Warum die Millionäre am WEF keine Bussen zahlen

Der Davoser Landammann befürchtet einen Verkehrszusammenbruch. Deshalb kommt, wer lange genug diskutiert, straffrei davon.

Die Wirtschaftselite zu Gast in Davos: Kolonnenverkehr am letztjährigen WEF. Foto: Pascal Mora/Keystone

Die Wirtschaftselite zu Gast in Davos: Kolonnenverkehr am letztjährigen WEF. Foto: Pascal Mora/Keystone

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Vor zwei Jahren, als Donald Trump zum ersten Mal ans Weltwirtschaftsforum (WEF) kam, brach der Verkehr in Davos völlig zusammen. Letztes Jahr war es nicht mehr ganz so schlimm, auch weil Trump trotz Ankündigung nicht auftauchte. Die vielen Limousinen, die während des WEF den Ort verstopften, waren trotzdem wieder ein Ärgernis. Zwar sind von Jahr zu Jahr mehr Fussgänger unterwegs, doch jährlich werden konstant 1500 Hotelcar­sticker abgegeben, dies bei lediglich 3000 WEF-Teilnehmern. «Da fragt man sich doch, für wen all diese Limousinen da sind», stellt der Davoser Landammann Tarzisius Caviezel fest.

Leidvolle Erfahrungen mit den Chauffeuren der Limousinen musste der Verkehrsdienst machen, wie die «Davoser Zeitung» nach dem letzten WEF schrieb. Die Kantonspolizisten mussten offenbar einsehen, dass es einfacher war, die Autos wegzuweisen, als Bussen auszusprechen. Die sonst entstehenden, endlosen Diskussionen hätten zu noch grösseren Verkehrsbehinderungen geführt. «Trotzdem wurde eine Rekordzahl an Bussen ausgesprochen», sagte Caviezel damals.

Von der SonntagsZeitung darauf angesprochen, behauptet Caviezel: «Bussen müssen in Davos ausnahmslos bezahlt werden.» Über Bussen könne nicht verhandelt werden, dafür gebe es einen offiziellen Bussenkatalog, den die Kontrollorgane anzuwenden haben. Doch Caviezel sagt auch: «Es kann vorkommen, dass Fehlbare, die sich mit ihren Fahrzeugen im Strassenraum aufhalten, ohne Busse weggewiesen werden, um eine sofortige Befreiung der beanspruchten Flächen zu erreichen. Bussen mit der zugehörigen Administration und den Erläuterungen des Polizisten führen zu Stauungen des Verkehrsflusses, die sich aufgrund des hohen Verkehrsaufkommens nicht mehr auflösen. Ein funktionierender Verkehrsfluss und ein funktionierendes Gemeinwesen sind höher zu gewichten als Stausituationen mit 60 Franken Busseneinnahmen.»


Video: Bussen am WEF 2019

Fahrer sorgen für Ärger: Eine Polizistin diskutiert mit einem Limousinenfahrer in Davos. Video: Tamedia


Ob das stimmt, ist jedoch fraglich, weil die Limousinenfahrer in der Realität meist nicht auf den für diesen Zweck vorgesehenen Parsennparkplatz fahren und dort auf ihre Kunden warten, sondern sich nach einer Wegweisung einfach wieder in den Verkehr einreihen. Wenn sie denn warten, dann in den Nebenstrassen – wegen der Kälte oft bei laufendem Motor.

Keine Kutschenfahrten auf der Promenade wegen Trump

Beim WEF selber laufen Bemühungen, die Limousinen zu elektrifizieren. Doch für das Betreiben der nötigen Ladestationen reicht das Davoser Stromnetz nicht aus. Um einen Verkehrskollaps wie 2018 zu vermeiden, hat Davos, nicht nur zur Freude des einheimischen Gewerbes, einige Vorkehrungen getroffen.


Davoser Verkehr: «Das diesjährige WEF ist eine Zumutung»

Die Verkehrssituation in Davos gab 2018 viel zu reden. Video: SDA/Tamedia


So dürfen während der WEF-Woche keine Kutschenfahrten auf der Promenade und der Kantonsstrasse durchgeführt werden. Die Sicherheitszone wird auf immer mehr Hotels und den Parkplatz der Parsennbahnen ausgeweitet. Es gibt zudem einen Shuttle-Zug mit temporärer Haltestelle in der Nähe des Kongresszentrums sowie Gratisbenutzung des öffentlichen Ortsverkehrs während der WEF-Woche, und es werden gelbe Mercedes-Kleinbusse von Postauto Schweiz zugemietet.



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Erstellt: 12.01.2020, 20:36 Uhr

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