Glänzende Aussichten für Gold

Gold hat einen schweren Stand – Kryptowährungen oder Technologieaktien sind derzeit spannender. Das könnte sich aber bald ändern.

Viele positive Zeichen lassen auf einen Preisanstieg hoffen: Goldbarren werden gegossen. Foto: Getty Images

Viele positive Zeichen lassen auf einen Preisanstieg hoffen: Goldbarren werden gegossen. Foto: Getty Images

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Die Absicherung hat funktioniert: Als am 5. Februar die Börsen absackten und der Dow Jones Industrial zwischenzeitlich über 6 Prozent im Minus notierte, legte Gold fast 1 Prozent zu. Schöner lässt sich der Nutzen eines diversifizierten Portfolios kaum veranschaulichen.

Trotzdem fristet Gold bei den Anlegern momentan eher ein Mauerblümchendasein. Viel spannender sind Kryptowährungen oder Technologieaktien, welche die Fantasie beflügeln – und dadurch zunehmend auch zu Fantasiepreisen gehandelt werden.

Gold hat generell einen schweren Stand, wenn die Risikoneigung der Marktteilnehmer hoch ist. Und dies ist momentan noch immer der Fall. Das dürfte ein wichtiger Grund für das Treten an Ort des Goldpreises sein.

Seit Jahresanfang notiert die Feinunze Gold zwar rund 2 Prozent höher bei 1330 Dollar. Doch scheint der Preis zum wiederholten Male an der Barriere von 1350 Dollar zu scheitern. Bereits 2014, 2016 und 2017 fand der Aufwärtstrend bei dieser Schwelle ein Ende (vgl. Grafik unten), derweil die Börsen von Rekord zu Rekord eilten.

Seitwärtsbewegung des Goldpreises

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Allerdings spricht einiges dafür, dass das gelbe Metall diese Marke heuer zu durchbrechen vermag: Der zunehmende Inflationsdruck, möglicherweise unterschätzte politische Risiken sowie die robuste Nachfrage aus den Schwellenländern sorgen für Rückenwind. Hinzu kommen stärkere Schwankungen an den Märkten und ein schwacher Dollar, der für Unterstützung sorgt. Denn in jüngster Zeit bewegten sich der Greenback und der Goldpreis besonders gegenläufig (vgl. Grafik unten).

Schwacher Dollar hilft

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Zudem wurden die Anleger in den vergangenen Jahren mit überdurchschnittlichem Wachstum bei geringer Teuerung verwöhnt. In einem solchen «Goldilock»-Umfeld ist die Nachfrage nach Absicherung gering. Doch die Zeichen mehren sich, dass sich diese Phase ihrem Ende zuneigt. So weist Robert Ryan vom Analysehaus BCA Research darauf hin, dass die Inflation typischerweise erst mit einer Verzögerung von achtzehn Monaten auf eine Beschleunigung des Wachstums reagiert.

Der Teuerungsanstieg steht demnach bevor: Darauf lassen auch diverse Indikatoren schliessen. So liegt die Arbeitslosigkeit in den USA nur noch knapp über 4 Prozent und ist damit so niedrig wie seit zwanzig Jahren nicht mehr. Aber auch in Deutschland und Japan suchen Firmen händeringend geeignetes Personal. Höhere Löhne und steigender Preisdruck dürften folgen.

Die Rohstoffnotierungen – nicht zuletzt für Rohöl, das sich seit Juni um 50 Prozent verteuert hat – zeigen seit einiger Zeit ebenfalls wieder nach oben. Früher oder später wird sich das in höheren Konsumentenpreisen niederschlagen. Ein von der Distriktnotenbank New York ermittelter Frühindikator für die Inflationsrate signalisiert ebenfalls eine bevorstehende Zunahme der Teuerung (vgl. Grafik unten). Macht sich die Inflation tatsächlich bald bemerkbar, dürfte Gold in der Anlegergunst wieder steigen.

