So viel weniger verdienen Frauen als Männer

Unabhängig vom Beruf sind die Lohnunterschiede deutlich, besonders bei Selbstständigen. Das zeigen die neusten Schweizer Lohnzahlen.

Gleicher Job, unterschiedlicher Lohn: Zwei Angestellte in einem Zürcher Büro. Foto: iStock

Gleicher Job, unterschiedlicher Lohn: Zwei Angestellte in einem Zürcher Büro. Foto: iStock

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Der Lohn ist und bleibt ein heikles Thema. Das zeigen einmal mehr Zahlen, die heute vom Bundesamt für Statistik (BFS) veröffentlicht wurden. Das BFS hat sich die Schweizer Erwerbseinkommen 2018 nach Berufsgruppen, Beschäftigungsgrad und Geschlecht angeschaut und drastische Unterschiede festgestellt.

Grundsätzlich verdienen angestellte Führungskräfte am meisten. Klammert man Geschlecht und Beschäftigungsgrad aus, liegt der Median in dieser Berufsgruppe bei 106'000 Franken. Das heisst, für die eine Hälfte der Erwerbstätigen liegt das Einkommen über diesem Wert, für die andere Hälfte unterhalb.

Auf Platz zwei und drei folgen akademische Berufe (Menschen mit einem Hochschulabschluss) und Techniker mit einem mittleren Jahreslohn von 83'000 Franken beziehungsweise 73'500 Franken. Hilfsarbeitskräfte, die am wenigsten im Portemonnaie haben, erhalten nicht einmal halb so viel.

Gemeinsam haben alle Berufsgruppen, dass sie grosse Lohndifferenzen zwischen Männern und Frauen aufweisen. So verdienen männliche Führungskräfte, die Vollzeit angestellt sind, knapp 126'000 Franken, Frauen mit gleicher Position hingegen lediglich 96'000 Franken – also fast 24 Prozent weniger. Dieses Bild zeigt sich über alle Berufsgruppen hinweg. Eine vergleichsweise kleine Differenz gibt es nur bei Bürokräften und kaufmännischen Angestellten.

Im Schnitt verdienen Männer, die Vollzeit angestellt sind, gut 85'000 Franken pro Jahr und damit 16 Prozent mehr als Frauen. Bei Selbstständigen ist dieser Lohnunterschied noch deutlich prekärer. Erstaunlich ist auch, dass es schon bei Lehrlingen einen Geschlechterunterschied gibt, was wohl auf die Wahl des erlernten Berufs zurückzuführen ist.

Es gibt nur wenige Ausnahmen: Wird lediglich die Teilzeitarbeit betrachtet, sind Frauen im vergangenen Jahr als angestellte Bürokraft, Verkäuferin, Maschinenbedienerin oder Hilfsarbeiterin auf ein höheres Median-Einkommen gekommen. Die Unterschiede sind aber vergleichsweise gering. Zum Beispiel verdiente eine in Teilzeit angestellte Bürokraft oder kaufmännische Angestellte im Mittel 40'300 Franken, während das männliche Pendant auf 38'800 Franken kam.

Insgesamt über alle Berufsgruppen hinweg kommen aber auch angestellte Frauen in Teilzeit auf ein geringeres mittleres Einkommen von 38'500 Franken gegenüber 45'500 Franken.

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In Vollzeit angestellt, schafft es nicht einmal jede Sechste in die höchste Lohnklasse von mehr als 104'000 Franken im Jahr. Ganz anders bei den Männern, wo es fast jeder Dritte ist. Auch bei den Geringverdienern gibt es einen grossen Geschlechterunterschied: Über 20 Prozent der Frauen verdienen weniger als 52'000 Franken. Bei den Männern kommen nur knapp 8 Prozent auf ein solches Einkommen.

Das jährliche Einkommen ermittelt das BFS auf der Basis des von der befragten Person angegebenen Betrags. Der Stundenlohn wird auf einen Jahresbetrag umgerechnet. Berücksichtigt werden sowohl Schweizer als auch Ausländer, deren Wohnsitz ganzjährig in der Schweiz ist.

(wig./sda)

Erstellt: 25.06.2019, 13:54 Uhr

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