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Hat der Verbrennungsmotor bald ausgedient?

Eine Studie des Umweltbundesamtes löst eine heftige Debatte in Österreich aus. Ab 2020 sollen Autohändler keine Fahrzeuge mehr mit Diesel- oder Benzinmotor verkaufen dürfen.

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Eine Studie des österreichischen Umweltbundesamtes erhitzte die Gemüter: Morgendlicher Rush-Hour-Verkehr in Moskau. (Archivbild)
Eine Studie des österreichischen Umweltbundesamtes erhitzte die Gemüter: Morgendlicher Rush-Hour-Verkehr in Moskau. (Archivbild)
Yuri Kochetkov, Keystone

Schon ab dem nächsten Jahrzehnt sollen in Österreich keine Benzin- und Dieselautos mehr verkauft werden, sondern nur mehr Stromfahrzeuge. Das fordert das österreichische Umweltbundesamt in einer Studie zum Thema Energiewende.

Erwartungsgemäss löste der Vorschlag landesweites Kopfschütteln aus, wie die «autrorevue.at» schreibt: Nur 0,1 Prozent der zugelassenen Autos seien Elektroautos; Massnahmen, bald nur noch solche Autos zu erlauben seien utopisch, sagen die Automobil-Importeure. Die Wirtschaftskammer (WKÖ) spricht von einem «verspäteten Aprilscherz»; sie wirft dem Umweltbundesamt vor, es hätte wirtschaftliche oder soziale Auswirkungen ausser Betracht gelassen. Und auch der Österreichische Automobil-, Motorrad- und Touringclub ÖAMTC verurteilt den Vorschlag als «unrealistisch, teuer und wirkungslos».

Dem wiederum widersprechen Experten des Dachverbandes Erneuerbare Energie (EEÖ) und aus dem Umweltbundesamt: «Ein Umbau des Verkehrssystems ist unerlässlich. Wir laden die WKÖ ein, ihre Szenarienberechnungen und Vorschläge zur Reduktion des Treibhausgasemissionen um 80 bis 90 Prozent bis 2050 darzulegen. Denn das ist die Dimension der in Paris und in der EU vereinbarten Klimaziele», so Umweltbundesamt-Geschäftsführer Georg Rebernig.

Weitere Länder planen ohne Diesel und Benziner

Debatten wie in Österreich nehmen derzeit in einer wachsenden Zahl von Ländern Fahrt auf. In den Niederlanden, Norwegen, Indien und Deutschland sind Politiker mit konkreten Jahreszahlen für einen Ausstieg aus dem Verbrennungsmotor vorgeprescht, schreibt das Wirtschaftsnachrichtenportal «manager-magazin.de».

Die norwegische Regierung hat den Entwurf für einen Verkehrsplan vorgestellt, nach dem ab 2025 nur abgasfreie Fahrzeuge verkauft werden sollen. In den Niederlanden hat die zweite Kammer des Parlaments dasselbe Vorhaben beschlossen und in Indien sollen 2030 nur noch Elektroautos auf den Strassen fahren. Und auch in Deutschland sollen ab 2030 keine neuen Benziner und Diesel mehr auf die Strasse kommen; zumindest wenn es nach Wirtschafts-Staatssekretär Rainer Baake von den Grünen gehe, wie das Fachmagazin «Bizzenergy», weiss.

Verbots-Thema mit neuer Dynamik

«Das Thema Verbrennungsmotor-Verbot hat zuletzt eine völlig neue Dynamik bekommen», sagt Autoexperte Stefan Bratzel von der Fachhochschule Bergisch Gladbach im «manager-magazin.de». Dies habe zwei Gründe: Den Abgasskandal um VW und andere Hersteller sowie den Vormarsch des US-amerikanischen Elektroautobauers Tesla. Auch Bratzel hält einen Ausstieg aus dem Verbrennungsmotor in den nächsten fünf bis zehn Jahren für unrealistisch. Aber prinzipell sei den meisten Herstellern klar, dass das fossile Zeitalter zu Ende gehe. Insbesondere der Erfolg von Tesla habe einen möglichen Ausweg aus den Problemen gezeigt, so Bratzel.

Verbote könnten für Diesel und Benziner in einzelnen Ländern erhebliche Folgen für die Industrie haben. «Wenn einige wichtige Märkte den Umschwung durchziehen, kann das rasch eine globale Wirkung entfalten», sagt Bratzel. «Man würde erkennen: es geht doch».

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