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Kann es noch schlimmer kommen? – 5 Fragen zum Börsencrash

Corona lässt die Aktienbörsen weltweit abstürzen, den SMI allein um rund 20 Prozent. Wie weit geht es noch runter? Börsenexperten antworten.

Die Börse reagiert panisch auf den Corona-Crash – wie gehts jetzt weiter? Foto: Keystone
Die Börse reagiert panisch auf den Corona-Crash – wie gehts jetzt weiter? Foto: Keystone

Warum sinken die Börsen so stark?

Hauptgrund ist die grosse Unsicherheit, weil derzeit niemand abschätzen kann, wie sich das Coronavirus entwickelt. «Es ist schwer, zu sagen, ob das Schlimmste im Mai vorüber ist und wann sich das Leben wieder normalisiert», sagt ZKB-Aktienstratege Claude Zehnder. Der Absturz fällt auch deshalb so heftig aus, weil es mit den Kursen in den vergangenen Jahren stetig bergauf ging. Damit ist die Fallhöhe grösser.

Hinzu kommt der Ölpreiskrieg zwischen Saudiarabien und Russland. «Im Unterschied zur Finanz- und Immobilienkrise 2008 erleben wir hier eine Angstkrise – eine Panik, die sich über Nacht ausbreitet. Das erklärt auch die Geschwindigkeit des Ausverkaufs», sagt der Credit-Suisse-Anlagechef für die Schweiz, Burkhard Varnholt. Mitte Februar stand der SMI noch bei 11’270 Punkten, aktuell sind es 8560 Zähler.

Wie weit kann es noch runtergehen?

Seit den Hochs hat der SMI rund ein Viertel an Wert verloren, einen Grossteil davon in den vergangenen Tagen. «Das legt nahe, dass wir uns wahrscheinlich in der Nähe des Tiefpunkts befinden», sagt Varnholt. Auch ZKB-Stratege Zehnder erwartet in absehbarer Zukunft keine so drastischen Kursstürze mehr. «Ich glaube, dass wir jetzt auf Kursniveaus angelangt sind, wo es nicht mehr im freien Fall weiter nach unten geht. Wir dürften uns mit grossen Schwankungen seitwärts bewegen.» Im Wochenverlauf waren die Aktienmärkte um teilweise zehn Prozent an nur einem Tag abgestürzt – der grösste Kursrutsch seit Jahrzehnten.

Doch der Anlagechef der St. Galler Kantonalbank, Thomas Stucki, ist nicht sicher, ob das Schlimmste bereits überstanden ist. «Es kann schon noch weiter runtergehen. Viel hängt von der weiteren Entwicklung in den USA ab.» Sollte sich das Virus dort ähnlich ausbreiten wie in China und Europa, sei ein weiterer Absturz nicht auszuschliessen.

Wann kommt der Aufschwung?

An eine nachhaltige Erholung glauben Aktienstrategen derzeit noch nicht. Um die Lage zu stabilisieren, sei eine weltweit koordinierte Aktion nötig, um die Gesundheit der Bevölkerung zu schützen, sagte Varnholt. Zudem seien fiskalpolitische Massnahmen wünschenswert, um die Einbussen für die Wirtschaft abzumildern. Denn von der Erholung der Weltwirtschaft ist nach Einschätzung von Varnholt abhängig, wann es an den Märkten wieder bergauf geht. «Die Frage ist nun, ob es zu einer V-förmigen Entwicklung kommt oder wir auf einen mehrjährigen Abwärtsmarkt zusteuern», sagt Varnholt.

Wie soll man sich als Anleger verhalten?

Stucki von der St. Galler Kantonalbank rät Anlegern, ihre Portfolios zu überprüfen. Wenn die Firmen, in die sie investiert haben, die Krise voraussichtlich gut überstehen, bestehe kein Anlass zur Sorge. «Wenn die Anlagestrategie, die man definiert hat, stimmt, dann macht man am besten nichts. Die Tagesschwankungen sind so gross – was morgen ist, das hat man heute nicht im Griff», sagt Stucki. Sobald Anleger in Panik verfallen, nütze dieser Rat jedoch wenig. «Wer Angst hat, der muss sich aus dem Markt verabschieden mit dem Risiko, dass man auf dem Tiefstand verkauft hat», sagt Stucki.

Auch Credit-Suisse-Anlageexperte Varnholt warnt davor, nun voreilige Entscheidungen zu treffen. «Angst war noch nie ein guter Ratgeber.» Gut vor Abstürzen geschützt seien Investoren, die ihr Geld in verschiedene Anlageklassen gesteckt haben.

Was bedeutet das für meine Vorsorge/Pension?

Dem Abschwung an den Märkten können sich auch die Schweizer Pensionskassen nicht entziehen. In den ersten zwei Monaten des Jahres betrug ihre Performance nach einer Erhebung der UBS durchschnittlich minus zwei Prozent – nach Gebühren. Grund für das Minus ist die schlechte Entwicklung bei Aktien, während sich Anleihen gut hielten. In die Erhebung fliesst die Performance von rund 70 Schweizer Pensionskassen ein, die ihre Anlagen bei der UBS verwalten lassen. Im Vorjahr hatten sie noch Zuwächse verzeichnet.

Kleinere Rückgänge hat es in den vergangenen Jahren immer wieder gegeben. Die letzten grossen Verluste verbuchten die Pensionskassen in der Finanzkrise 2008 mit einem Rückgang von knapp 13 Prozent.Trotz der kurzfristigen Einbussen mahnt Zehnder auch hier zu Besonnenheit. «Bei Pensionsanlagen geht es um die lange Frist. Die Zeit heilt Wunden, das gilt auch für den Aktienmarkt», sagt er.

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