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Katalysatoren sind ein begehrtes Diebesgut

Auf dem Schwarzmarkt werden aktuell bis zu 350 Dollar dafür bezahlt – wegen des Palladiums darin. Das Edelmetall ist inzwischen teurer als Gold.

Palladium kommt vor allem bei industriellen Anwendungen zum Einsatz. Foto: Pavel Lisitsyn (Sputnik, AFP)
Palladium kommt vor allem bei industriellen Anwendungen zum Einsatz. Foto: Pavel Lisitsyn (Sputnik, AFP)

Ist von Edelmetallen die Rede, dann denken die meisten Leute an Gold und Silber. Bei professionellen Anlegern ist derzeit jedoch ein anderes der edlen Metalle sehr gefragt: Palladium. Der Preis für das silberweiss glänzende Metall kennt aktuell nur noch einen Weg: nach oben. Innert dreier Jahre hat sich Palladium um knapp 200 Prozent verteuert.

Das Metall lässt Gold immer weiter hinter sich. Derzeit kostet ein Kilo Palladium mehr als 46'000 Franken, die gleiche Menge in Gold gibt es für 42'500 Franken. Das rückt das wenig bekannte Edelmetall auch verstärkt in den Fokus von Kriminellen.

Palladium wird mehrheitlich für industrielle Anwendungen eingesetzt. Nur ein kleiner Teil wird zu Schmuck verarbeitet. Vor allem die Autoindustrie braucht Palladium; sie ist für bis zu 80 Prozent der weltweiten Nachfrage verantwortlich, daneben wird das Edelmetall für Leiterplatten von elektronischen Geräten und der Medizinaltechnik benötigt. Wichtiger Treiber der aktuellen Palladium-Rally ist denn auch die Autoindustrie.

In Motoren verwendet

Wie Platin und Rhodium wird Palladium in Abgaskatalysatoren von Automotoren verwendet. Während Katalysatoren von Benzinern vor allem Palladium benötigen, wird in jenen von Dieselfahrzeugen mehrheitlich Platin eingesetzt. Wegen des Abgasskandals geht die Nachfrage nach Dieselmotoren zurück, dafür sind benzinbetriebene Autos stärker gefragt.

«Auch die gesetzlichen Anforderungen, was Abgaswerte betrifft, sind gestiegen, sodass es für die Katalysatoren heute mehr Palladium braucht», sagt Nitesh Shah, Leiter des Analystenteams des Vermögensverwalters Wisdomtree. Weiter hätten die Russland-Sanktionen der USA und einiger europäischer Staaten die Preise angeheizt. Russland ist mit über 40 Prozent das grösste Förderland für Palladium vor Südafrika mit 38 Prozent. Kanada und die USA liegen mit 9 und 6 Prozent deutlich zurück. Palladium wird meist aus Nickel- und Kupfererzen gewonnen.

«Neben dem knappen Angebot und der höheren Nachfrage befeuern auch Spekulanten die Rally», erklärt Shah. Gerade in den letzten Wochen konnte man dies beobachten. Trotz Abkühlung auf dem weltweiten Automarkt hat sich Palladium seit Jahresbeginn um 16 Prozent verteuert. In der Branche befürchtet man auch Engpässe aufgrund angekündigter Streiks in südafrikanischen Minen. Hamsterkäufe und Anbieter, die ihre Palladiumbestände in der Hoffnung auf noch höhere Preise horten, verschärfen die Situation weiter.

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Bei den aktuellen Palladium-Preisen werden sogar Katalysatoren zu begehrten Objekten von Dieben. Denn das Edelmetall ist auch als Recyclingmaterial äusserst gefragt. In den USA mehren sich die Meldungen von Katalysatoren-Diebstählen. Betroffene Autofahrer bemerken bei der Abfahrt, dass der Motor viel lauter tönt.

Der Grund: Jemand hat sich zuvor unter das geparkte Auto begeben und unbemerkt die Auspuffanlage entfernt. Solche Diebstähle sind mit dem richtigen Werkzeug leicht durchzuführen. Für den Katalysator werden auf dem Schwarzmarkt je nach Modell zwischen 100 und 350 Dollar bezahlt.

Diebstähle in der Schweiz

Auch in der Schweiz kam es schon zu solchen Diebstählen. Vor ein paar Jahren bauten Unbekannte bei einem Autoimporteur im aargauischen Safenwil aus 16 Neuwagen alle Katalysatoren aus und nahmen sie mit. Zusätzlich entwendeten sie bei einem benachbarten Autoverwerter 70 alte Katalysatoren. Die Deliktsumme betrug laut Polizei 27'000 Franken.

Statistische Zahlen zu Kata­lysatoren-Diebstählen in der Schweiz sind nicht erhältlich. Auf Anfrage bei der Kantonspolizei Zürich heisst es, dass man jährlich weniger als zehn solche Delikte verzeichne.

Rohstoffexperte Nitesh Shah geht davon aus, dass Palladium auch in den nächsten Jahren knapp bleiben wird. «Die Rally kann durchaus noch etwas andauern», glaubt Shah. Auf dem derzeitigen Niveau sei das Risiko für Rückschläge aber gross.

Laut Shah könnten die Autobauer künftig vermehrt Platin oder Rhodium einsetzen, wenn der Preis für Palladium weiter steigt. Auch der wachsende ­Absatz von Elektrofahrzeugen würde die Nachfrage nach dem Edelmetall bremsen, denn Autos, die rein mit Strom angetrieben werden, brauchen keine Katalysatoren.

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