Griechischer Bestechungsfall führt über UBS-Konto in die Schweiz

Der Waffenhändler Konstantin Dafermos sitzt seit wenigen Tagen in Athen in Untersuchungshaft.

Griechenland hat vor der Krise sein Rüstungsbudget stark aufgestockt: Helikopter der griechischen Armee während einer Übung. Foto: Aris Messinis (AFP)

Griechenland hat vor der Krise sein Rüstungsbudget stark aufgestockt: Helikopter der griechischen Armee während einer Übung. Foto: Aris Messinis (AFP)

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Konstantin Dafermos ist in Griechenland ein bekannter Geschäftsmann. Eine schillernde Figur, die immer wieder im Umfeld von heiklen Waffengeschäften auftaucht. Seit einigen Tagen füllt er die griechischen Zeitungen. Dafermos, sein Sohn und ein Geschäftspartner wurden vorige Woche von der griechischen Polizei festgenommen. Der Sohn und der Geschäftsmann sind inzwischen wieder auf freiem Fuss, Dafermos sitzt weiter in Untersuchungshaft. Von der Athener Staatsanwaltschaft wird ihm die Bestechung von Beamten sowie Geldwäscherei vorgeworfen. Er soll bei einem Waffendeal in Griechenland einen wichtigen Beamten geschmiert haben. Neue Beweise aus der Schweiz erhärten den Verdacht. Denn die Schmiergeldzahlungen sollen über ein UBS-Konto geflossen sein. Dafermos bestreitet die Vorwürfe.

Russische Raketen

Konstantin Dafermos ist der Kopf hinter dem griechisch-österreichischen Waffenhandelsunternehmen Scorpion International Services. Die Firma handelt hauptsächlich mit Rüstungsgütern aus russischer Produktion. Sie vertreibt unter anderem die Produkte des Unternehmens Rosoboronexport, des wichtigsten Exporteurs von russischem Militärmaterial. Dafermos’ Firma hat in der Vergangenheit auch die griechische Armee beliefert. Das war vor der Krise in Griechenland ein gutes Geschäft, denn das Land rüstete in den 90er-Jahren massiv auf. Das Rüstungsbudget stieg laut Schätzungen des Stockholm International Peace Research Institute zwischen 1995 und 2001 um ein Drittel auf 8,8 Milliarden Dollar. Damit das griechische Militär bei ihm einkauft, soll sich Dafermos nicht nur auf das steigende Budget und die Qualität der russischen Produkte, sondern auch auf Schmiergeldzahlungen verlassen haben. So zumindest lautet der Vorwurf der Athener Staatsanwaltschaft.

Die Ermittler werfen dem Waffenhändler konkret vor, beim Kauf von russischen Panzerabwehrraketen vom Typ Kornet den zuständigen Beamten im Rüstungsministerium vor 13 Jahren mit 3 Millionen Euro geschmiert zu haben. Das gesamte Geschäft hatte ein Volumen von rund 100 Millionen Euro. Dafür lieferte Dafermos 98 Kornet-Panzerabwehrraketen an das griechische Militär.

Dass Dafermos nach so langer Zeit in Untersuchungshaft sitzt, hat einen besonderen Grund. Der von ihm bestochene Beamte heisst Antonis Kantas. Kantas war zwischen 1997 und 2002 für Beschaffungen im griechischen Militär verantwortlich und liess sich dabei bestechen. Insgesamt soll er rund 12 Millionen Euro Schmiergeld kassiert haben. Doch Kantas ist reuig. 2014 hat er dem griechischen Staat freiwillig 11,5 Millionen Euro Bestechungsgelder zurückbezahlt. Er hat zudem Ende 2013 ein umfassendes Geständnis abgelegt. Dabei gab er auch genaue Hinweise über die einzelnen Bestechungszahlungen, deren Auftrag­geber sowie die exakten Geldströme in die Schweiz und nach Singapur. Mit diesen Aussagen hat die Staatsanwaltschaft Athen rund ein Dutzend ­Verfahren eröffnet. Die meisten davon haben Bezug zur Schweiz.

In seinem ­Geständnis schwärzte Kantas auch Dafermos an. Bis vor wenigen Tagen blieb der Waffenhändler jedoch unbehelligt, denn Kantas’ Vorwürfe waren nicht einfach zu belegen. Den Athener Ermittlern fehlten handfeste Beweise, um die Zahlungen von Dafermos an Kantas zu belegen. Zu Beginn dieses Jahres wurden die Ermittler in der Schweiz fündig.

Verdächtige Transaktionen

Die Schweizer Bundesanwaltschaft lieferte auf Gesuch der Anwälte von Kantas Ende März 2015 Informationen zu einer Transaktion aus dem Jahr 2002 an die griechischen Ermittler. Dabei geht es um einen eingelösten Check über 800'000 Dollar vom Januar 2002. Dieser Check wurde auf das UBS-Konto von Kantas in Zürich eingezahlt. Von dort floss das Geld auf eine österreichische Bank in Wien. Der Auftraggeber dieser Trans­aktion ist laut den griechischen Ermittlungsakten der Unternehmer Dafermos. Diese Zahlung könnte das wichtige Puzzlestück im Verfahren sein.

Laut Kantas gab es noch eine zweite verdächtige Transaktion. Im November 2002 sollen noch einmal 980'000 Dollar in bar auf das gleiche UBS-Konto einbezahlt worden sein.

Dafermos beteuert seine Unschuld. Er habe der griechischen Armee das beste und das preiswerteste Angebot gemacht, und dem griechischen Staat sei durch ihn kein Schaden entstanden, heisst es in einem Statement, das kürzlich veröffentlicht wurde. Es sei gegen ihn schon früher ermittelt worden, verurteilt worden sei er jedoch noch nie.

Erstellt: 12.10.2015, 23:44 Uhr

Ermittlungen in der Schweiz

50 Rechtshilfeverfahren aus Athen

Die griechischen Staatsanwälte und die Schweizer Bundesanwaltschaft (BA) pflegen einen regen Austausch. Es geht dabei meist um griechische Beamte oder Politiker, die von Rüstungsfirmen bestochen wurden. Das Geld gelangte via Schweizer Finanzplatz an die Empfänger. In der Schweiz wurde daher bereits viel Geld sichergestellt. Laut der BA wurden beim beschriebenen Raketengeschäft 45 Millionen Franken beschlagnahmt. Die BA führt inzwischen über 50 Rechtshilfeverfahren zu Rüstungsgeschäften in Griechenland. Das bedeutet, dass in den letzten sechs Monaten zehn neue Gesuche aus Athen eingegangen sind. Zudem führt die BA acht eigene Strafverfahren. Diese richten sich unterdessen gegen sechs Personen. Eine weitere Person ist somit in den letzten Monaten neu ins Visier der Ermittler geraten. Ein Beschuldigter sitzt in der Schweiz in Untersuchungshaft. (jb)

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