Griechenland beantragt offiziell neue IWF-Hilfen

Athen bittet den IWF um einen neuen Kredit. Das geht aus einem Schreiben von Finanzminister Euklid Tsakalotos hervor.

Schrieb an IWF-Chefin Christine Lagarde: Der griechische Finanzminister Euklid Tsakalotos.

Schrieb an IWF-Chefin Christine Lagarde: Der griechische Finanzminister Euklid Tsakalotos. Bild: Keystone

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Griechenland wird wahrscheinlich ab Montag mit seinen Gläubigern über das dritte Milliardenpaket zur Rettung vor dem Staatsbankrott verhandeln. Die geplante Vereinbarung solle am 18. August dem Parlament vorgelegt werden, erklärte die Regierung in Athen. Mit am Tisch sitzt neben den europäischen Partnern auch diesmal der Internationale Währungsfonds. Finanzminister Euklid Tsakalotos stellte einen offiziellen Hilfsantrag an den IWF.

Dies entspricht der Vereinbarung mit den anderen 18 Euro-Ländern vom 13. Juli. Darin sagt Athen zu, eine Anschlussfinanzierung beim IWF zu beantragen, dessen Griechenland-Hilfen im März 2016 auslaufen. Vor allem Deutschland will den IWF weiter mit an Bord haben. Athen wäre die Kontrolleure aus Washington gerne losgeworden. Der IWF sei ein harter Verhandlungspartner mit strengen Regeln, sagte Regierungssprecherin Olga Gerovasili. Andererseits stützt der IWF die griechische Forderung nach Schuldenerleichterungen, die Deutschland skeptisch sieht.

«Mehrere Quartale»

Im Brief des griechischen Finanzministers heisst es, man freue sich auf die weitere Zusammenarbeit mit dem IWF. Tsakalotos räumt darin ein, dass es wohl noch «mehrere Quartale» brauche, bevor die griechische Wirtschaft «zu einem starken und nachhaltigen Weg zum Wachstum mit Gerechtigkeit und sozialer Eingliederung zurückkehren» könne. Der Währungsfonds bestätigte in der Nacht zum Samstag den Eingang des Antrags.

Das griechische Parlament hatte diese Woche ein zweites Reformpaket beschlossen und damit die Vorbedingungen für Verhandlungen mit den Kreditgebern erfüllt. Das Land benötigt laut der Vereinbarung vom 13. Juli bis zu 86 Milliarden Euro in den kommenden drei Jahren. Nach 2010 hatten die Kreditgeber bereits zwei Hilfspakete über 240 Milliarden Euro aufgelegt.

Unter Zeitdruck

Bis zum geplanten Parlamentsvotum am 18. August werde wohl konstant verhandelt, sagte Regierungssprecherin Gerovasili. Ursprünglich waren die europäischen Unterhändler schon am Freitag in Athen erwartet worden. Aus nicht näher genannten logistischen Gründen verzögerte sich dies aber. Mutmassungen über Sicherheitsbedenken wies Gerovasili zurück. Griechenland steht unter Zeitdruck: Es muss am 20. August rund 3,2 Milliarden Euro Schulden an die Europäische Zentralbank zurückzahlen und braucht dafür frisches Geld.

Am Freitag hatten Beamte des griechischen Finanzministeriums, Banker und Unternehmer über eine Lockerung der Ende Juni eingeführten Kapitalverkehrskontrollen beraten. «Mit der Zeit wird die Situation wieder zur Normalität zurückkehren», sagte der stellvertretende Finanzminister Dimitris Mardas anschliessend. Wegen der Beschränkungen dürfen die Griechen derzeit nur 60 Euro pro Tag von ihren Konten abheben.

Am Freitag erlaubten ihnen die Behörden aber, bis zu 2000 Euro auf Auslandsreisen mitzunehmen. Die Begrenzung für Geldtransfers von Unternehmen ins Ausland wurde auf 100000 Euro pro Tag angehoben. Doch wollen die Behörden solche Überweisungen scharf kontrollieren. (woz/SDA)

Erstellt: 24.07.2015, 20:27 Uhr

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