US-Inflation macht sich bemerkbar

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Ein oft gehörter Einwand lautet, der Goldpreis leide, wenn die US-Notenbank die Leitzinsen erhöhe – und bei steigender Inflation ist das zu erwarten. Dieser Auffassung widerspricht Fred Hickey, Herausgeber des Börsenbriefs «The High-Tech Strategist»: «Es ist ein Trugschluss, zu glauben, dass der Goldpreis während Zinserhöhungszyklen der amerikanischen Notenbank fällt.» Er verweist auf die Jahre 2004 bis 2006, als das Fed insgesamt siebzehn Mal die Zinsen angehoben hatte und Gold dennoch über 50 Prozent in die Höhe kletterte. Auch 1999 und 2000 habe das Edelmetall trotz der restriktiveren Geldpolitik immerhin 5 Prozent an Wert gewonnen. Das Argument überzeugt also nicht vollends.

Allerdings lässt sich oft beobachten, dass steigende Zinsen mit erhöhten Schwankungen an den Finanzmärkten einhergehen – ebenfalls mit einer gewissen Verzögerung. Nach Jahren der quantitativen Lockerung könnte das Ende der geldpolitischen Grosszügigkeit diesmal womöglich zu heftigeren Turbulenzen führen als in der Vergangenheit. Dies käme dem Goldpreis ebenfalls zugute.

Zunehmende Schwankungen

Zu erhöhten Ausschlägen könnte auch die Geopolitik führen. Zwar zeigt sich der Markt gelassen, aber die Wahlen in Italien, die erratische Aussenpolitik Donald Trumps sowie die Spannungen mit Nordkorea und im Nahen Osten bergen das Potenzial, die Anleger in Panik zu versetzen. So warnt Roukaya Ibrahim, Stratege bei BCA Research: «Wurden die geopolitischen Risiken 2017 von den Marktteilnehmern überbewertet, werden sie heuer unterschätzt.» Er hat einen Blick in die Vergangenheit geworfen und die Auswirkungen der grössten Krisen auf verschiedene Anlageklassen untersucht. Sein Befund: Während die Aktienmärkte gemessen am S & P 500 jeweils heftig korrigierten und im Durchschnitt etwa 10 Prozent an Wert einbüssten, wurde Gold seinem Ruf als sicherer Hafen gerecht. Typischerweise stieg sein Preis um 4 Prozent (vgl. Grafik unten).

Krisen sind gut für Gold

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Ein weiterer positiver Faktor ist die anziehende Nachfrage aus den Schwellenländern. Gemäss Goldman Sachs hat die dortige Schmucknachfrage im vierten Quartal 2017 auf 650 Tonnen angezogen. Das entspricht einer Vervierfachung gegenüber dem Vorquartal. Chinesen und Inder stachen unter den Käufern hervor. Angesichts der Konjunkturbelebung in vielen aufstrebenden Volkswirtschaften dürfte die Nachfrage kräftig bleiben.

Notenbanken als Käufer

Doch nicht nur Private, auch einzelne Zentralbanken gehören zu den Käufern. Die Währungshüter Russlands, Chinas, Kasachstans und der Türkei haben in den vergangenen Jahren ihre Goldreserven stetig erhöht – unabhängig von Handelsüberschüssen oder dem Goldpreis. «Da es sich dabei um strategische Käufe handelt, erwarten wir keine signifikanten Veränderungen in der Goldnachfrage durch die Zentralbanken», meint Jeffrey Currie, Leiter Rohstoffresearch bei Goldman Sachs.

Angesichts dieser Entwicklung werden auch einige Rohstoffexperten optimistischer: So hat Currie jüngst seine Jahresendprognose für den Goldpreis von 1225 auf 1450 Dollar pro Unze angehoben. Anstatt einen fallenden erwartet er nun einen steigenden Preis. Natasha Kaneva, verantwortlich für Rohstoffmärkte bei J. P. Morgan, rechnet ebenfalls mit anziehenden Preisen: «Wir sind zuversichtlicher geworden bezüglich der Preisentwicklung von Edelmetallen und haben unsere Prognose für Gold auf 1460 Dollar erhöht.»

Erstellt: 02.03.2018, 10:41 Uhr

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