Welcher Index-Fonds ist der richtige?

Wer mit seinem Geld mehr Rendite erzielen will als auf dem Bankkonto, kann Exchange-Traded Funds als Alternative prüfen. Es sollten aber einige Kriterien beachtet werden.

Mit ETF können Anleger breit diversifiziert in den Aktienhandel einsteigen. Foto: Michael Gottschalk (Getty Images)

Mit ETF können Anleger breit diversifiziert in den Aktienhandel einsteigen. Foto: Michael Gottschalk (Getty Images)

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Vor wenigen Tagen hat die UBS angekündigt, dass sie fürs Sparkonto den Zins auf null Prozent senkt. Die Grossbank ist nicht die einzige: Überall tendieren die Zinserträge auf Konten gegen null, während die Gebühren ­steigen. Wer nicht will, dass sein Vermögen auf diese Weise schrumpft, sieht sich nach anderen Anlagemöglichkeiten um. Eine prüfenswerte Alter­native sind Exchange-Traded Funds (ETF).

Wie andere Fonds auch sind ETF eine Art Topf mit verschiedenen Anlagewerten wie Aktien oder Obligationen. ETF werden passiv verwaltet. Das bedeutet, dass nicht Experten entscheiden, welche Wertpapiere im Fonds sind. Stattdessen bildet der Fonds einfach einen Index, wie zum Beispiel den grossen Schweizer Aktienindex SMI ab. Wert und Rendite der Anlage steigen und sinken also gleichzeitig mit allen im SMI enthaltenen Titeln.

Die Nachfrage nach ETF ist gross, was sich in der Entwicklung des Angebots widerspiegelt: Im Jahr 2000 kam in der Schweiz der erste ETF auf den Markt – heute existieren bereits rund 1500. Es gibt gute Gründe dafür, dass die ETF zum Verkaufsschlager geworden sind: Erstens kann der Anleger auch schon mit ­kleinem Einsatz das Risiko auf mehrere Titel verteilen, zweitens erzielen ETF längerfristig fast immer bessere Renditen als ­aktiv gemanagte Wertpapiere, drittens sind die Verwaltungsgebühren günstiger, und schliesslich erfordert eine Anlage in ETF in der Regel nicht viel ­Fachwissen.

«Anleger besitzen oft unwissentlich teure aktiv verwaltete Fonds.»Manuel Rütsche,
VZ Vermögenszentrum 

Trotz höherer Gebühren und oft schlechterer Rendite gibt es immer noch eine Vielzahl von ­aktiv verwalteten Fonds. Der Grund: Finanzinstitute empfehlen diese, weil sie damit ein einträglicheres Geschäft machen können. «Wir sehen immer noch viel zu viele Depots von Anlegern, die unwissentlich teure aktiv ­verwaltete Fonds besitzen und sich so häufig die Rendite verschlechtern», bestätigt Manuel Rütsche, Anlage-Experte beim VZ Vermögenszentrum. Wer sich nicht sicher ist, was er besitzt, sollte sich deshalb beim nächsten Gespräch mit dem Bank­berater erkundigen, wie seine Fonds verwaltet werden und welche Gebühren im Vergleich zu passiven ETF an­fallen.

Mittlerweile kann jeder mit einem E-Banking-Konto ETF kaufen. Die Börsenbetreiberin SIX bietet auf ihrer Internetseite unter den Stichworten «Anlagefonds» und «Kurse» die Möglichkeit, nach bestimmten Kriterien ETF auszusortieren. Wie bei anderen Investments kann es natürlich bei ETF zu Kursverlusten kommen, weshalb auch hier der Grundsatz gilt, dass Anleger nur Geld einsetzen sollten, auf das sie mittel- bis längerfristig verzichten können, bis die Kurse wieder steigen.

Die folgenden Kriterien helfen Anlegern, sich in der Angebotsvielfalt zurechtzufinden und Risiken besser einzuschätzen:

  • Kosten: Für die Verwaltung von Fonds fallen Gebühren an. Diese sind entscheidend, da sie den Zinseszins und damit die langfristige Rendite massgeblich schmälern können. Nicolas Peter von der Vermögensberaterin Aquila beziffert die Bandbreite der Gebühren bei günstigen ETF auf 0,05 bis 0,15 Prozent vom Vermögen. Bei spezielleren Produkten seien auch 0,2 bis 0,4 Prozent oder sogar noch mehr möglich. Zum Vergleich: Bei aktiv verwalteten Fonds beginnen die Gebühren bei rund 0,5 Prozent und können bis rund 2 Prozent betragen.

