Wo die Mieten noch günstig sind

Im Schnitt 40 Prozent der auf dem Markt angebotenen Wohnungen gelten als preisgünstig – das trifft auch in Städten wie Basel und Bern zu.

Für Familien gelten Mietwohnungen mit mindestens 4 Zimmern unter 2000 Franken Monatsmiete als günstig: Blick vom 21. Stock des Meret-Oppenheimer-Hochhauses in Basel. Foto: Keystone

Für Familien gelten Mietwohnungen mit mindestens 4 Zimmern unter 2000 Franken Monatsmiete als günstig: Blick vom 21. Stock des Meret-Oppenheimer-Hochhauses in Basel. Foto: Keystone

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Am 9. Februar entscheiden die Stimmbürger über die Initiative «Mehr bezahlbare Wohnungen» zur verstärkten Förderung des gemeinnützigen Wohnungsbaus. Bund und Kantone sollen dafür sorgen, dass mindestens 10 Prozent der neu gebauten Wohnungen künftig gemeinnützig sind.

Es sei immer schwieriger, eine bezahlbare Bleibe zu finden, kritisieren die Initianten. Doch wie gross ist das Angebot an günstigen Mietwohnungen tatsächlich? Die Immobilienberatungsfirma Wüest Partner hat für die SonntagsZeitung sämtliche zwischen 2016 und 2019 auf Internetplattformen und in Printmedien ausgeschriebenen Mietwohnungen analysiert und berechnet, wie gross die Anteile preisgünstiger regulärer Mietwohnungen in den Gemeinden tatsächlich sind.

Was heisst preisgünstig?

Wüest Partner definiert «preisgünstig» unter Berücksichtigung der Haushaltsbudgets der einkommensschwachen Haushalte. So gelten Wohnungen bis 2,5 Zimmer für Single-Haushalte bei Monatsmieten unter 1000 Franken (ohne Nebenkosten) als günstig. Bei Mietwohnungen mit 3 bis 3,5 Zimmern für Paarhaushalte liegt diese Grenze bei 1500 Franken. Und für Familien gelten Mietwohnungen mit mindestens 4 Zimmern unter 2000 Franken Monatsmiete als günstig.

Wie gross ist der Anteil an günstigen Mieten?

Über alle Wohnungsgrössen betrachtet, liegt der Anteil preisgünstiger Wohnungen bei durchschnittlich 40 Prozent. Am höchsten sind die Anteile günstiger Wohnungen in der 3- bis 3,5-Zimmer-Kategorie mit 46 Prozent. Bei den Kleinwohnungen liegen 40 und bei 4 und mehr Zimmern 35 Prozent der Angebote im günstigen Segment.Dabei gibt es grosse regionale Unterschiede.

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In den grossen Zentren liegen 19 Prozent der Angebote im günstigen Bereich. In Zug sind es nur 7, in Zürich 12 und in Genf 13 Prozent. Deutlich mehr günstige Wohnungen werden in Basel mit 42 Prozent, Bern mit 40 und Winterthur mit 37 Prozent angeboten. Knapp ist das Angebot an günstigen Mieten vor allem am Zürich- und am Genfersee sowie in einigen Touristenorten.

Wie gross ist das Angebot an gemeinnützigen Wohnungen?

In ländlichen Gebieten gibt es in der Regel nur wenige gemeinnützige Wohnungen. In den grössten Städten – zum Beispiel in Basel und Bern – gehört im Durchschnitt jede zehnte Wohnung einer gemeinnützigen Organisation. In der Stadt Zürich ist es bereits ein Viertel aller Wohnungen.

Was bewirkt die Initiative?

«Insgesamt dürfte bei Annahme der Volksinitiative relativ wenig passieren», erwartet Patrick Schnorf von der Immobilienberatungsfirma Wüest Partner AG. «Ausserhalb der Städte gibt es viele preisgünstige Wohnungen auf dem Markt, mancherorts gar ein Überangebot. Da werden Genossenschaften nicht bauen wollen. Und in den Städten werden sie bereits stark unterstützt.»

Ob die Initiative zu mehr bezahlbaren Wohnungen führt, ist umstritten. Sollte sie bewirken, dass weniger neue Wohnungen für den freien Markt gebaut werden können, würde sich das Angebot im regulären Mietwohnungsmarkt verknappen. «Das könnte paradoxerweise gerade in den begehrten Städten zu einem Ansteigen der Mietpreise führen», sagt Schnorf.



Dieser Text stammt aus der aktuellen Ausgabe. Jetzt alle Artikel im E-Paper der SonntagsZeitung lesen: App für iOSApp für AndroidWeb-App

Erstellt: 19.01.2020, 18:09 Uhr

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