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Kritik trotz guten Zahlen

Die Organisation erdölexportierender Länder (Opec) stecke sich leichte Ziele und erreiche nicht einmal diese, kritisiert ein Experte. Ihr Glück sei es, sagen andere, dass der Ölpreis vergleichsweise stabil sei.

Seit einigen Jahren bleibt der Ölpreis vergleichsweise stabil: Arbeiter in einer indischen Ölraffinerie. (Archivbild)
Seit einigen Jahren bleibt der Ölpreis vergleichsweise stabil: Arbeiter in einer indischen Ölraffinerie. (Archivbild)
Amit Dave, Reuters

Früher legte der Ölpreis wahre Achterbahnfahrten hin, doch seit einigen Jahren bleibt er vergleichsweise stabil. Dabei boomte die Förderung in einigen Regionen deutlich und brach in anderen radikal ein. Die Organisation erdölexportierender Länder (Opec) hat Glück gehabt, urteilen Experten: Müsste sie grösser gegensteuern, wäre sie überfordert.

Die Öl exportierenden Länder dürften derzeit sehr zufrieden auf den Weltmarkt schauen. Zwar gibt es immer wieder dramatische Verschiebungen bei der Produktion, aber diese stürzen den Markt nicht etwa ins Chaos, sondern neutralisieren sich gegenseitig. Das hat dazu geführt, dass der Ölpreis aus Sicht der Opec-Länder schön hoch ist - hoch genug, um stabile Gewinne zu garantieren, aber auch nicht so hoch, dass die Kunden sich beim Einkauf einschränken müssen.

«Alle sind glücklich», sagte Opec-Generalsekretär Abdullah al-Badri in Wien. Zuvor hatten die Opec-Staaten beschlossen, ihr derzeitiges Produktionsniveau von 30 Millionen Barrel pro Tag beizubehalten. Ein Barrel entspricht 159 Litern.

Preis schwankte erstaunlich wenig

Wichtigster Indikator für den globalen Ölmarkt ist der Preis der Rohölsorte Brent. Das Barrel Brent kostete während der vergangenen vier Jahre meist immer um die 110 Dollar, der Preis schwankte dabei in einem für den Ölmarkt erstaunlich geringen Ausmass. Das hat beispielsweise in den USA zu stabilen Benzinpreisen geführt. Die Gallone (3,78 Liter) Benzin kostete dort zuletzt immer um die 3,50 Dollar. Nach aktuellem Wechselkurs entspricht das etwa 70 Euro-Cent pro Liter.

«Das ist für alle bequem so», sagt die Energie-Ökonomin Judith Dwarkin von ITG Investment Research. «Die Weltwirtschaft hat sich erholt, die Ölnachfrage nimmt zu, die Preise sind hoch und stabil.» Heisst stabiler Markt tatsächlich, dass alle glücklich sind? Nach Einschätzung von Experten kaschiert die Entwicklung einige Schwierigkeiten, denen die Opec bislang nur mit Glück entging.

Boom und Lieferengpässe

So boomte in einigen Regionen die Produktion, was leicht die Preise hätten drücken können. In anderen Gebieten dagegen gab es Lieferengpässe, was Öl leicht hätte verteuern können. Wäre es dazu gekommen, hätte sich die Organisation schwergetan, gegenzusteuern, so die Fachleute.

In den Ländern, die nicht zur Opec gehören, ist die Produktion in den vergangenen vier Jahren um vier Millionen Barrel pro Tag gestiegen, vor allem wegen der boomenden Ölschiefer-Förderung in den USA. Vier Millionen Barrel ist mehr als die gesamte tägliche Produktionsmenge Kanadas, immerhin die Nummer fünf weltweit. Parallel dazu hat auch der Irak die Förderung seit 2011 auf 3,3 Millionen Barrel hochgefahren.

Libysche Produktion praktisch auf Null

Beides würde für sich genommen normalerweise ausreichen, um die Preise in den Keller zu jagen. Das ist nicht geschehen, doch nicht dank strategischer Entscheidungen der Opec, sondern weil parallel die Produktion in anderen Ländern eingebrochen ist.

Wegen der Unruhen im Land ist die libysche Produktion beispielsweise fast völlig zum Erliegen gekommen und die Sanktionen, die der Westen gegen den Iran verhängt haben, führten dazu, dass der einstmals zweitgrösste Exporteur der Welt ein Fünftel weniger fördert. Wirtschaftliche und politische Probleme in Venezuela und Nigeria haben ebenfalls zu geringeren Fördermengen geführt.

Saudiarabien mit gewaltigen Reserven

Weitere grössere Veränderungen an diesem Szenario würden die Opec in die Bredouille bringen. Analysten meinen, dass bis auf Saudiarabien alle Opec-Staaten fördern, soviel sie können. Überraschende Produktionsausfälle oder Lieferengpässe könnten also nicht ausgeglichen werden. Und andersherum wären die Opec-Staaten wohl auch nicht bereit, die Produktion zurückzufahren, denn in den meisten Förderländern sind die Einnahmen bereits verplant.

Wurden zuletzt kleinere Korrekturen notwendig, hat Saudiarabien eingegriffen. Der weltgrösste Erdöl-Exporteur ist quasi das einzige Opec-Mitglied mit einer gesunden Ölindustrie, gewaltigen Reserven und einer vergleichsweise stabilen Volkswirtschaft. Doch auch Saudi-Arabiens Einfluss ist begrenzt.

«Sind bescheidenere Kürzungen angesagt, kann das Saudiarabien übernehmen», sagt Michael Levi, Experte für Energiesicherheit bei der amerikanischen Denkfabrik Council on Foreign Relations. «Nimmt dagegen das weltweite Angebot zu, kommt Saudiarabien irgendwann an einen Punkt, wo sie sagen: «Wir sind nicht die einzigen, die sich einschränken sollten.»

«Opec erreicht nicht einmal leichte Ziele»

Dem Irak beispielsweise wurden keine Förderquoten auferlegt, weil die dortige Ölindustrie nach Jahren des Kriegs und der Sanktionen noch im Aufbau ist und weil das Land hart daran arbeitet, die Produktion wieder hochzufahren. Bagdad würde sehr schwer dazu zu bewegen sein, die Produktion zu drosseln - genauso schwer, wie es wäre, andere Länder dazu zu bringen, sich einzuschränken, damit sich der Irak weiter erholen kann.

«Die Opec nimmt, wenn überhaupt, höchst selten Einfluss auf die Ölproduktion ihrer Mitgliedsstaaten», schreibt Professor Jeff Colgan von der School of International Service an der American University in einer demnächst erscheinenden Studie. «Ein Kartell muss harte Ziele abstecken und die auch erreichen. Die Opec steckt sich leichte Ziele und erreicht nicht einmal die.»

AP/thu

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