Schweizer kauft Luxus-Häuser mit Geld zweifelhafter Herkunft

Mit dem Staatsfonds Angolas verdiente er eine halbe Milliarde. Wofür Bastos sein Geld ausgab. Die Recherche.

Das exklusive Bulgari-Resort in Dubai: Jean-Claude Bastos’ Adresse ist das 14-Millionen-Penthouse im obersten Stock des ersten Gebäudes von links im Halbkreis. Bild: PD

Das exklusive Bulgari-Resort in Dubai: Jean-Claude Bastos’ Adresse ist das 14-Millionen-Penthouse im obersten Stock des ersten Gebäudes von links im Halbkreis. Bild: PD

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Auf einer künstlichen Insel vor Dubai steht eine der exklusivsten Wohnsiedlungen weltweit. Der italienische Luxuskonzern Bulgari liess die in Form eines Seepferdchens aufgeschüttete Insel mit einem Hotel, Villen und Appartements für die Reichsten der Reichen bebauen. Ende 2017 war grosses Eröffnungsfest. «Experience a lifestyle reserved for the privileged few» lautet der Slogan des Bulgari-Resorts. Erlebe den Lifestyle, der den wenigen Privilegierten vorenthalten ist.

Schon ein halbes Jahr vor der Eröffnung frohlockten die Immobilienmakler. Soeben sei ein neuer Rekord für die teuersten je verkauften Penthouses in Dubai aufgestellt worden. Die zwei Penthouses im Bulgari-Resort hätten Rekordsummen von umgerechnet rund 16 und 14 Millionen Franken eingebracht. Eine Person aus der Golfregion habe das teuerste gekauft, das zweitteuerste eine Person aus Europa.

Nun zeigen Recherchen: Das 14-Millionen-Penthouse ist heute die Adresse von Jean-Claude Bastos, der aus den Paradise Papers bekannt gewordene schweizerisch-angolanische Geschäftsmann. Auf den über 1100 Quadratmetern, inklusive grosser Terrasse, fehlt es ihm an nichts – er hat vier Schlafzimmer und Bäder; Fitnessraum, privater Pool und TV-Lounge sind selbstverständlich. Auch zwei Zimmerchen für die Bediensteten dürfen nicht fehlen.


Machen Sie mit bei «Die Schweiz spricht»: Die Aktion bringt Menschen ins Gespräch, die nahe beieinander wohnen, aber politisch unterschiedlich denken.


Schweiz und Angola ermitteln

Bastos’ Millionenvermögen stammt ganz oder grösstenteils aus der Staatskasse Angolas, einem Land, in dem die Hälfte der Einwohner unter der Armutsgrenze von zwei Dollar pro Tag lebt und fast jedes dritte Kind zu wenig zu essen hat. Dank seiner Beziehungen zur Elite des Landes verwaltete Jean-Claude Bastos bis vor kurzem Angolas Staatsfonds. Die Paradise Papers zeigten auf, wie sehr Bastos persönlich von diesem Mandat profitierte. Dutzende Millionen Dollar flossen jährlich als Verwaltungsgebühren und Honorare auf seine Konten und die seiner Firmen. Rund eine halbe Milliarde ist so gemäss Berechnung des Staatsfonds seit 2013 zusammengekommen. Experten beurteilen diese Summe als weit überhöht, was Bastos bestreitet. Zudem liess Bastos den Staatsfonds mehrere Hundert Millionen in Projekte stecken, die ihm selber gehören.

Video: Die Affäre-Bastos

Das Geld der Ärmsten wird zum Luxus der Reichsten.

Inzwischen ist Bastos abgesetzt. Die angolanische Staatsanwaltschaft ermittelt gegen ihn wegen Geldwäschereiverdachts und zog seine Pässe ein, damit er das südwestafrikanische Land nicht mehr verlassen kann. Er muss sich alle zwei Wochen bei den Behörden zeigen. Auch in der Schweiz laufen Geldwäscheermittlungen. Die Bundesanwaltschaft hat 210 Millionen Dollar eingefroren und 60 Millionen davon bereits nach Angola zurückgegeben. Weltweit waren zwischenzeitlich sogar 3 Milliarden blockiert. Kürzlich hat ein britisches Gericht diese Blockade wieder aufgehoben. Die Eidgenössische Steuerverwaltung führt ebenfalls ein Strafverfahren wegen Verdachts auf schwere Steuerdelikte.


Bildstrecke: Schweizer Steuerverwaltung ermittelt gegen Bastos


Bastos’ Penthouse in Dubai dürfte auch die Ermittler interessieren. Denn es stellt sich die Frage, ob es mit Bastos’ Vermögen gekauft wurde, dessen Herkunft mittlerweile umstritten ist. Bislang wurde Bastos nirgendwo wegen Geldwäscherei verurteilt, und es gilt die Unschuldsvermutung. Grundsätzlich sind hochpreisige Immobilien aber beliebte Objekte, um Geld zweifelhafter Herkunft zu parkieren. Transparency International (TI) Schweiz veröffentlichte vor einigen Monaten einen Bericht und warnte vor den hohen Geldwäscherei-Risiken im Immobiliensektor. «Die Maschen im Sicherheitsnetz gegen Geldwäscherei mit Immobilien sind viel zu gross», sagt der stellvertretendeTI-Schweiz-Direktor Alex Biscaro.

