen aber sehr real wirkten, könnten Tausende mehr unentdeckt geblieben sein.

Die Schweiz ist der grösste Goldverarbeiter der Welt. Mit 500 Tonnen wird hier jährlich die Hälfte der weltweiten Goldproduktion raffiniert. Vier der weltgrössten Goldraffinerien, deren Produkte von den internationalen Edelmetallbörsen anerkannt werden, befinden sich in der Schweiz, darunter drei im Tessin: Argor-Heraeus in Mendrisio, Pamp in Castel San Pietro, Valcambi in Balerna und Metalor in Marin NE. Wichtigste Abnehmer sind Italien und die arabischen Länder.

Umgehung der Vorschriften gegen Geldwäscherei

«Die neusten Fälschungen wurden hochprofessionell angefertigt», sagte Michael Mesaric, Chef von Valcambi, der grössten Raffinerie der Schweiz. Es könne zwar sein, dass einige Tausende bereits gefunden wurden, die Wahrscheinlichkeit sei jedoch hoch, dass «viele mehr im Umlauf» seien und die Fälschungsart noch immer funktioniere.

Das liege vor allem an der Beschaffenheit der neuartigen Fälschungen: Falsche Goldbarren bestehen herkömmlicherweise aus einem günstigeren Metall und sind nur vergoldet - so sind sie recht einfach zu erkennen. Die Barren mit gefälschter Prägung bestehen jedoch aus hochkarätigem Gold, nur die Prägungen sind unecht. So können weltweite Massnahmen, um den Handel mit Konfliktmineralien zu stoppen, umgangen werden. Auch Geldwäsche könnte so einfacher möglich sein.

J.P. Morgan wollte sich zu Fragen rund um die Barren mit gefälschter Prägung nicht äussern - die zuständigen Behörden und Raffinerien würden informiert, sobald Goldbarren mit sich doppelnder Identifikationsnummer entdeckt würden, hiess es in einem Statement. Es habe noch keinen Vorfall gegeben, wegen dem ein Kunde finanzielle Verluste verzeichnen musste.

Kommen die Fälschungen aus China?

Seit Mitte der 2000er Jahre boomen der illegale Goldabbau und die illegale Goldverwertung - beispielsweise in Teilen Afrikas, in Venezuela oder in Nordkorea. Grund sind die hohen Goldpreise. Ohne die Prägung renommierter Raffinerien kann das illegal abgebaute Gold zu günstigen Preisen auf dem Schwarzmarkt verkauft werden. Mit gefälschter Prägung kann es schliesslich auf den legalen Markt gelangen. Der Gewinn wird an Kriminelle oder mit Sanktionen belegte Regimes weitergeleitet.

Wer momentan die Fälschungen herstellt, ist noch unklar. Industriequellen vermuten aber, dass sie grösstenteils aus China stammen könnten. Das Land ist der weltweit grösste Goldproduzent und -importeur. Über Händler in Hongkong, Japan und Thailand könnten sie dann anschliessend in die weltweite Lieferkette integriert werden. «Shanghai Gold Exchange» - die Behörde, die Chinas Goldhandel reguliert, teilte in einem Statement jedoch mit, dass solche Vorkommnisse bislang nicht festgestellt worden seien.

(Reuters, SDA)

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch