Trotz Absagen laufen die Geschäfte in Davos

Trump kommt nicht, May auch nicht – trotzdem läuft das Geschäft für die Davoser Hoteliers bestens. Sie regen sich nur über die schwarzen Schafe in ihrer Branche auf.

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Nun also doch nicht. Die amerikanische Regierungsdelegation samt Entourage darf nicht nach Davos ans WEF reisen, weil Donald Trump sie zurückgepfiffen hat. Der Shutdown plagt sein Land, seine Mitarbeiter sollen dort helfen, «wo sie gebraucht werden», lässt seine Sprecherin ausrichten. Stunden zuvor hat bereits Premierministerin Theresa May abgesagt, auch bei ihr verhindern die Sorgen zu Hause eine Reise in die Bündner Berge.

Damit werden plötzlich Hunderte von Hotelbetten frei, schätzen Beobachter. Die Davoser Hoteliers aber, die zucken darob nur mit den Schultern. Kein Problem. Die Nachfrage ist derart gross, Betten werden in diesen Tagen immer besetzt. So erzählt das Tamara Henderson, sie führt das Larix Hotel in Davos, 20 Zimmer, längst ausgebucht, keine Amerikaner unter den Gästen. Das Einzelzimmer kostet 420 Franken die Nacht. Doch noch immer bekommt sie jeden Tag zig Anrufe, aus Indien, aus China, aus den Vereinigten Staaten.

Die anderen Gäste profitieren von Absagen

Henderson sagt, dass die meisten Hotels in Davos bis zu 90 Prozent ihrer Betten während des Forums an die WEF-Tochter Publicis verkauften. Diese verteilt die Zimmer an die 2500 offiziellen Gäste. All diese Leute haben ihre Präferenzen, wo sie schlafen wollen. Weil aber nicht alle im 5-Stern-Hotel Steigenberger residieren können, gibt es Wartelisten. Diese werden nun angepasst. «Einer, der bisher in einem 3-Stern-Hotel war, darf in eines mit vier Sternen und so weiter», erklärt Ernst Wyrsch, Präsident von Hotelleriesuisse Graubünden. Gäste, die in Chur untergebracht wären, wandern hoch Richtung Davos und Klosters. «Für die Davoser Hotels ändert sich durch die Absagen also kaum etwas», sagt Wyrsch.

Bilder: Die besten Bilder vom WEF 2019

Der 57-Jährige hat früher das Hotel Steigenberger in Davos geführt und Erfahrungen mit den Amerikanern gemacht. Er überliess US-Präsident Bill Clinton während des WEF im Jahr 2000 sein Bett und seine 230-Quadratmeter-Privatwohnung.

Die US-Delegation hätte nicht nur aus den offiziellen Gästen bestanden. Sie hätte eine Hundertschaft von Journalisten, Sicherheitsleuten und Chauffeuren im Schlepptau gehabt. Darum haben die Amerikaner im Vorfeld auch Betten für diese Begleiter gebucht. So reservierten sie für 231855 Dollar Zimmer im 3-Stern-Haus Madrisa Lodge in Klosters. Für 103'935 Dollar im Bad Ragazer 5-Stern-Hotel Quellenhof. Und 227'733 Dollar kostete ein sogenannter Functional Space im sogenannten goldenen Ei des Intercontinental, einem weiteren 5-Stern-Hotel. Dies geht aus einer Datenbank der US-Regierung hervor.

Die USA sind ein kleiner Markt, hier kann Davos kaum mehr wachsen.

Die drei Hotels sind wenig auskunftsfreudig, mehr als «Kein Kommentar» wollen sie nicht sagen. Wyrsch sagt, dass die Hotels nur in der Zwischensaison kulant seien. In diesen Tagen aber, während der besten Zeit des Jahres: «Eher nicht.» Also fallen für die Amerikaner Stornogebühren an. Er geht davon aus, dass diese 100 Prozent des Preises betragen. So haben die Absagen sogar ihr Gutes für gewisse Hotels: Sie können ihre Zimmer doppelt verkaufen. Tatsächlich haben die Mitarbeiter der Madrisa Lodgein Klosters den Auftrag bekommen, die Zimmer wieder zu verkaufen. Auf Booking.com gibt es das billigste Doppelzimmer für 2309 Franken.

«Goldenes Ei»: Dieses Jahr wird keine US-Regierungsdelegation im 5-Stern-Hotel Intercontinental absteigen. Foto: Jean-Christophe Bott (Keystone)

Selbst Davos Tourismus schmerzt die Absage der Amerikaner kaum. Die USA sind ein kleiner Markt, hier kann Davos kaum mehr wachsen. Anders in Deutschland oder China. In diesen Ländern wirbt Davos für Davos. Zu gerne erinnert man sich an den Besuch von Chinas Präsident Xi Jinping zurück, dessen Fotos im Davoser Schnee zu Hause viral gingen. Beste Werbung.

Nicht alle Hoteliers halten sich an die Preisregel

Einen Aufreger gibt es dann doch noch: die schwarzen Schafe von Davos. Vor Jahren haben sich die Davoser Hoteliers geeinigt, dass während des WEF die Hotelpreise nur um 20 Prozent steigen dürfen. Doch längst nicht alle halten sich daran. Das Hotel Derby verlangt während des WEF für einen Konferenzraum 32'236 Franken, rund 8000 Franken pro Tag. «Ein Schnäppchen», sagte das Hotel zu «20 Minuten». Das findet Hotelière Tamara Henderson nicht lustig: «Das schadet dem Ruf von Davos.»

Erstellt: 18.01.2019, 21:51 Uhr

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