Märchenhafter Reichtum

Auch in der Schweiz hat Jean-Claude Bastos letztes Jahr eine luxuriöse Immobilie erworben. In einem modernen Neubau mit Seesicht in Luzern kaufte er eine Attika-Maisonette-Wohnung mit 6½ Zimmern und grossem Sonnendeck, inklusive zweier Einstellhallenplätze. Ausgeschriebener Preis der Wohnung: 4,1 Millionen Franken. Publik gemacht wurde der Kauf im «Luzerner Kantonsblatt» vom 30. Dezember 2017.

Eine Vertreterin der Verkäuferpartei reagierte gereizt auf eine Anfrage, ob und wie das Millionengeschäft auf mögliche Risiken geprüft worden sei. «Was Bastos macht, weiss ich nicht, und es geht mich auch nichts an», sagte sie am Telefon. Bastos habe ein Zahlungsversprechen einer Schweizer Bank vorgelegt. Damit sei für sie die Sache erledigt gewesen, denn die Bank habe die Herkunft des Geldes ja schon geprüft. Zudem sei der Verkauf der Wohnung schon im Juli letzten Jahres abgewickelt worden, also vor der Paradise-Papers-Berichterstattung. Allerdings gab es schon damals zahlreiche kritische Artikel über Bastos’ Aktivitäten in Angola, unter anderem in der «Financial Times» und dem «Wall Street Journal».

Genau eine solche Haltung ist laut Biscaro von Transparency International der Kern des Problems. «Es reicht eben gerade nicht, wenn einzig die Banken die Sorgfaltspflichten für Geldwäscherei einhalten müssen. Diese sind bei den meisten Immobiliendeals gar nicht genügend involviert, um Geldwäscherei zu erkennen.» Deshalb fordere TI, dass auch in der Schweiz – wie es im Ausland Standard ist – beim Immobilienhandel zum Beispiel auch Makler und Notare dem Geldwäschereigesetz unterstellt werden, damit sie die Herkunft des Geldes überprüfen müssen.

Projektbild des Luzerner Neubaus mit der obersten 6½-Zimmer-Maisonette-Wohnung, die Jean-Claude Bastos für rund 4 Millionen Franken gekauft hat. Bild: PD

Auf seine Luxus-Immobilien angesprochen, bleibt Jean-Claude Bastos stumm. «Herr Bastos gibt keine Auskunft über seine privaten Investitionen», richtet sein Sprecher in der Schweiz aus. Klar ist: Bastos’ Immobilien-Portfolio ist noch deutlich grösser. In der Schweiz besitzt er etwa auch in Arosa mehrere Chaletwohnungen. Und auf Mallorca, wo er bis vor kurzem regelmässig mit seinem Privatjet haltmachte, liess er Ende 2016 eine Firma namens Epic Properties Mallorca für den Immobilienbesitz gründen.

Klar ist auch, dass Bastos’ märchenhafter Reichtum letztlich aus dem Geschäft mit Geldern stammt, die eigentlich der Bevölkerung Angolas zugutekommen sollten. Im Unterschied zu Bastos haben aber die meisten Einwohner Angolas nicht von den Tätigkeiten ihres Staatsfonds profitiert. In den Slums der Hauptstadt Luanda teilen sich teilweise Hunderte eine einzige Wasserstelle oder ein Loch im Boden als Klo.

Die Frage, was Luxus ihm persönlich bedeute, lässt Bastos ebenfalls unbeantwortet. Auf seiner kürzlich aktualisierten Website zählt er aber die Werte auf, die ihm wichtig sind: Ethik, Fairness, Grosszügigkeit und Vertrauen. Und: «Wer mich gut kennt, weiss, dass ich mehr als nur ein Geschäftsmann bin und dass meine wahre Motivation schon immer philanthropisch ausgerichtet war.»

Der Duden definiert «philanthropisch» so: «Auf das Wohl der Menschen bedacht (und danach handelnd).»

recherchedesk@tamedia.ch

Erstellt: 16.08.2018, 19:29 Uhr

Collection

Die Seite Drei

Artikel zum Thema

Affäre Bastos: Schweiz friert 210 Millionen ein

Der schweizerisch-angolanische Geschäftsmann soll eine halbe Milliarde Dollar aus Angolas Staatskasse abgezogen haben. Mehr...

Erschütterung in Zug und in Afrika

Paradise Papers Der Schweizer Geschäftsmann Jean-Claude Bastos verliert sein Angola-Mandat. Und Glencore steht im Kongo unter grossem Druck. Mehr...

Polizei durchsucht Schweizer Büros von Bastos

Bundesanwaltschaft und Steuerverwaltung ermitteln wegen Verdachts auf Geldwäsche und Steuerdelikte. Mehr...

Jean-Claude Bastos steht unter Geldwäschereiverdacht.

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Werbung

Weiterbildung

Ausbildung & Weiterbildung Finden Sie die passende Weiterbildung Technischer Kaufmann, Deutsch lernen, Coaching Ausbildung, Präsentationstechnik, Persönlichkeitsentwicklung

Kommentare

Gössis grosse FDP-Show

Reportage Niemand betreibt im Moment besseres Politmarketing als der Freisinn. Wie gelingt das der Präsidentin? Mehr...

Die Verhärtungen des Roger Köppel

Eine neue Biografie zeigt neue Seiten des umstrittenen Journalisten und Politikers. Mehr...

Alle fragen sich, warum hat er das getan?

Pierre Maudet setzt wegen ein paar 10'000 Franken eine grosse Karriere aufs Spiel. Mehr...