SNB nimmt zu Facebook-Geld Stellung

Viele kritisieren die kommende Währung Libra. Erstmals äussert sich nun auch die Schweizer Notenbank zum Thema.

Fluch oder Segen? Die Finanzwelt ist sich über die Folgen von Libra noch nicht einig. Foto: REUTERS/Dado Ruvic

Fluch oder Segen? Die Finanzwelt ist sich über die Folgen von Libra noch nicht einig. Foto: REUTERS/Dado Ruvic

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Die Schweizerische Nationalbank (SNB) sieht den Plänen von Facebook für eine eigene Kryptowährung entspannt entgegen. Das Whitepaper zu dem Projekt sehe professionell aus, sagte SNB-Direktor Thomas Moser am Dienstag.

Zudem hätten die Initiatoren angedeutet, dass sie sich an die Regeln halten wollten, sagte Moser auf einer Veranstaltung zum Thema Krypotwährungen in Zug.

Anders als die SNB warnte die deutsche Bundesbank vor den Risiken der geplanten digitalen Währung von Facebook. «Facebook könnte zum grössten Vermögensverwalter der Welt und damit systemrelevant werden», sagte Bundesbank-Vorstand Joachim Wuermeling am Wochenende.

Facebook hatte jüngst erklärt, in der ersten Hälfte des kommenden Jahres eine eigene Cyberdevise an den Start zu bringen und damit in den weltweiten Zahlungsverkehr einzusteigen. Vertreter grosser Notenbanken forderten daraufhin, Aufseher und Zentralbanken müssten das Projekt kontrollieren.

Facebook will eine digitale Weltwährung etablieren

Facebook will seinen Einfluss für eine weltverändernde Neuerung nutzen - eine globale Digitalwährung. Dabei versichert das Online-Netzwerk, dass es keinen Zugang zu Finanzdaten der Nutzer haben wird.

Das Digitalgeld mit dem Namen Libra basiert ähnlich wie der Bitcoin auf der sogenannten Blockchain-Technologie, soll aber ohne Kursschwankungen auskommen. Facebook werde keinen Zugang zu den Transaktionsdaten haben, versicherte der für das Projekt zuständige Facebook-Manager David Marcus.

In der Anfangszeit dürfte das Digitalgeld vor allem für Überweisungen zwischen verschiedenen Währungen eingesetzt werden, sagte Marcus der dpa. Damit würde Libra mit Diensten wie Western Union oder Moneygram konkurrieren, die für internationale Überweisungen hohe Gebühren verlangen. Die Vision sei aber, Libra schliesslich zu einem vollwertigen Zahlungsmittel für alle Situationen zu machen.

Überweisungen über Whatsapp

Für Verbraucher soll es einfach sein, das Geld zwischen Libra und anderen Währungen zu tauschen und Transaktionen damit zu machen. So soll man Libra-Überweisungen zum Beispiel direkt in Facebooks Chatdiensten Whatsapp und Messenger ausführen können. Mit einer Verknüpfung zum Bankkonto sollen Libra auch direkt auf dem Smartphone in andere Währungen umgetauscht werden können.

Um das grosse Ziel einer digitalen Vollwährung zu erreichen, hat Facebook eine Allianz geschmiedet, die Libra Association. Diese Allianz und nicht Facebook soll das Digitalgeld verwalten. Unter den aktuell 28 Mitgliedern sind die Finanzdienstleister Visa, Mastercard, Paypal und Stripe - was die Integration in Bezahlsysteme erleichtern dürfte. Mit an Bord sind unter anderem auch Vodafone und Ebay, die Reisebuchungs-Plattform Booking.com sowie der Musikstreaming-Dienst Spotify und die Fahrdienst-Vermittler Uber und Lyft. Zum Libra-Start im Jahr 2020 hoffe er auf mehr als 100 Mitglieder, sagte Marcus. Facebook werde keine Sonderrolle in der Organisation haben.

Bisherige Blockchain-Währungen wie Bitcoin sind für ihre massiven Kursschwankungen berüchtigt - das ist etwas, was Facebook bei Libra unbedingt vermeiden wollte. Deshalb wird Libra in vollem Umfang durch einen Reservefonds mit verschiedenen Währungen wie Dollar, Euro und Yen gedeckt sein. «Wenn zum Beispiel jemand Libra für 100 Euro kauft, fliessen diese 100 Euro in die Reserve», erläuterte Marcus.

