Geldmaschine Europapark – Spass neben der Brandruine

Die Rede ist von einem Millionenschaden, aber kann das Feuer den erfolgreichsten Freizeitpark Europas zurückbinden? Wir haben nachgefragt.

Eine schwarze Säule steigt in den Himmel: Grossbrand im Europapark. Video: Tamedia

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Bei den Reiseveranstaltern geht man wegen des Feuers im Europapark vom Samstag von keinen negativen Folgen für die Besucherzahlen aus. Das Reisebüro Hotelplan erhielt vereinzelt Anfragen von Kunden. «Wir hatten am Sonntag bereits wieder Buchungen für die kommende Woche erhalten», sagt Prisca Huguenin-dit-Lenoir, Sprecherin von Hotelplan. Durch den Brand seien von den rund 100 Attraktionen nur drei geschlossen. Der Parkbetrieb laufe ansonsten normal weiter.

Gegen 3000 Schweizerinnen und Schweizer vergnügen sich im Schnitt täglich im Europapark. Per Auto, Zug oder im Car fahren sie ins deutsche Rust. Das Aargauer Transportunternehmen Eurobus unterhält mit dem Rustexpress sogar eine tägliche Verbindung aus der Schweiz; sechs Cars mit maximal 50 Sitzplätzen fahren jeden Tag direkt vor den Park. Am Samstag und an Ferientagen gibt es noch eine siebte Fahrt. Zahlen zum Geschäft mit dem Europapark veröffentlicht Eurobus nicht. Auf Anfrage heisst es nur, dass die Cars je nach Jahreszeit und Wetter gut bis sehr gut gebucht sind.

Jeder fünfte Besucher ist ein Schweizer

Einen regelrechten Schub bei den Europapark-Fahrten gab es 2008. Damals entschied sich Eurobus, tägliche Verbindungen anzubieten. Der Ausbruch der Finanzkrise im Jahr zuvor schadete dem Freizeitpark nicht – im Gegenteil, die Besucherzahlen stiegen erst recht.

Zwischen 2005 und 2008 stagnierten die jährlichen Eintritte bei rund 4 Millionen. Dann ging es steil nach oben. 2014 wurde die 5-Millionen-Grenze geknackt, heute sind es über 5,6 Millionen. Die Spass-Attraktion bei Freiburg im Breisgau ist damit der besucherstärkste Freizeitpark Europas – nach Disneyland Paris, das jährlich 13,4 Millionen Menschen anzieht.


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Jeder fünfte Besucher in Rust kommt heute aus der Schweiz. Damit liegt das Land nach Deutschland (rund 50 Prozent) und Frankreich (knapp 24 Prozent) in der Herkunftsstatistik des Europaparks an dritter Stelle. Dabei kommt dem Park die geografische Lage im Dreiländereck entgegen. Ab Zürich dauerte die Fahrt nach Rust rund zwei Stunden. Vorteilhaft war in den letzten Jahren auch die Euroschwäche. Der Eintrittspreis von 49,50 Euro ist günstiger als ein Skiticket in einem grösseren Wintersportgebiet.

Für Reiseanbieter ist der Europapark auch dank den vielen Hotels und weiteren Attraktionen in der Region Freiburg eine wichtige Destination. «Der Europapark-Umsatz macht rund die Hälfte unseres Deutschland-Umsatzes aus», sagt Prisca Huguenin-dit-Lenoir von Hotelplan. «Betrachtet man die Passagierzahlen, so reisen rund zwei Drittel unserer Deutschland-Kunden in den Europapark, der Rest bucht Städtereisen.» Die Reisezahlen nach Rust seien in den vergangenen Jahren «im hohen einstelligen Bereich gewachsen», heisst es bei Hotelplan.

Jahresumsatz liegt bei 300 Millionen Franken

Der Europapark Rust ist eine einzigartige Erfolgsgeschichte. Gegründet wurde der Freizeitpark von der Familie von Franz Mack (1921–2010) am 12. Juli 1975. Die Macks stellten ursprünglich Anlagen für Freizeitparks her. Auf einer USA-Reise kamen Franz Mack und sein Sohn Roland (68) auf die Idee, selber einen Freizeitpark zu bauen. Dieser sollte in erster Linie als Ausstellungsfläche für die von ihrem Unternehmen in Waldkirch hergestellten Anlagen dienen. In der Folge erwarben sie in Rust rund 16 Hektar Land (22 Fussballfelder).

Video – Der Touristenmagnet im Dreiländereck

Im ersten Jahr besuchten 250'000 Personen den Europapark. 1978 gab es erstmals 1 Million Eintritte. Die Macks bauten den Park in den letzten 43 Jahren rasant aus – Bahnen, Themenlandschaften, Hotels, Restaurants, Kino, Theater, Show-Arena. Das Resort Europapark umfasst heute 95 Hektaren (133 Fussballfelder) und beschäftigt während der Hauptsaison von März bis November knapp 4000 Mitarbeiter. Der jährliche Umsatz des Familienunternehmens soll knapp 300 Millionen Euro betragen.

Erstellt: 28.05.2018, 13:05 Uhr

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