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Nachhaltig anlegen zahlt sich aus

Nachhaltige Investitionen sind nicht unbedingt rentabler. Aber sie haben ein besseres Risikoprofil.

Müssen Investoren mit Renditeeinbussen rechnen, wenn sie Nachhaltigkeitskriterien in ihrem Anlageprozess mitberücksichtigen? Oder weisen Portefeuilles, in die auch ökologische und soziale Aspekte sowie solche einer guten Unternehmensführung einfliessen, gerade deshalb eine bessere Langfrist-Performance auf?

Unter Grossanlegern sind die Ansichten darüber weiterhin geteilt. Laut einer kürzlich publizierten Umfrage – an der weltweit 500 Pensionsfonds, Stiftungen, Versicherungen und Staatsfonds teilgenommen haben – befürchten 44 Prozent der Teilnehmer eine geringere Rendite, wenn sie ihre Anlagen stärker auf Nachhaltigkeit ausrichten. In Europa war der Anteil derjenigen, die Bedenken bei der erwarteten Wertentwicklung als Hindernis für nachhaltige Investments nannten, mit 47 Prozent am höchsten.

Gleichzeitig sind aber über zwei Drittel der Befragten der Ansicht, dass ökologische, soziale oder führungsmässige Aspekte – die sogenannten ESG-Kriterien – in den kommenden fünf Jahren bei der Geldanlage stark an Gewicht gewinnen werden. Die Erhebung wurde vom britischen Vermögensverwalter Schroders in Auftrag gegeben.

Die in Investorenkreisen weiterhin verbreiteten Vorbehalte gegenüber ESG-fokussierten Anlagen mögen überraschen. Gibt es doch bereits eine Vielzahl von Studien, die zum Ergebnis kamen, dass sich Nachhaltigkeit und Rentabilität von Anlagen nicht gegenseitig ausschliessen, sondern ergänzen. Philip Krüger, Assistenzprofessor an der Universität Genf mit Forschungsschwerpunkt nachhaltige Investitionen, teilt diese Einschätzung. «Es gibt zweifellos vermehrt wissenschaftliche Belege für einen positiven Zusammenhang zwischen ESG und der Rendite von Investitionen», sagte er kürzlich an einem Mediengespräch des Rückversicherers Swiss Re. Dennoch ist die Sachlage bei näherer Betrachtung weniger klar. Laut Krügers Untersuchungen – in denen er Portefeuilles mit US-Aktien von rund 4000 Grossinvestoren zwischen 2002 und 2015 verfolgte – ergab sich kein Zusammenhang zwischen Nachhaltigkeit und Rentabilität von Anlagen. Dafür zeigte sich eine andere Wechselbeziehung: Je grösser das Gewicht von Firmen mit höherer ESG-Priorisierung im Anlageportefeuille, desto weniger ist dieses dem Risiko abrupter unerwarteter Kursausschläge ausgesetzt.

Unklarheiten zur Detailwirkung

Die bessere Performance nachhaltiger Investitionen beruht somit auf einem günstigeren Rendite-Risiko-Verhältnis. Das heisst, dank der Einbindung von ESG-Kriterien in den Anlageprozess lässt sich eine langfristige (Ziel-)Rendite mit geringerem Risiko erreichen.

Diese Erkenntnis sagt aber noch nichts darüber aus, welche Teilkomponenten der ESG-Kriterien wie stark zur Rentabilität eines Portefeuilles beitragen. Dass Gesellschaften, die den Regeln guter Unternehmensführung hohe Beachtung schenken, langfristig eine bessere Rendite erzielen als andere, ist kaum umstritten. Ob das auch für die Einhaltung ökologischer und sozialer Standards gilt, darüber gehen die Meinungen laut Krüger weit auseinander.

Unklar sei ferner, so der Genfer Professor, wie genau die ESG-Kriterien positiv auf die Rentabilität einwirken würden: Gelingt ihnen dies deshalb, weil sie als Arbeitgeber begehrter sind und leichter an Talente herankommen? Oder weil die Kunden gegenüber «sozialen» Unternehmen loyaler und damit auch bereit sind, höhere Preise für deren Produkte und Dienstleistungen zu zahlen?

Noch eine zentrale Frage ist gemäss Krüger nicht zweifelsfrei geklärt. Der positive Zusammenhang zwischen ESG und Rentabilität lässt nicht einfach die Folgerung zu, dass ESG-konforme Anlagen eine höhere Rendite aufweisen als andere Anlagen. Ebenso möglich ist der Umkehrschluss: dass höhere Renditen es erst möglich machen, nachhaltige Investments verstärkt zu tätigen.

Robert Mayer

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