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Noch lange keine Normalisierung

Trotz Geldschwemme erreicht die Europäische Zentralbank die Zielinflation noch nicht. Der Schweizer Nationalbank sind deshalb vorerst die Hände gebunden.

Eine geldpolitische Normalisierung findet in der Eurozone noch lange nicht statt. Das ist die wichtigste Folgerung aus den Beschlüssen durch die Europäische Zentralbank (EZB). Sie wird ihre Geldmenge noch rund ein Jahr lang jeden Monat weiter ausdehnen und ihre Zinsen kaum vor dem Jahr 2019 anheben. Das wird deshalb auch die Schweizerische Nationalbank nicht tun können.

Der Entscheid der Europäischen Zentralbank, die Anleihenkäufe ab dem nächsten Jahr zu reduzieren, war erwartet worden. Doch die EZB macht keine klare Aussage, wann sie diese Käufe beendet. Die Zielinflation von knapp unter 2 Prozent erreicht die Notenbank trotz ihrer Geldschwemme nach wie vor nicht; das nennt sie als Hauptgrund dafür, die Käufe fortzuführen. Dem Aufschwung in Europa traut sie noch zu wenig.

SNB will Aufwertung des Frankens verhindern

Wie die EZB ebenfalls erneut betont hat, sollen die Zinsen erst deutlich nach dem Ende der Käufe angehoben werden – frühestens im nächsten September. Damit ist eine Zinserhöhung im nächsten Jahr praktisch ausgeschlossen. Weil die Schweizerische Nationalbank eine weitere deutliche Aufwertung des Frankens verhindern will, kann auch sie nicht früher als die EZB handeln. Das hat auch zur Folge, dass uns die wenig geliebten Negativzinsen noch für lange Zeit begleiten werden.

Der EZB-Entscheid und seine Folgen machen einmal mehr auch klar, dass die viel gepriesene Rückkehr zum geldpolitischen Normalzustand nur in den USA stattfindet. Bereits Ende 2016 hat die Notenbank dort den Leitzins erstmals angehoben. Jetzt will sie damit beginnen, die Bilanz zu verkürzen. Jene der EZB dagegen wird noch lange weiter zunehmen, nur etwas weniger stark. Und das bedeutet, dass die Nationalbank noch lange warten muss, bis auch sie wieder zur normalen Geldpolitik zurückkehren kann.

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