Jens Alders Ämterhäufung könnte zum Reputationsrisiko werden

Der Alpiq-Chef soll neben seinem Doppelmandat nun auch noch Präsident bei Schmolz + Bickenbach werden. Die Begründung: Er habe beim Stromkonzern nur einen Teilzeitvertrag.

Auf ihn kommt viel Arbeit zu: Alpiq-Konzernchef Jens Alder. Foto: Salvatore Vinci (13 Photo)

Auf ihn kommt viel Arbeit zu: Alpiq-Konzernchef Jens Alder. Foto: Salvatore Vinci (13 Photo)

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Jens Alder hat sich als Swisscom-Chef den Ruf eines kompetenten Managers erarbeitet. Nun droht der 61-Jährige durch seine Anhäufung verschiedener Ämter und Posten für die betreffenden Unternehmen zu einem Reputationsrisiko zu werden.

Diese Einschätzung äussern Corporate-Governance-Experten, nachdem gestern bekannt wurde, dass Alder neben seinem Doppelmandat als Verwaltungsratspräsident und operativer Chef von Alpiq auch noch Verwaltungsratspräsident des Stahlherstellers Schmolz+Bickenbach werden will.

«Durch das weitere Präsidentenamt macht sich Herr Alder zusätzlich angreifbar», sagt Silvan Felder, Inhaber der VR Management AG, der Verwaltungsräte schult und vermittelt. «Sobald irgendwo etwas nicht rundläuft, wird dies immer auch mit seiner Ämterhäufung in Verbindung gebracht werden. Beide Unternehmen, in denen er den Verwaltungsrat präsidiert, tragen somit ein Reputationsrisiko.»

«Mittelalterliches Denken»

Die Wirtschaftsjuristin Monika Roth doppelt nach: «Entweder Herr Alder überschätzt seine Arbeitsfähigkeit, oder er unterschätzt die Herausforderungen, die es bei Schmolz + Bickenbach als einem weiteren börsenkotierten Unternehmen gibt.»

In der Tat sind beide Unternehmen derzeit nicht in Topform. Schmolz + Bickenbach wies gestern für das vergangene Jahr rote Zahlen aus. Alpiq schrieb ebenfalls einen hohen Verlust. Auf Alder wird in beiden Unternehmen viel Arbeit zukommen. Bei Alpiq etwa zeichnet sich eine Umwälzung im Aktionariat ab, da der zweitgrösste Aktionär, der französische Stromriese EDF, seine Anteile verkaufen will. Bei Schmolz + Bickenbach ist der grösste Aktionär, der russische Oligarch Viktor Vekselberg, weiterhin mit US-Sanktionen belegt.

Der Energiekonzern Alpiq, der grösstenteils Kantonen, Gemeinden und deren Elektrizitätswerken gehört, hat mit dem zusätzlichen Amt kein Problem – im Gegenteil: «Alpiq gratuliert Jens Alder zu der Nomination», sagt eine Sprecherin. Laut Statuten des Energiekonzerns dürfen Mitglieder der Geschäftsleitung bis zu drei Verwaltungsratsmandate in börsenkotierten Unternehmen wahrnehmen.

Im Verwaltungsrat ist der neue Job des Doppelchefs auf keinen Widerstand gestossen. Den Angaben zufolge ist Alders neues Mandat bei Schmolz + Bickenbach im Nominations- und Vergütungsausschuss von Alpiq besprochen worden. Der Gesamtverwaltungsrat wurde vom Vorgang nur noch in Kenntnis gesetzt. Vorsitzender des Nominationsausschusses ist Mehrfach-Verwaltungsrat Wolfgang Martz. Seine Begründung, warum der Ausschuss das Mandat genehmigt hat, überrascht: «Herr Alder hat bei Alpiq ein vereinbartes Arbeitspensum von 80 Prozent. Über die übrigen 20 Prozent kann er also verfügen.»

Dieser Punkt verdient es, hervorgehoben zu werden: Jens Alder ist operativer Chef und Verwaltungsratspräsident von Alpiq, einem Unternehmen mit insgesamt 1500 Mitarbeitern und zuletzt gut 5 Milliarden Franken Umsatz, das an zwei Kernkraftwerken in der Schweiz beteiligt ist. Diese Verantwortung ist also mit einem Pensum von nur 80 Prozent zu stemmen.

«Fragen der Corporate Governance scheinen im Verwaltungsrat von Alpiq keine grosse Rolle zu spielen», sagt Christophe Volonté vom Stimmrechtsberater Inrate. «Ich kann nicht nachvollziehen, warum Schmolz + Bickenbach Herrn Alder zu seinem Präsidenten macht.»

Er schafft das schon

Dazu antwortet der Stahlkonzern, dass Alder «eine ausgewiesene Führungspersönlichkeit» sei und damit «genau der richtige Mann» für den Job. Mit Blick auf die Arbeitsbelastung heisst es lapidar: «Das wird er schon stemmen.»

Und wie wirkt sich die Ämtersammlung finanziell aus? Aus Alders Umfeld heisst es, er mache die Jobs nicht für Geld. So soll er bei Alpiq trotz Doppelmandat nur 800'000 Franken bekommen, einen Bonus gebe es nicht. Vorgängerin Jasmin Staiblin nahm rund 2 Millionen Franken mit nach Hause.

Dank dem neuen Mandat bei Schmolz + Bickenbach kommen für Jens Alder nun nochmals 500'000 Franken oben drauf, wovon die Hälfte in bar und die andere Hälfte in Aktien ausbezahlt wird. Zumindest war das die Vergütung des scheidenden Präsidenten. Macht unter dem Strich rund 1,3 Millionen Franken für drei Posten – und die Kritik an der Ämterhäufung, die bekommt Jens Alder gratis dazu.

Erstellt: 13.03.2019, 20:32 Uhr

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