Ähnlichkeit mit dem Chef fördert Jobsicherheit

Wem wird gekündigt, wenn ein Unternehmen Stellen streichen muss? Ausländer, beim Chef unbeliebt, über 50 Jahre alt – diese Faktoren begünstigen gemäss einer Studie eine Entlassung.

Bei 80 Prozent der Entlassenen spielt nicht nur eine Restrukturierung im Unternehmen eine Rolle bei der Kündigung: Ein Team unterhält sich im Kreis. (Archivbild)

Bei 80 Prozent der Entlassenen spielt nicht nur eine Restrukturierung im Unternehmen eine Rolle bei der Kündigung: Ein Team unterhält sich im Kreis. (Archivbild) Bild: Keystone

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2012 sind die meisten Entlassungen mit Restrukturierungen begründet worden. Geht es allerdings um die zu entlassende Person, gibt die Sympathie des Vorgesetzten oft den Ausschlag. Zudem springt eher ein Ausländer als ein Schweizer über die Klinge.

Ein weiteres Kündigungsrisiko ist das Alter. Ist jemand einmal über 50, ist über ihn trotz grösserer Erfahrung schnell einmal der Stab gebrochen.

Das weist Lee Hecht Harrison in einer heute veröffentlichten Studie aus. Das zu Adecco gehörende Personalentwicklungsunternehmen stützt sich dabei auf Zahlen des Bundesamts für Statistik (BFS), des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco) und die eigene Datenbank.

2012 beriet es rund 1900 Stellensuchende. Nach Auskunft von Geschäftsführer Pascal Scheiwiler hatten diese Jobs mit 70'000 bis 250'000 Franken Jahressalär. Den Hauptharst stellten die Einkommensklassen zwischen 100'000 und 130'000 Franken.

Wenn die Chemie nicht stimmt

Die meisten von ihnen wurden wegen Restrukturierungen entlassen. Bei 80 Prozent kristallisierte sich neben diesem offiziellen Grund schnell einmal ein anderer heraus: Der Chef.

In unsicheren Zeiten sucht gemäss dem Beratungsunternehmen auch ein Chef die Sicherheit. Diese findet er bei vertrauten Arbeitsweisen, ähnlichen Persönlichkeiten und gleichen Ansichten. Wer sich da nicht anpassen kann, landet schnell auf der Strasse.

Auch Nationalität und Herkunft spielten bei den Kündigungen 2012 eine Rolle. In Grossunternehmen sind Schweizer auf der Teppichetage eher dünn gesät. Die KMU miteinbezogen beträgt nach BFS-Zahlen der Ausländeranteil an Führungskräften 27 Prozent – leicht weniger als der Anteil an der Erwerbsbevölkerung.

Nun vereinfacht dies die Lage auf dem Arbeitsmarkt für Ausländer nicht. Wird jemand gefeuert, ist es eher ein Ausländer als ein Schweizer. Wie Lee Hecht Harrison berichtet, sind gemäss Seco-Zahlen von Ende Dezember 48 Prozent der Arbeitslosen Ausländer, also mehr als ihr Anteil an der Erwerbsbevölkerung. Das schlägt sich auch in der Klientel von Lee Hecht Harrison nieder: Nur die Hälfte von ihr hatte einen Schweizer Pass.

Die «5» am Rücken

Eine zweite Gruppe der Entlassenen, welche die Restrukturierungen 2012 überproportional traf, sind die Älteren. Über 56-Jährigen wurde dabei oft eine Frühpensionierung in Aussicht gestellt. Wer sich das nicht leisten konnte, hatte indessen grösste Schwierigkeiten, eine neue Stelle zu finden.

Die Gruppe der über 50-Jährigen stellt denn auch 41,5 Prozent der Langzeitarbeitslosen. Gemäss dem Beratungsunternehmen widerspricht das der Behauptung der Demografen, wonach die Überalterung zu einem Fachkräfte-Engpass führt. Offensichtlich sei der Engpass nicht spürbar, sonst hätten es Ältere bei der Stellensuche nicht so schwer.

Stellensuche mit Stelle einfacher

Augenfällig wurde im Vergleich der Landesteile, dass in der lateinischen Schweiz Stellensuchende mehr Mühe haben, in einem anderen Unternehmen im selben Sektor eine gleichwertige Stelle zu finden. Dieser Trend dürfte auch auf die Deutschschweiz übergreifen – zumindest in einigen Branchen wie den Banken.

Generell sind Stellenwechsel leichter von einer ungekündigten Stelle aus zu bewerkstelligen, lautet ein weiterer Schluss. Personalvermittler suchen die geeigneten Kandidaten eher bei den Beschäftigten als im offenen Arbeitsmarkt. Sie vermitteln die Kandidaten dann auf die selbe Position in der gleichen Branche. (rbi/sda)

Erstellt: 25.01.2013, 21:57 Uhr

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