Zum Hauptinhalt springen

Hier ist Schluss mit Bargeld

In den USA experimentieren grosse Ketten mit komplett bargeldlosen Geschäften. Wie sieht das in der Schweiz aus?

Mann bezahlt Kaffee mit dem Handy.
Mann bezahlt Kaffee mit dem Handy.
Maxim Zmeyev, Reuters

30 Prozent aller Starbucks-Kunden in den USA bezahlen ihren Kaffee bereits mit dem Handy. Das sagte zuletzt CEO Kevin Johnson. Der Kaffee-Riese geht nun so weit, in Seattle einen komplett bargeldlosen Store zu testen. Damit wolle man sehen, wie sich die Kunden verhalten, wenn die Bargeldoption wegfällt, heisst es.

Starbucks ist nicht die einzige Kette, die hiermit experimentiert: Im ersten Amazon-Go-Laden gibt es gar keine Kassen mehr. Der Kunde loggt sich in die Amazon-Go-App ein, und die Einkäufe werden beim Verlassen des Ladens direkt von ihrem Amazon-Konto abgebucht.

Männer zahlen öfter mobil

Nicht nur in den USA, sondern auch in der Schweiz gibt es erste Experimente mit bargeldlosen Läden: Im Ikea-Pop-up-Store an der Zürcher Bahnhofstrasse etwa konnten Produkte nicht mit Bargeld bezahlt werden. Man wolle die Akzeptanz bei den Kunden testen, sagte Sprecher Manuel Rotzinger gegenüber SRF-«Espresso». Negative Reaktionen habe es kaum gegeben. Auch im Burgerladen Heidi und Tell in Zürich können Kunden ausschliesslich mit Karte oder Handy bezahlen. Bargeld wird nicht akzeptiert.

Galt die Schweiz bislang als Bargeldland, nehmen bargeldlose Bezahlungen somit immer mehr zu. «Der Trend zu Kartentransaktionen ist konstant, jedes Jahr werden es mehr», sagt Zahlungsmittelexperte Sandro Graf von der ZHAW zu Redaktion Tamedia. Besonders treffe dies auf Zahlungen mit der Debitkarte zu. Aber auch Transaktionen mit Kreditkarten und Handyzahlungen häuften sich. Letztere allerdings anteilsmässig noch auf tiefem Niveau. Mobile Payment sei dabei besonders bei Männern beliebt: «Männer zahlen signifikant häufiger als Frauen per Smartphone», sagt Graf. Auswertungen zeigten, dass Frauen diese Zahlungsform bislang wenig nutzen.

Kunden wollen die Wahl haben

Eine komplett bargeldlose Schweiz ist für Graf allerdings kein realistisches Szenario: «Es gibt eine konstante Gruppe an Menschen, die mit Bargeld zahlen wollen.» Experimente mit bargeldlosen Läden seien interessant. Es habe sich aber gezeigt, dass Menschen mehr kauften, wenn man ihnen die Wahl lasse, ob sie mit Karte oder Bargeld zahlen wollen. Bargeldzahlungen haben Graf zufolge den Vorteil, dass sie anonym, schnell und weitverbreitet sind. Ausserdem bestehe bei bargeldlosen Infrastrukturen das Risiko von möglichen Systemausfällen.

Nichtsdestotrotz beweisen die Experimente: Immer mehr Händler versuchen, bargeldlose Käufe zu fördern. Denn auch für sie hat der Verzicht auf Münzen und Scheine viele Vorteile: Denn wenn man Bargeld annimmt, braucht es einen Tresor und Überwachungskameras, sagte etwa Rotzinger von Ikea zu SRF. Dies habe man sich sparen wollen. Auch beim Burgerladen Heidi und Tell, in dem man bargeldloses Bezahlen testet, weist Geschäftsführer und Inhaber Roger Plüss gegenüber dem «Blick» darauf hin, dass man ohne Bargeld keine Angst vor Überfällen haben müsse. Zudem fielen die komplizierten Kassenabrechnungen für die Mitarbeitenden weg.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch