Wenn Roboter Ihr Geld anlegen

Sogenannte Robo-Advisors vereinfachen das Investieren, indem sie automatisierte Entscheide fällen.

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Zu Hause übers Internet ein paar Fragen beantworten, Geld überweisen, und schon wird das eigene Vermögen mit attraktiver Rendite vermehrt. Das verstehen manche Anleger unter einem ­Robo-Advisor, was etwa so viel wie Roboter-Berater bedeutet.

Dass Computerprogramme alle Prozesse automatisch ausführen, ist zwar oft noch Wunschdenken. Irreführend ist auch die Bezeichnung «Berater», denn eine individuelle Beratung entfällt bei einem typischen Robo-Advisor weitgehend. Doch da Algorithmen einen Teil der Arbeit übernehmen, wird diese Vermögensverwaltung auch für Kleinanleger interessant. Die Konditionen sind günstiger als bei aktiv verwalteten Fonds. Die Rendite war in den vergangenen Jahren höher als auf dem Bankkonto. Zudem ist die Anlage vergleichsweise sicher, da das Geld meist in diversifizierte Indexfonds angelegt wird. Insofern sind Robo-Advisors also eine taugliche Anlage.

Trotzdem ist Skepsis angebracht. Aufgrund guter Börsenjahre war es in den letzten Jahren nicht schwierig, Wertsteigerungen zu erzielen. Im Härtetest mit Kursen, die in den Keller rasseln, müssen sich die Robo­-Advisors, die seit rund fünf Jahren in den Markt drängen, noch beweisen.

Ist der Markt noch nicht reif?

Wenig Vertrauen weckt die Tatsache, dass nach anfänglicher Euphorie mehrere Anbieter ihr Geschäft aufgeben. Zum Beispiel steigt die Glarner Kantonalbank mit ihrem Investomat Ende November aus und begründet dies mit zu geringer Nachfrage. Auch die Versicherung Allianz Suisse stellt ihren Robo-Advisor Elvia E-Invest auf Ende Monat ein, da der Markt dafür nicht reif sei.

Gemäss der jüngsten Asset-Management-Studie des Instituts für Finanzdienstleistungen der Hochschule Luzern haben Robo-Advisors im vergangenen Jahr in der Schweiz rund 320 Millionen Franken verwaltet, was einem Marktanteil von gerade einmal 0,01 Prozent entspricht. Anders in den USA, wo Robo-­Advisors im gleichen Zeitraum bei verwalteten Vermögen von 430 Milliarden Dollar einen Marktanteil von gut 2 Prozent erreichten. Der Grund für den deutlichen Unterschied liegt nicht zuletzt im Preis: Die Gebühren sind in den USA deutlich tiefer als hierzulande.

Sie lagen 2018 in der Schweiz bei durchschnittlich 0,73 Prozent des verwalteten Vermögens – in den USA hingegen bei gerade einmal 0,36 Prozent (ohne Produktkosten und Steuern). Benjamin Manz vom Internetportal Moneyland.ch, das unter anderem Finanzdienst­leistungen vergleicht, begründet den Preisunterschied mit dem Skaleneffekt: «Der amerikanische Markt ist deutlich grösser, so lassen sich die Fixkosten auf mehr Kunden verteilen.»

Manuel Rütsche, Leiter Vermögensverwaltung beim VZ Vermögenszentrum, sieht für die Zukunft der Robo-Advisors trotzdem nicht schwarz. Im Gegenteil: «Wir verzeichnen in diesem Bereich ein starkes Wachstum», sagt er. Weitere Anbieter teilen mit, dass sie wachsen – teilweise auf tiefem Niveau. Rütsche ist aber überzeugt, dass es eine Mischform zwischen automatisierter Onlinelösung und persönlicher Beratung braucht. Anbieter mit einem reinen Onlineangebot zum Beispiel über die App eines Handys hätten einen schweren Stand. «Viele Schweizerinnen und Schweizer wollen nach wie vor persönlich mit einem Berater sprechen, bevor sie einem Finanzinstitut ihr Geld anvertrauen», erläutert Rütsche.

Postfinance steigt ein

Bald kommt ein neuer Konkurrent hinzu: Postfinance bestätigt, dass sie im ersten Halbjahr 2020 eine elektronische Vermögensverwaltung lancieren wird. Wie die meisten anderen Anbieter will Postfinance dabei hauptsächlich auf Exchange Traded Funds (ETF) setzen. Das sind an der Börse gehandelte Fonds, die einen Index wie zum Beispiel den SMI abbilden. Da nicht eine Person die Zusammenstellung verwaltet, ist ebenfalls von passiven Fonds die Rede. Bei diesen fallen auch tiefere Gebühren an.

Einige Finanzdienstleister bieten mit dem Robo-Advisor aber auch andere Produkte an. Bei Swissquote sind es sogar hauptsächlich aktiv verwaltete Produkte wie Aktien, Anleihen, Rohstoffe, Immobilien und Kryptowährungen. Auch beim VZ Vermögenszentrum sind aktiv verwaltete Aktienportfolios möglich. Yova investiert in Einzelaktien mit Schwergewicht auf Nachhaltigkeit. Und bei Clevercircles wählen die Nutzer selber passive Indexprodukte aus und können vor ihrem Kaufentscheid prüfen, was andere gewählt haben. Die Strategie, nach der sich Robo-Advisors richten, kann sich also stark unterscheiden. Für Anleger ist empfehlenswert, sich vor Vertragsabschluss darüber zu informieren.

Fast alle Anbieter bestätigen auf Anfrage, dass Anleger nach der Mindesteinlage ihr Kapital mit einem Sparplan und regelmässigen Einzahlungen von kleineren Beträgen vermehren können. Einzig Swissquote verneint dies.

Wichtig sind auch die Gebühren, da diese die Nettorendite beeinflussen. Mehrere Anbieter stufen die Gebühren nach der Höhe des verwalteten Vermögens ab: Je mehr Geld ein Kunde dem ­Finanzdienstleister anvertraut, desto tiefer fällt die Gebühr aus.

Erstellt: 10.11.2019, 18:02 Uhr

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