Jetzt müssen Reiche für ihr Geld auf dem Konto bezahlen

Auch die UBS führt Negazivzinsen für hohe Saldi ein. Wo die Bankkunden am meisten bezahlen.

Negativzinsen treffen mittlerweile fast alle wohlhabenden Bankkunden: Einzahlung an einem Schalter. Symbolbild: Keystone

Negativzinsen treffen mittlerweile fast alle wohlhabenden Bankkunden: Einzahlung an einem Schalter. Symbolbild: Keystone

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Der Negativzins frisst sich weiter durchs System. Jüngstes Beispiel: Die UBS verschärft die Regeln gegenüber Privatkunden. Wer in der Schweiz mehr als 2 Millionen Franken cash hält, soll ab November einen Zins von 0,75 Prozent zahlen. Also genau den Prozentsatz, den die Banken bei der Schweizerischen Nationalbank (SNB) für Einlagen über der Freigrenze entrichten müssen. Und Credit Suisse bestätigt, Negativzinsen bei hohen Euro-Barbeständen in Kundendepots einzuführen, wie CEO Tidjane Thiam anlässlich der Präsentation der Quartalszahlen angekündigt hatte.

Damit stellen sich die Banken auf eine Verlängerung der Tiefzinsära ein, nachdem die US-Zentralbank am Mittwoch den Leitzins nach zehn Jahren zum ersten Mal wieder gesenkt hat. Die Grossen sind dabei nicht allein. Viele Banken haben ab 2015 begonnen, den SNB-Negativzins weiterzugeben. Nach einer Umfrage der Berater von EY unter Schweizer Banken leiden zwei Drittel unter Margendruck durch die Niedrigzinsen. 2018 sagte nur ein Drittel klar Nein zum Negativzins für Privatkunden. Bei der gleichen Umfrage in 2015 schlossen das noch rund 70 Prozent der Befragten kategorisch aus.

Gebühren erhöht

Mittlerweile trifft es fast alle wohlhabenden Privat- und Geschäftskunden, die einfach nur flüssige Mittel bei den Banken parken wollen. Die allermeisten Geldhäuser geben an, Negativzinsen individuell zu erheben und dabei die gesamte Bankbeziehung des Kunden zu berücksichtigen. Bis anhin ging auch UBS so vor. Kleinsparer wollen die Grossbanken aber nach wie vor nicht zur Kasse bitten. Andere sind da weiter. Einige wenige berechnen schon ab geringeren Beträgen Negativzinsen und machen das auch kenntlich.

Die Alternative Bank Schweiz, die schon ab dem ersten Rappen Negativzinsen erhebt, sagt, das sei transparenter und fairer als hohe Kontoführungsgebühren. Tatsächlich haben die Banken in den vergangenen Jahren ihre Gebühren für Bankdienstleistungen gemäss dem Vergleichsdienst Moneyland erhöht. Das Staatssekretariat für Wirtschaft verlangt von einer ganzen Reihe von Banken, sie sollen auf Gebühren für Kontosaldierung, Wertschriftentransfer und Hypothekarablösungen verzichten. Das sei unlauterer Wettbewerb.

Laut dem Fintech-Unternehmen Deposit Solutions hat die SNB von 2015 bis 2018 6,3 Milliarden Franken an Negativzinsen von den Banken in der Schweiz eingenommen. Dieses Jahr kämen nochmals 2,2 Milliarden Franken dazu.

Die SNB erhebt den negative Zins ab einer Freigrenze auf den obligatorischen Sichtguthaben der Banken. Die Freigrenze entspricht dem Zwanzigfachen der Mindestreserve, die eine Bank bei der SNB halten muss. Diese Reserve beträgt vereinfacht 2,5 Prozent der kurzfristigen Verbindlichkeiten einer Bank. Diese bestehen vor allem aus Einlagen von Kunden und von anderen Finanzinstituten.

Unterschiedliche Belastung

Nicht alle Banken sind von den SNB-Negativzinsen gleich betroffen. Retailbanken haben vor allem Einlagen der Kunden auf der Passivseite ihrer Bilanz. Entsprechend haben sie eine hohe Mindestreserve und einen grossen Freibetrag. Gerade kleinere Retailbanken machen so oft ein Geschäft. Sie müssen meist kaum Negativzins zahlen, vereinnahmen auf der anderen Seite aber Negativzinsen, indem sie Liquidität anderer Banken auf ihre Bilanz nehmen zu günstigeren Konditionen als die SNB.

Die Zürcher KB hingegen zahlt gemäss eigenen Angaben 75 Millionen Franken Negativzins. Sie holt sich diesen Betrag bei institutionellen Anlegern zurück. Die Belastung von Retailkunden stehe nach wie vor nicht zur Diskussion.

Hart trifft es reine Privatbanken. Sie betreiben ein überschaubares Einlagegeschäft, haben daher einen niedrigen Freibetrag. Da sie wenig Kredite vergeben, halten sie einen grossen Teil der freien Mittel auf ihrem SNB-Konto. Zu diesen gehört Julius Bär. Die Belastung weiterer Kunden mit Negativzinsen sei heikel, sagte Finanzchef Dieter Enkelmann kürzlich und verwies auf die Kantonalbanken, die kaum Negativzins verlangen würden. Es sei einfacher, im Euro den Negativzins durchzusetzen, meinte er. Für die Frankendepots gelten deswegen teilweise mildernde Umstände. Doch suchen die Banken Wege, den Kunden Anlagen – am besten hochmargige strukturierte Produkte – schmackhaft zu machen, statt sie auf blossem Bargeld sitzen zu lassen.

Erstellt: 05.08.2019, 13:36 Uhr

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