Ohne Partner mehr Rente im Alter

Die eigene Altersrente erhöhen, dafür weniger Absicherung für die Hinterbliebenen: Diese Möglichkeit bietet eine der grössten Pensionskassen. Sie ist bislang die einzige.

Eine grosszügige Absicherung für den Partner im Alter verliert zunehmend an Bedeutung. Foto: Mode Images, Alamy

Eine grosszügige Absicherung für den Partner im Alter verliert zunehmend an Bedeutung. Foto: Mode Images, Alamy

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Gross war der Aufschrei, als die Pensionskasse des Kantons ­Zürich – die BVK – 2015 ankündigte, sie werde den Rentenumwandlungssatz auf unter 5 Prozent senken. Das hatte Signalwirkung, denn die BVK mit ihren rund 120'000 Versicherten (inklusive Rentner) ist eine der grössten Vorsorgeeinrichtungen der Schweiz. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte keine andere grosse Pensionskasse eine ähnlich starke Kürzung der künftigen Renten beschlossen. Aus Protest traten in der Folge einzelne Institutionen und Gemeinden mit ihrem Personal aus der BVK aus.

Heute, mehr als vier Jahre später, haben etliche andere Vorsorgeeinrichtungen ihre Rentenumwandlungssätze ebenfalls teils stark gesenkt. Einzelne sogar mehr als die BVK. Diese hat inzwischen ein paar Verbesserungen eingeführt, um für die Versicherten wieder etwas attraktiver zu werden.

Ein Plus von 1400 Franken

Zu diesen Verbesserungen gehört die folgende: Wer vor der Pensionierung steht, kann bei der BVK seit 2019 eine höhere Altersrente wählen. Das heisst, das angesparte Altersguthaben wird mit einem höheren Umwandlungssatz in eine Rente umgerechnet, als dies standardmässig vorgesehen ist. Als Folge davon sinken jedoch die Leistungen im Todesfall an die Hinterbliebenen.

Ein Beispiel: Eine Person lässt sich dieses Jahr mit 65 pensionieren und hat 500'000 Franken Altersguthaben. Der reguläre Umwandlungssatz der BVK für diese Altersgruppe liegt derzeit bei 4,84 Prozent. Damit bekäme die Person eine jährliche Rente von 24'200 Franken. Entscheidet sie sich für die höhere Altersrente, profitiert sie von einem Umwandlungssatz von 5,12 Prozent. Das ergibt eine Jahresrente von 25'600 Franken – ein Plus von 1400 Franken. Im Gegenzug reduziert sich der Betrag für hinterbliebene Ehegatten- oder Partnerinnenrente um die Hälfte.

Mit der Option, die eigene Altersrente zu erhöhen bei gleichzeitiger Senkung der Hinterbliebenenrente, wolle die BVK der ­gesellschaftlichen Entwicklung Rechnung tragen, sagt Sprecher Christian Brütsch. Immer mehr Versicherte benötigten keine grosszügige Absicherung für ihre Partner. Sei es, weil sie alleinstehend sind, sei es, weil der Partner selber genug verdiene und Anspruch habe auf Vorsorgeleistungen. Insbesondere für weibliche Versicherte sei die Möglichkeit einer höheren Altersrente ­interessant, ergänzt Brütsch.

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Trotzdem ist die BVK bislang die einzige Pensionskasse, die ihren Versicherten eine solche Wahlmöglichkeit anbietet, wie eine nicht repräsentative Umfrage bei rund zehn grossen Kassen bestätigt. Nur wenige haben ­darüber diskutiert, ein Modell, wie es nun die BVK kennt, auch einzuführen. Die meisten befragten Kassen aber geben an, für sie sei dies kein Thema.

Was ist der Grund für das fehlende Interesse? Eine mögliche Erklärung liefert Dieter Stohler, Direktor der Publica, des Vorsorgewerks des Bundes. Er sagt, es bestehe das Risiko, dass es zu einer gewissen Entsolidarisierung komme, wenn die Versicherten eine höhere Altersrente wählen könnten und dafür tiefere Leistungen für die Hinterbliebenen in Kauf nähmen. «Dann entscheiden sich all jene, die keinen Partner haben, für die höhere Rente. Die Verheirateten hingegen wählen die Absicherung ihrer Ehefrauen und haben dafür eine geringere Altersrente.» Vor einer solchen Entwicklung schreckten viele Stiftungsräte der Pensionskassen zurück, sagt Dieter Stohler.

Ähnlich sieht es Benno Ambrosini, Direktor des Vorsorge-Beratungsunternehmens Libera. Der soziale Ausgleichsgedanke sei bei den Stiftungsräten noch stark verbreitet. «Ich habe es bis anhin noch kaum erlebt, dass sich Stiftungsrätinnen und -räte für eine schlechtere Absicherung von hinterbliebenen Partnern einsetzten.»

Umgekehrtes Modell häufig

Das Gegenteil ist vielmehr der Fall – denn das umgekehrte ­Modell ist bei diversen Pensionskassen anzutreffen. Umgekehrt meint, dass die Versicherten eine höhere Witwen- oder Partnerrente wählen können. Im Gegenzug fällt ihre eigene Rente entsprechend tiefer aus.

Diese Variante ist vor allem für klassische Partnerschaftsverhältnisse attraktiv, weil so die Männer ihre Ehefrauen oder Partnerinnen besser absichern können. Das ist auch der Grund, warum die Vorsorgeeinrichtung der Firma Sulzer dies schon vor Jahren eingeführt hat. «Als Industriebetrieb müssen wir etwas anbieten, das dem Bedürfnis der hauptsächlich männlichen Mitarbeitenden entspricht», erklärt Pedro Fischer von der Sulzer Vorsorgeeinrichtung.

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Nicht nur Kassen mit mehrheitlich männlichen Versicherten bieten die Wahl einer besseren Absicherung der Partnerinnen und Partner. Diese Option gibt es etwa auch bei den Vorsorgewerken der Kantone Basel-Stadt und Basel-Landschaft sowie bei jenen von Novartis oder der UBS. Die Nachfrage sei allerdings gering, so der Tenor.

Ganz andere Erfahrungen macht die BVK: Ihr Angebot der höheren Altersrente stiess bereits im ersten Jahr nach der Einführung auf positive Resonanz. Rund ein Drittel aller neu Pensionierten habe sich 2019 dafür entschieden, sagt Sprecher Christian Brütsch.

Tipp für Versicherte

Es sei gut möglich, dass sich das Modell der BVK ausbreite, sagt Benno Ambrosini vom Beratungsunternehmen Libera. Allgemein gebe es einen Trend zu mehr Flexibilität und Wahlmöglichkeiten für die Versicherten.

Der Entscheid für das eine oder andere Wahlmodell liegt beim Stiftungsrat der Kasse. Das heisst nicht, dass die Versicherten zuwarten müssen, bis dieser von sich aus aktiv wird. Sie können selber mit ihren Wünschen an die Arbeitnehmendenvertretung im Stiftungsrat gelangen und beantragen, diese im Gremium zu prüfen.

Erstellt: 26.01.2020, 17:55 Uhr

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