Prämien sind abhängig vom Beruf

Je nach Beruf zahlt man unterschiedliche Prämien für die Erwerbsunfähigkeitsversicherung. Bei gewissen Versicherern ist zusätzlich auch die Ausbildung massgebend.

Die Wahrscheinlichkeit einer bleibenden Erwerbsunfähigkeit ist bei Schreinern höher als zum Beispiel bei kaufmännischen Angestellten. Sie zahlen deshalb höhere Prämien.

Die Wahrscheinlichkeit einer bleibenden Erwerbsunfähigkeit ist bei Schreinern höher als zum Beispiel bei kaufmännischen Angestellten. Sie zahlen deshalb höhere Prämien. Bild: Keystone

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Risikogerechte Prämien. Bei keinem anderen Versicherungstyp wird diesem Postulat mehr nachgelebt als bei der Autohaftpflichtversicherung. Unzählige Kriterien fliessen in die Prämienkalkulation: Alter, Geschlecht, Domizil, Nationalität, Fahrzeugtyp, gefahrene Kilometer.

Was bei der Autoversicherung gang und gäbe ist, findet mehr und mehr auch bei der Erwerbsunfähigkeitsversicherung Anwendung. Diesen Versicherungsschutz brauchen Leute, welche in der beruflichen Vorsorge un­genügend oder überhaupt nicht versichert sind.

Risiko Plattenleger

Bei einem Plattenleger ist das ­Risiko einer Erwerbsunfähigkeit höher als zum Beispiel bei einem Schreiner. Also zahlen Platten­leger entsprechend höhere Prämien. Schreiner wiederum zahlen mehr als kaufmännische ­Angestellte. Wobei die Berufs­kategorien von Gesellschaft zu Gesellschaft abweichen können. Jede Versicherung stützt sich auf eigene Statistiken.

Die Ausbildung zählt

So kam das Bundesamt für Sozialversicherungen in einem Forschungsprojekt zum Schluss, dass das Risiko einer Erwerbs­unfähigkeit nicht nur vom Beruf, sondern insbesondere auch vom Ausbildungsniveau abhängig ist. «Je besser die Ausbildung, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit einer bleibenden Erwerbsunfähigkeit», weiss Aurea Fer­nandes, Leiterin Produktentwicklung und Innovation bei ­Mobilife in Nyon. Aufgrund dieser Erkenntnis hat die Mobiliar drei Ausbildungsgrade definiert: Grundausbildung, berufliche Ausbildung und höhere Aus­bildung.

Der Beruf zählt

Im Unterschied zu der in Bern beheimateten Mobiliar ist bei der Axa Winterthur der Beruf unerheblich. Der Schweizer Ableger des französischen Weltkonzerns will lediglich wissen, ob der Ver­sicherte eine handwerkliche oder eine körperliche Arbeit verrichtet. Lehrer und Notare, die beide eine tertiäre Ausbildung genossen, zahlen daher bei der Axa gleich hohe Prämien. «Es ist nicht immer einfach, eine bestimmte Tätigkeit der richtigen Kategorie zuzuordnen», weiss Roger Ledermann vom Vergleichsdienst Info4Insider. Verrichtet nun der Schreinermeister, der ab und zu den Hobel in die Finger nimmt, eine handwerkliche oder eine körperliche Arbeit?

Die Helvetia verwendet nochmals einen etwas anderen Ansatz. Die Ausbildung ist kein eigenes Kriterium, dafür ist die Berufs­liste detaillierter und länger. Sucht man etwa nach der Zeichenfolge «Schreiner», gibt es 30 Treffer, bei «Kaufm» sogar 95.

Das Einkommen zählt

Einen nochmals anderen Ansatz verfolgt die Vaudoise: Die Ge­nossenschaft aus Lausanne stützt sich bei der Prämienkalkulation zwar ebenfalls auf die Ausbildung; darüber hinaus aber auch aufs Einkommen. Hier gilt: Je ­höher das Einkommen, desto geringer die Wahrscheinlichkeit einer Erwerbsunfähigkeit. Verdient eine Person mit einem beruflichen Schulabschluss weniger als 5000 Franken im Monat, beziffert sich die Prämie laut dem Vergleichsdienst Info4In­sider auf 963 Franken. Verdient sie über 10'000 Franken im Monat, so beträgt die Prämie nur noch 670 Franken.

Erstellt: 16.02.2016, 08:54 Uhr

Infothek

Ein ABC zu Erwerbsunfähigkeitsversicherungen, auch EU-Ver­sicherung genannt:
Überschüsse: Gewisse An­bieter unterscheiden zwischen Netto- und Bruttoprämie. Die Differenz sind Überschüsse, die vom Risikoverlauf des Kundenportefeuilles abhängig sind.
Raucher: Nikotinabhängige zahlen häufig – nicht immer – höhere Prämien.
Tarifgarantie: Ein Relikt aus früheren Zeiten. Auf Anfang Jahr hat nun auch die Mobiliar wie alle anderen die Prämien­garantie abgeschafft. Der Kunde riskiert, noch während der Vertragsdauer Prämienerhöhungen in Kauf zu nehmen.
Wartefrist: Je kürzer die Wartefrist, desto höher die Prämie. Üblich sind Wartefristen von 24 Monaten, weil Selbstständigerwerbende für die ersten 24 Monate meistens ein Taggeld versichert haben.
Meldefrist: Die Versicherer kennen Meldefristen von einigen Monaten. Wer diese nicht einhält, muss eine Wartefrist in Kauf nehmen.
Prämienbefreiung: Bei einer Erwerbsunfähigkeit übernimmt der Versicherer die Prämien­zahlung.

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