IWF-Chefin Lagarde kandidiert für zweite Amtszeit

Grosse europäische Nationen wollen sie weiter an der Spitze des Internationalen Währungsfonds sehen. Jetzt hat Christine Lagarde ihre Kandidatur bekannt gegeben.

Ihre erste Amtszeit läuft Ende Juli aus: IWF-Direktorin Christine Lagarde, hier am WEF in Davos. (21. Januar 2016)

Ihre erste Amtszeit läuft Ende Juli aus: IWF-Direktorin Christine Lagarde, hier am WEF in Davos. (21. Januar 2016)

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Die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, hat ihren Hut für eine zweite Amtszeit in den Ring geworfen. «Ja, ich bewerbe mich für ein zweites Mandat», sagte die Französin am Freitag dem Sender France 2. Zuvor hatte sie aus ihrem Heimatland sowie aus Deutschland und Grossbritannien breite Unterstützung für ein neues Mandat erfahren. Lagardes Amtszeit läuft Ende Juli aus.

Der IWF hatte am Mittwoch das Rennen um den Spitzenjob eröffnet und mitgeteilt, dass sich Interessierte bis zum 10. Februar melden könnten. Der Verwaltungsrat will sich dann bis Anfang März auf einen Kandidaten einigen. Den ungeschriebenen Regeln zufolge stellen die Europäer den Chef des IWF und die USA den der Weltbank - auch wenn dieses System vor allem seitens der Schwellenländer zunehmend in die Kritik gerät.

«Umsichtige und erfolgreiche Krisenmanagerin»

«Ich hatte die Ehre, seit dem Beginn des Bewerbungsprozederes viel Unterstützung zu bekommen», sagte Lagarde und verwies auf den Zuspruch aus Frankreich, Deutschland, Grossbritannien und China. Die USA hingegen hätten die Angewohnheit, ihre Position erst spät mitzuteilen, sagte sie. Gleichwohl habe sie kürzlich von US-Vizepräsident Joe Biden «lobende» Worte erhalten, was ihr «beinahe peinlich» gewesen sei.

Das Bundesfinanzministerium hatte am Donnerstag erklärt, Lagarde sei in den schwierigen Zeiten nach der Finanzkrise eine «umsichtige und erfolgreiche Krisenmanagerin» gewesen und habe «ganz wesentlich» zum hohen Ansehen des IWF beigetragen. Grossbritanniens Finanzminister George Osborne lobte Lagarde als «aussergewöhnliche Führungspersönlichkeit», die in der Lage sei, die Weltwirtschaft in den kommenden Jahren zu steuern.

Finanzaffäre um Lagarde

US-Finanzminister Jack Lew äusserte sich ebenfalls wohlwollend über Lagardes «exzellente Arbeit» - obgleich er eine konkrete Unterstützung für ein zweites Mandat offen liess. Frankreichs Premierminister Manuel Valls sagte in Davos, Frankreich habe «grosses Vertrauen» in Lagarde und werde sie unterstützen.

Getrübt werden könnte Lagardes erneuter Anlauf auf den IWF-Spitzenposten indes durch einen möglichen Prozess in ihrer Heimat wegen einer acht Jahre zurückliegenden Finanzaffäre in ihrer Zeit als französische Wirtschafts- und Finanzministerin. Dabei geht es um eine umstrittene Millionen-Entschädigungszahlung an den Geschäftsmann Bernard Tapie. Die Ermittler werfen ihr Nachlässigkeit im Umgang mit öffentlichen Geldern vor.

Lagarde kündigte bereits Rechtsmittel an, während der IWF ihr vor dem Hintergrund der Justizaffäre sein Vertrauen aussprach. Darauf angesprochen sagte Lagarde nun erneut, sie habe «im Interesse des Staates» und «gesetzeskonform» gehandelt. Sie habe in der Sache ein gutes Gewissen.

Seit 2011 an der Spitze

Der IWF ist eine UN-Sonderorganisation mit Sitz in Washington. Erst Ende Dezember hatte der weltweit bedeutende Kreditgeber für notleidende Staaten seinen 70. Geburtstag gefeiert.

Lagarde hatte den Posten an der IWF-Spitze 2011 übernommen. Damals hatte sich auch der Zentralbankchef von Mexiko, Agustín Carstens, beworben. Die Schwellenländer fordern wegen ihrer zunehmenden wirtschaftlichen Bedeutung mehr Einfluss in den globalen Finanzinstitutionen. Für die neue Amtsperiode ist Lagarde bislang die einzige Kandidatin. (dia/AFP)

Erstellt: 22.01.2016, 08:17 Uhr

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