Zum Dollar drängt doch alles

Die EZB startet mit der Geldschwemme. Der Dollar klettert derweil auf ein Elfjahreshoch – und dürfte dank «Flow-Effekt» neue Spitzen erreichen. Und der Franken?

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Heute Morgen hat die Europäische Zentralbank erstmals Staatsanleihen gekauft. Damit ist das Quantitative-Easing-Programm (QE) gestartet. Wertpapiere über 60 Milliarden Euro will die EZB nun pro Monat kaufen, dies bis zum September 2016 – mindestens. Die Aussicht auf die Euroschwemme hat an den Märkten bereits im Vorfeld heftige Bewegungen ausgelöst. Der Euro ist im Vergleich zur amerikanischen Währung auf ein Elfjahrestief gesunken, er notiert nun unter 1.09 Dollar.

Der Effekt ist von Zentralbankchef Mario Draghi durchaus erwünscht. Die Euroschwäche ist aber auch eine Dollarstärke. Das robuste Wachstum und die Aussicht auf eine baldige Zinserhöhung haben den Greenback im Vergleich zu einem Korb der zehn wichtigsten Handelswährungen jüngst auf den höchsten Stand seit 2004 getrieben. Auch im Vergleich zum Franken ist der Dollar gestiegen. Er wird aktuell zu 98 Rappen gehandelt und hat damit die Verluste seit der Aufhebung des Mindestkurses fast wieder wettgemacht.

Nicht wenige Beobachter rechnen mit einer weiteren Fortsetzung des Trends. Zu den Dollar-Bullen zählen die Forscher bei Goldman Sachs. Die Zentralbanken befänden sich derzeit auf einem klar divergierenden Kurs, gab Andrew Wilson, Chef der Europa-Region im Asset Management, gegenüber dem «Wall Street Journal» zu Protokoll. «Wir sind immer noch sehr positiv eingestellt gegenüber dem Dollar.» Goldman Sachs hatte bereits im August die baldige Parität von Dollar und Euro ausgerufen und damit für Aufsehen gesorgt. Im Januar hatte Goldman Sachs die Prognose erneut bekräftigt.

Auch bei der französischen Grossbank BNP Paribas spricht man sich für den Dollar aus. Die Parität werde voraussichtlich im Frühjahr 2016 erreicht, sagte der Währungsspezialist Vassili Serebriakov zu Bloomberg. Nach dem bereits beobachteten «Ankündigungseffekt» werde in den kommenden Monaten der «Flow-Effekt» spielen und den Dollar zusätzlich stärken. Dieser Effekt käme durch das Zentralbankgeld zustande, das die EZB im Rahmen des QE laufend schöpfen wird.

SNB hat zuletzt kaum interveniert

Die grosse Frage ist, wie sich der Franken im Spannungsfeld dieser Kräfte verhalten wird. Offensichtlich hat die helvetische Währung in den letzten Wochen vom ruhigen Marktumfeld profitiert – nicht in dem Sinn, dass sie stärker geworden wäre, sondern im von der Nationalbank gewünschten Sinn. Der Franken blieb trotz der Euro-Talfahrt praktisch unverändert zur Einheitswährung. Obwohl die SNB zuletzt nicht oder nur kaum am Markt interveniert hat, hielt sich der Eurokurs bei rund 1.07 Franken.

Bei der der Credit Suisse tendiert man dazu, die Trends fortzuschreiben. So soll der Euro-Franken-Kurs gemäss jüngsten Prognosen über die kommenden zwölf Monate stabil bleiben und der Dollar-Franken-Kurs weiter zulegen – bis auf 1.03 Franken pro Dollar. Auch die UBS hält den Dollar für die internationale Währung der Wahl. Sie hält die Marktruhe aber für trügerisch und sieht den Franken deutlich stärker. Ihren Vorhersagen zufolge dürfte der Greenback in einem Jahr nur 91 Rappen kosten, ein Euro soll laut den Prognosen dannzumal 1.05 Franken wert sein.

Erstellt: 09.03.2015, 12:29 Uhr

Begehrte Währung: Ungeschnittene Dollar-Noten ab Presse.

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