400 Frauen für Verwaltungsräte

Gemäss einem Bericht will der Arbeitgeberverband Frauen präsentieren, die sich für ein VR-Mandat eignen. Damit will er auch die Frauenquote verhindern.

Der Bundesrat will mehr Frauen an den Sitzungstisch von Verwaltungsräten bringen: Sitzungszimmer im Gebäude der Eidgenössischen Finanzverwaltung in Bern. (Archivbild: Keystone)

Der Bundesrat will mehr Frauen an den Sitzungstisch von Verwaltungsräten bringen: Sitzungszimmer im Gebäude der Eidgenössischen Finanzverwaltung in Bern. (Archivbild: Keystone)

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Am nächsten Dienstag präsentiert der Schweizerische Arbeitgeberverband eine Publikation mit Porträts von 400 Frauen, die sich für ein Verwaltungsrats-Mandat eignen. Dies berichtet die «SonntagsZeitung». 200 dieser Frauen sitzen schon heute in Verwaltungsräten grösserer Unternehmen, 200 neue Gesichter wurden von einem Projektteam ausgewählt. Der Verband will damit das Argument kontern, es gebe nicht genügend qualifizierte Frauen für die Besetzung von Verwaltungsratspositionen.

Mit seinem Engagement versucht er gleichzeitig, den Forderungen nach einer Frauenquote den Wind aus den Segeln nehmen. Der Bundesrat will mit der Aktienrechtsrevision eine Geschlechterquote von 30 Prozent im Verwaltungsrat von börsenkotierten Gesellschaften ins Gesetz schreiben. Die Vorlage könnte noch dieses Jahr ins Parlament kommen. Der Frauenanteil in den Verwaltungsräten der börsenkotierten Schweizer Unternehmen steigt nur langsam an. In den letzten drei Jahren nahm er von 7,4 auf 10,8 Prozent zu.

Explizit Frauen gesucht

Doch die Zahlen bilden gemäss «SonntagsZeitung» die Dynamik der Feminisierung nur unzureichend ab. Weil jedes Jahr nur eine kleine Zahl von Verwaltungsratssitzen neu besetzt werden, verändert sich die Zusammensetzung der obersten Führungsgremien nur langsam. Sichtbar werde das Tempo des weiblichen Vormarsches jedoch am Anteil der Frauen an den Neubesetzungen. 2010 eroberten sie 10 Prozent aller vakanten Sitze, im laufenden Jahr schon fast 30 Prozent.

Das zeige eine aktuelle Auswertung der Generalversammlungs-Saison 2015 durch den Aktionärsberater zRating. «Es ist offensichtlich: Frauen sind auf dem Vormarsch», sagt zRating-Chef Michael Otte gegenüber der «SonntagsZeitung». «Bei mehr als der Hälfte unserer Suchaufträge für den Verwaltungsrat geht es heute darum, explizit eine Frau zu finden», bestätigt Headhunterin Doris Aebi von Aebi + Kühni. Das sei eine neue Entwicklung und sehr positiv. (thu)

Erstellt: 19.04.2015, 12:06 Uhr

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