  • Grösse: Das Volumen eines Fonds gibt eine gewisse Stabilität. Bei kleinen Fonds ist das Risiko grösser, dass sie rasch wieder verschwinden. Zudem kann es bei höher kapitalisierten Fonds zu Skaleneffekten und dadurch günstigeren Gebühren für die Anleger kommen.

  • Währungsrisiko: Wer ETF in Fremdwährungen auswählt, muss sich bewusst sein, dass Währungsverluste möglich sind. Meist ist gegen einen Aufschlag von wenigen Zehntelprozenten eine Absicherung möglich.

  • Diversifikation: Basiert ein ETF auf einem breit diversifizierten Index, riskiert ein Anleger weniger Kursschwankungen. Denn so werden schlechte Zahlen in einzelnen Branchen oder Regionen durch andere Werte oft kompensiert. Für Anleger, die auf Diversifikation setzen und konservativ investieren wollen, empfiehlt Nicolas Peter zum Beispiel den breit aufgestellten Aktienindex MSCI All Country World, der die Wertentwicklung von Unternehmen aus 23 Industrie- und 24 Schwellenländern abbildet. Das Währungsrisiko lässt sich hier durch einen Abschlag absichern. Wer im Schweizer Markt investieren will, wäre mit dem Swiss-Performance-Index gut bedient, der den Gesamtmarkt gut abbildet.

  • Struktur: Eine physische oder volle Replikation bedeutet, dass ein Fonds die im Index abge­bildeten Titel direkt kauft. Bei der synthetischen Replikation besitzt der Fonds irgendwelche Wertpapiere und sichert Ren­ditedifferenzen zu den abgebildeten Aktien ab. Die physische Variante ist beliebter, da sie ­einfacher zu verstehen ist. Doch bei der synthetischen Replikation sind die Gebühren meist güns­tiger.

  • Fokus: Neben den klassischen ETF, die einen bekannten Aktienindex widerspiegeln, gibt es faktorbasierte Fonds. «Dabei werden die Unternehmen im Index nach bestimmten positiven Eigenschaften wie zum Beispiel Gewinnstabilität ausgewählt», sagt Rütsche. Anleger sollten die Finanzprodukte verstehen, in die sie ihr Geld investieren. Faktorbasierte Fonds sind jedoch ziemlich kompliziert und deshalb gewiss nicht jedermanns Sache. Die Krux ist zudem: Einige ETF weisen nicht explizit aus, dass sie faktorbasiert sind. Für Anleger, die unsicher sind, empfiehlt sich eine individuelle Beratung durch Experten.

(Redaktion Tamedia)

Erstellt: 26.05.2019, 17:41 Uhr

Langfristig bessere Rendite

Mit Aktienfonds lässt sich ­lang­fristig eine Rendite von 5 bis 6 Prozent erzielen. Das zeigen Zahlen aus der Vergangenheit. Das ist deutlich mehr, als wenn das Geld auf dem Bankkonto bleibt, wo das ­Vermögen derzeit eher an Wert verliert. Die höhere Rendite bedeutet aber auch ein höheres Risiko: Wenn aufgrund einer Wirtschaftsflaute die Kurse sinken, sind auch bei ETF hap­pige Einbussen möglich. Gut diversifizierte Fonds erholen sich aber in der Regel nach einigen Jahren wieder. Das illustriert das Beispiel eines ETF, der den Swiss-Performance-Index abbildet: In den vergangenen guten zehn Börsenjahren haben ­Anleger damit im Durchschnitt Jahr für Jahr eine 10-­prozentige ­Ren­dite erzielt, wie Nicolas Peter von der Vermögensberaterin Aquila vorrechnet. Berücksichtigt man auch den Börsensturz aufgrund der Finanzkrise ab 2007, ergibt sich ein anderes Bild: Auf 20 Jahre gerechnet, liegt die durchschnitt­liche Jahresrendite noch bei 4,7 Prozent. Trotz Krise ist das aber immer noch deutlich mehr als bei einem Bankkonto. (ki)

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