Es braucht viel Zeit

Die Libra Association werde zudem festlegen, in welchem Verhältnis Währungen und Wertpapiere wie Anleihen in der Reserve gehalten werden, um für einen stabilen Kurs zu sorgen. Auch wird Libra anders als der Bitcoin nicht von den Nutzern selbst erstellt, sondern muss bei Mitgliedern der Allianz oder auf Handelsplattformen erworben werden. Facebook lässt keinen Zweifel daran, dass Libra am Ende eine globale Währung werden soll, mit der man genauso wie mit dem heutigen Geld alles und überall kaufen kann - egal, ob online oder in einem Laden. Zugleich schränkte Marcus ein: «Ich denke, dass jede neue Währung viel Zeit brauchen wird, um so gross zu werden wie eine existierende nationale Währung einer grossen Volkswirtschaft.» Ein Grund dafür sei, dass in der entwickelten Welt die Bezahlwege bereits mit den heutigen Möglichkeiten gut eingespielt seien. «Zumindest in den nächsten zehn Jahren werden wir alle noch unsere Gehälter bekommen und Steuern zahlen in der Währung der Länder, in denen wir leben.» Zugleich gebe es aber auch Länder mit hoher Inflation und schlecht ausgebauten Banksystemen - und dort könne eine Digitalwährung wie Libra eine viel grössere Rolle spielen, «weil sie eine Lösung für viele Probleme bieten kann». In China wird Libra nicht verfügbar sein.

Verschiedene digitale Brieftaschen

Zur Aufbewahrung und Nutzung von Libra werden verschiedene Anbieter digitale Brieftaschen, sogenannte Wallets, aufsetzen können. Facebook will nur einer von vielen Wallet-Anbietern sein, dafür gründete das Online-Netzwerk die Tochterfirma Calibra mit Marcus an der Spitze. «Facebook und Calibra werden keine besonderen Rechte oder Vorteile haben, obwohl wir den gesamten Quellcode für die Blockchain und die Transaktionen geschrieben haben», sagte er. Facebook steht insbesondere nach dem Skandal um Cambridge Analytica unter massivem Druck, den Datenschutz zu verbessern. Nutzer können in dem Libra-System unter Pseudonymen agieren und mehrere Zugänge haben. «Transaktionen enthalten keine Verbindung zur Identität der Nutzer in der realen Welt», hiess es in einem Papier.

Die übliche Regulierung - also zum Beispiel Massnahmen gegen Geldwäsche - werde auf Ebene der Wallets greifen, sagte Marcus. «Wir haben mit Regulierern rund um die Welt gesprochen.» Für Unternehmen, die Gründungsmitglieder der Libra-Allianz werden wollen, wurde eine Hürde gesetzt: Sie müssen einen Marktwert von mindestens einer Milliarde Dollar oder mehr als 20 Millionen Kunden haben. Mitglieder müssen mindestens zehn Millionen Dollar investieren.

Anders als Bitcoin

Die bekannteste Blockchain-Währung Bitcoin ist anders organisiert: Bei ihr werden die Einheiten durch mathematische Berechnungen auf den Computern der Nutzer generiert - «geschürft», wie es im Fachjargon heisst. Dabei ist die Gesamtzahl der Bitcoin, die produziert werden können, beschränkt. Und die Berechnungen dafür werden immer komplexer. Inzwischen braucht man Hochleistungscomputer, um Bitcoin zu erstellen, daher schürfen derzeit vor allem kommerzielle «Minining-Farmen». Das steigert den Energieverbrauch und das knappe Angebot kann für Preis-Sprünge sorgen. In der Spitze kostete ein Bitcoin Ende 2016 bis zu 20'000 Dollar - dann folgte der Einbruch. Inzwischen arbeitete sich der Bitcoin auch dank Gerüchten über Facebooks Pläne wieder an die Marke von 9000 Dollar vor.

Bei einer Blockchain werden verschlüsselte Daten über Transaktionen aneinander gereiht und an verschiedenen Orten gespeichert. Durch einen Abgleich würden eventuelle Änderungen auffallen, was für Sicherheit sorgt. Facebook sei es bei seinem System gelungen, bekannte Probleme der Technologie wie Langsamkeit zu lösen. Bei Libra komme es auch nicht zu dem hohen Energieverbrauch wie bei Bitcoin. «Wir haben eine Blockchain entwickelt, die sich an die Anforderungen von Milliarden Menschen anpassen kann», sagte Marcus. Facebook entwickelte für das System auch eine neue Programmiersprache mit dem Namen Move.

Marcus war vor seinem Wechsel zu Facebook Chef des Bezahldienstes Paypal. Beim Online-Netzwerk war er zunächst für den Chatdienst Messenger verantwortlich, bis ihn Zuckerberg mit dem Blockchain-Projekt betraute. (sda)

Erstellt: 25.06.2019, 12:11 Uhr

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