Wo negative Hypo-Zinsen bereits Realität sind

Minus 0,3 Prozent fürs Ausleihen von Eigenheim-Geld: In Dänemark steht die Zins-Welt Kopf. Und das Land hat eine Reihe von Gemeinsamkeiten mit der Schweiz.

Das Bau-Geld ist günstig und es wird viel gebaut: Wohnungen im Universitäts-Quartier von Kopenhagen. Foto: iStock

Das Bau-Geld ist günstig und es wird viel gebaut: Wohnungen im Universitäts-Quartier von Kopenhagen. Foto: iStock

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Extrem tiefe Hypothekarzinsen sind seit der Finanzkrise ein Thema. In Dänemark wurden sie teilweise sogar negativ. Das heisst, wer in Dänemark bestimmte Arten von Hypotheken für den Kauf eines Hauses aufnimmt, erhält von der Bank einen Zins dafür gutgeschrieben, statt dass sie dem Schuldner einen belastet. Solche Negativzinsen zeigen sich am deutlichsten bei Hypotheken mit einer variablen Verzinsung mit kurzen Fristen.

Noch ist es allerdings auch in Dänemark nicht so, dass Hypothekarnehmer von den Banken netto noch Geld erhalten. Das liegt daran, dass die Gebühren, die die Banken für ihre Abwicklung verlangen, die Negativzinsen noch immer übertreffen. Die Höhe der Gebühren für die Hypothekenvergabe hat in Dänemark jüngst sogar das oberste Gericht beschäftigt. Die Wettbewerbsbehörde des Landes macht dafür eine geringe Wettbewerbsintensität zwischen den Banken verantwortlich.

Deutlich im negativen Bereich liegen die entsprechenden Sätze ohnehin nicht. Laut verschiedenen Presseberichten sind sie mit Werten zwischen Minus 0,04 und Minus 0,3 Prozent noch immer nahe der Nullzinsgrenze. Umfassende Daten dazu und zu der Anzahl davon betroffener Kunden fehlen, weil sie von den Banken nicht ausgewiesen werden.

In Dänemark ergeben sich die Hypothekarzinsen aus Auktionen auf Anleihen: Blick über die Hauptstadt Kopenhagen. Foto: iStock.

Die Negativzinsen in Dänemark sind nicht auf Entscheide von Banken zurückzuführen, sondern auf die Struktur des dortigen Marktes. Die Banken sind in der Regel nur die Zwischenhändler der Hypotheken. Sie beziehen die Mittel dafür von Investoren, denen sie dafür Anleihen verkaufen. Diese Anleihen sind durch die Hypotheken abgesichert. Die Hypothekarzinsen ergeben sich dann aus den Auktionen solcher Anleihen. Für bis zu fünfjährige Hypotheken haben sich auf diese Art bereits negative Zinssätze ergeben.

Dass es überhaupt zu negativen Zinsen auf Hypotheken kommen kann, ist für sich genommen eine äusserst beunruhigende Entwicklung. Sie wurden bisher für so unwahrscheinlich gehalten, wie Negativzinsen auf Bankeinlagen der breiten Bevölkerung.

Die Entwicklung in Dänemark hat besonders aus Sicht der Schweiz eine grosse Bedeutung, weil die beiden Länder eine Reihe von Gemeinsamkeiten aufweisen. Wie die Schweiz ist das skandinavische Land nicht Mitglied der Währungsunion und hat mit der Krone eine eigene Währung. Als EU-Land ist Dänemark zudem wie die Schweiz (die nicht dazu gehört) sehr stark daran interessiert, dass sich die Krone zum Euro nicht aufwertet. Denn wie der Franken gilt auch die Krone als sicherer Hafen. Anders als die Schweizer Nationalbank hat die Notenbank Dänemarks noch nicht einmal ein Inflationsziel – die Stabilität zum Euro geht dort über alles.

Lehren für die Schweiz lassen sich auch ziehen, weil kein Land der Welt bereits so lange einen negativen Leitzins kennt wie Dänemark. Die Entwicklungen dort könnten sich daher verzögert auch bei uns zeigen. Eingeführt hat die Dänische Notenbank den Negativsatz bereits im Juli 2012. Vom Februar 2015 bis zum Januar 2016 erreichte er den Rekordtiefstand von Minus 0,75 Prozent, seither liegt er bei Minus 0,65 Prozent. Im Januar 2015 senkte auch die Schweizerische Nationalbank (SNB) ihren Leitzins auf dieses weltweit tiefste Niveau und hat ihn seither da belassen. Eingeführt hat die SNB Negativzinsen im Dezember 2014.

Die Lehren für die Schweiz

In Dänemark wie in der Schweiz haben die extrem tiefen Zinsen die Verschuldung der privaten Haushalte explodieren lassen. In Dänemark lagen sie mit einem Anteil von 280 Prozent gemessen am verfügbaren Einkommen im Jahr 2018 so hoch wie in keinem anderen Land aus dem Club der Industrieländer (OECD). Die Schweiz folgte bereits mit einem Anteil von 210 Prozent an fünfter Stelle. In beiden Ländern ist die Verschuldung über die Hypotheken hauptverantwortlich dafür. Und weil mit dem Geld Immobilien gekauft werden, haben auch beide Länder einen starken Anstieg der Immobilienpreise gesehen.

Das derzeitige Glück der Menschen in Dänemark könnte dann ein Ende haben, wenn die Zinsen plötzlich steigen und so das Eigenheim nicht mehr tragbar ist. Foto: iStock

Obwohl die Verschuldung durch die Immobilienwerte weitgehend gedeckt wird, sehen internationale Organisationen wie der Internationale Währungsfonds in beiden Ländern ein gewisses Risiko für die Finanzstabilität. Die grösste Gefahr besteht aber, wenn anhaltende Negativzinsen die Hypothekarverschuldung weiter aufblasen, sodass schon bei geringen künftigen Zinserhöhungen viele Schuldner sich einerseits die Kosten dafür nicht mehr leisten können und andererseits die Immobilienpreise stark ins Wanken geraten, sodass die Schulden auch nicht mehr gedeckt sind. Dadurch gerieten dann nicht nur die Haushalte in Not, sondern auch Banken und Investoren.

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Erstellt: 22.07.2019, 15:50 Uhr

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