Kalte Dusche für Ex-Chef von Starbucks

Howard Schultz wollte seinen Erfolg als Unternehmer für den Sprung ins Weisse Haus nutzen. Doch für den Aussenseiter dürfte das Rennen gelaufen sein.

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Im fehlt mehr als nur eine klare politische Linie: Howard Schultz bei einem Auftritt im Februar 2019. Foto: Michael Conroy (Keystone)

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Die Kandidatur Schultz endet so unauffällig, wie sie begonnen hat. Der «Vater des Frappuccino» legte seine Kampagne im Mai still nieder und hoffte, im Frühherbst neu starten zu können. Daraus wird wohl nichts. Die Kandidatur von Joe Biden hat seine Ambitionen, sich den Wählern als besonnenen Mann der Mitte präsentieren zu können, durchkreuzt.

Sein Scheitern überrascht nicht: Schultz gehört in eine lange Reihe von Unternehmern, die sich aus präsidialem Holz geschnitten sahen, aber die Gunst eines breiteren Publikums nie gewinnen konnten. Dabei war der frühere Chef von Starbucks gewarnt.

Michael Bloomberg, der milliardenschwere Unternehmer und frühere Bürgermeister von New York, riet dringend von einer Kandidatur ab. Ein Aussenseiter im aktuellen politischen Umfeld erreiche gar nichts, selbst wenn er von seiner politischen Mission überzeugt sei. Schultz würde lediglich die Wiederwahl von Donald Trump erleichtern, weil er die demokratische Stimme zersplitterte.

«Ein Aussenseiter droht lediglich den Volkswillen zu verzerren.»Warren Buffett, Grossinvestor

Auch Warren Buffett, ein Demokrat wie inzwischen auch Bloomberg wieder, winkte ab. Buffett erinnert sich noch an die Rolle von Ross Perot in den Wahlen von 1992. Der texanische Geschäftsmann, der sein Geld mit Computern machte, gewann als Parteiloser zwar 19 Prozent der Wählerstimmen, aber keine einzige Elektronenstimme – und bewegte letztlich wenig. In einem Land, sagte Buffett, das heute in praktisch zwei gleich grosse Hälften gespalten sei, «droht ein Aussenseiter lediglich den Volkswillen zu verzerren».

Schultz trat zwar als Parteiloser an, aber seine Fixierung auf die amerikanischen Staatsschulden von über 21 Billionen Dollar, machten ihn in den Augen der Demokraten von Anfang an verdächtig. Diese Fixierung diente zuvor schon Generationen von Republikanern als Vorwand für ihre Forderung nach einer drastischen Reduktion der Staatsausgaben.

«Den Nerv des Volkes getroffen» – von wegen!

Zuletzt versuchte es die republikanische Mehrheit im Kongress unter der Führung von Paul Ryan. Dessen erklärtes Ziel war, im Einklang mit Präsident Trump, Barack Obamas Gesundheitsreform zu zerstören und die staatlichen Sozialwerke drastisch zurückzufahren. Die Skepsis der Demokraten, ihre offene Abneigung und ihren Spott interpretierte Schultz dabei als Aufmunterung: «Die Reaktion der Extremen (gemeint sind linke Demokraten) beweist, dass wir den Nerv des Volkes getroffen haben.»

Das war nicht der Fall. Das Volk war nicht beeindruckt, wie erste Umfragen zeigten. Schultz verhaspelte sich in Widersprüche zur Rassenfrage, behauptete gar, er habe mehr Militärdienst geleistet als der Kriegsveteran und aufstrebende demokratische Kandidat Pete Buttigieg und wollte sich nicht festlegen, ob er sich nach einer Wahl von seinen Starbucks-Aktien trennen würde.

Widerrede und Zweifel schienen Schultz zu irritieren.

Es fehlte mehr als nur eine klare politische Linie. Schultz war in seinen Auftritten der selbstsichere Geschäftsmann, der seinen Willen durchzusetzen gewohnt ist. Widerrede und Zweifel kamen bei ihm schlecht an, sie schienen ihn zu irritieren. Er erinnerte an Mitt Romney, den früheren Geschäftsführer von Bain Capital. Auch dieser wirkte als republikanischer Kandidat hilflos, wenn es um Fragen zu seinem Geschäftsgebaren und Vermögen ging. Ähnlich erging es Herman Cain, einem republikanischen Kandidaten und früheren Geschäftsführer einer Pizzakette, und seinen absurden Ideen für eine Steuerreform.

Nach einem Auftritt in Arizona musste sich Schultz vor der Sommerpause in ärztliche Untersuchung begeben, die zu drei Rückenoperationen führte. Offiziell hat er seine Pläne zwar nicht aufgegeben. Dass er aber in ein Rennen zurückkehren könnte, in dem er noch mehr ein Aussenseiter wäre als Anfang Jahr, ist unwahrscheinlich.

Nur ein Unternehmer hatte als Präsident Erfolg

Vielleicht ist es auch besser so. Denn die Erfolgsbilanz jener Kandidaten, die als Unternehmer angetreten waren und ins Weisse Haus gewählt wurden, ist nicht berauschend. Die Mehrheit der US-Präsidenten waren Karrierepolitiker oder Juristen. Daneben gab es acht Generäle, einige Ingenieure und Professoren und einen Schauspieler (Ronald Reagan), vielleicht auch zwei (Trump).

Gemäss mehreren Erhebungen unter Politologen und Historikern über die Jahrzehnte hinweg werden die Präsidenten Herbert Hoover, Calvin Coolidge, Warren Harding und George W. Bush als die schwächsten bewertet. Hoover war Goldminenunternehmer, Coolidge war Banker, Harding war Verleger, und Bush versuchte es im Ölgeschäft. Als einziger Ex-Geschäftsmann rangiert Harry Truman konstant unter den zehn stärksten US-Präsidenten. Noch offen ist, wo Donald Trump seinen Platz finden wird.

Erstellt: 05.07.2019, 08:31 Uhr

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