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Was uns der öffentliche Verkehr wert sein sollte

Der regionale Personenverkehr wird zu Recht mit Staatsgeldern alimentiert – doch Effizienz ist dabei entscheidend.

MeinungPhilipp Felber-Eisele
Freizeit im entlegenen Bergdorf: Der öffentliche Verkehr macht das möglich. Foto: Keystone
Freizeit im entlegenen Bergdorf: Der öffentliche Verkehr macht das möglich. Foto: Keystone

Transparenz ist im Umgang mit Staatsgeldern ein zentrales Kriterium. Die Bevölkerung hat ein Recht darauf, zu wissen, wie ihre Steuern eingesetzt werden. Erstmals hat nun das Bundesamt für Verkehr Einblick in die Rentabilität von Strecken im regionalen Personenverkehr gewährt. Lange wehrten sich Transportunternehmen dagegen, erst der Wink mit dem Öffentlichkeitsgesetz brachte Einsicht.

Was schon vorher bekannt war: Die Schweiz lässt sich ihren öffentlichen Verkehr Milliarden kosten. Was fehlte, war ein Einblick in die Effizienz der eingesetzten Mittel. Ein solcher ist zwingend nötig, wenn man über den Wert von öffentlichem Verkehr ­diskutiert. Diese Diskussion zu ­führen, ist wichtig. Dabei sollte es aber nicht darum gehen, Angebote abzubauen, nur damit der regionale öffentliche Verkehr uns weniger kostet. Es geht darum, die Gelder wirksamer, ­effizienter, besser einzusetzen.

Es gibt zwei Blickwinkel auf den öffentlichen Verkehr: Einerseits kann er als Erfolgsgeschichte gewertet werden. Innert kurzer Zeit können alle auch ohne eigenes Auto von A nach B kommen. Wir können auf dem Land wohnen und in der Stadt arbeiten oder umgekehrt, wir können zu einem vernünftigen Billettpreis unsere Freizeit in einem entlegenen Bergdorf verbringen. Gleichzeitig haben ländliche Regionen komfortable Anschlüsse an die wirtschaftlichen Zentren nicht verloren, weil der Staat Ausbau und Betrieb des öffentlichen Verkehrs finanziell unterstützt.

Der Fokus auf Effizienz hilft, das Geld am richtigen Ort einzusetzen – und so den öffentlichen Verkehr zu stärken.

Andererseits stagniert der Anteil des öffentlichen Verkehrs an der gesamten Mobilität seit Jahren. Knapp über 20 Prozent der Kilometer werden mit Bus, Bahn, Schiff und Seilbahn zurückgelegt. Der grosse Rest ist vornehmlich motorisierter Individualverkehr. Dabei hat der öffentliche Verkehr etliche Vorteile gegenüber dem motorisierten Individualverkehr: geringere Umweltbelastung, weniger Platz­bedarf, sogar die Möglichkeit, einige Stunden produktiv zu sein, während man von A nach B gefahren wird.

Es muss im Interesse der Schweiz sein, den Anteil des öffentlichen Verkehrs an der gesamten Mobilität zu steigern. Dabei kann es aber nicht darum gehen, blindlings neue Angebote zu lancieren. Denn der öffentliche Verkehr ist nicht per se gut. Erst dann, wenn er sinnvoll ausgebaut ist und in der Folge genutzt wird, ent­faltet er seinen Wert. Die Bedürfnisse der Nutzer verändern sich aber ­ständig. Was bedeutet, dass auch der öffentliche Verkehr immer wieder angepasst werden muss.

Das geht aber nur, wenn grösstmög­liche Transparenz herrscht und wenn ersichtlich ist, was funktioniert und was nicht. Da macht der Bund heute schon einiges richtig, wenn er gewisse Strecken aufgrund ihres Kosten­deckungsgrads ins Visier nimmt. Wenn auf einer Strecke in einer ländlichen Region die Kosten nicht einmal zu 10 Prozent mit Einnahmen gedeckt sind, dann ist das Angebot wohl am Interesse der potenziellen Nutzer vorbeigedacht, sollte deshalb überprüft und angepasst werden.

Rufbusse, die nur fahren, wenn es Bedarf gib

Denn es sollte nicht sein, dass staat­liche Gelder an Orten eingesetzt werden, an denen sie kaum einen Nutzen bringen, nur weil sie unter der sympathischen Etikette öffentlicher Verkehr segeln. Dort, wo der herkömmliche öffentliche Verkehr nicht mehr als eine Randerscheinung ist, müssen andere Konzepte her. Scheuklappen, nur weil Angst vor einem Abbau besteht, sind fehl am Platz.

Wohin es gehen könnte, zeigen die Transportunternehmen selber auf: Rufbusse, die nur fahren, wenn es Bedarf gibt. Eine andere Idee: weniger Fahrten zu Randzeiten – und dafür wenn immer möglich mehr zu Hauptverkehrszeiten.

Die entscheidende Frage ist dabei immer: Wie können staatliche Gelder noch sinnvoller eingesetzt werden? Wenn man dabei zum Schluss kommt, dass es gar nicht effizienter möglich ist, dann wird es dagegen auch keine Kritik geben.

Eines haben die letzten Jahre gezeigt: Mitnichten geht es im Schweizer ÖV in Richtung Abbau.

Unser Bedürfnis nach umweltfreundlicher Mobilität wächst. Das ist gut so und darf die Gesellschaft als Ganzes etwas kosten. Doch auch Passagiere sollen einen Teil dazu beitragen. So wie sie bereits heute zu 50 Prozent die Kosten im Regionalverkehr bezahlen.

Eines haben die letzten Jahre gezeigt: Mitnichten geht es im Schweizer ÖV in Richtung Abbau. Das Gegenteil ist der Fall. Die Unterstützung für den ÖV ist in der Gesellschaft tief verankert. Effizienz- und Rentabilitätsgedanken im regionalen öffentlichen Verkehr werden deshalb teilweise kritisch beäugt. Die Tatsache, dass man es in den vergangenen Jahren geschafft hat, die Bezuschussung pro Kilometer im regionalen öffentlichen Verkehr zu senken, beweist das Gegenteil.

Ein Fokus auf Effizienz und Rentabilität kann helfen, das Geld am richtigen Ort einzusetzen – und so den öffentlichen Verkehr zu stärken.

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