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«Auf jeder Shortlist will man eine Frau»

Die Schweiz weist im internationalen Vergleich eine geringe Frauenquote im Topmanagement auf. Trotzdem sagt Headhunter Guido Schilling, dass die Entwicklung auch hierzulande in die richtige Richtung gehe.

«Durchmischte Teams sind erfolgreicher»: Headhunter Guido Schilling.
Video: Simon Schmid

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Das 21. Jahrhundert werde das Jahrhundert der Frau, sagt Guido Schilling. Tagesanzeiger.ch/Newsnet hat den Headhunter am Samstag in seinem Büro im Zürcher Prime Tower getroffen. Hoch über der Stadt schildert der Autor des heute erschienenen Schillingreports, wie sich die Vertretung von Frauen im Topmanagement von Schweizer Grossunternehmen entwickelt hat.

«Die Entwicklung geht klar in die richtige Richtung», sagt Schilling, der mit seinem Executive-Search-Unternehmen Spitzenkräfte für die Wirtschaft rekrutiert. «Auf jeder Shortlist von drei bis vier Personen für einen Job will man heute eine Frau zur Auswahl haben», so Schilling im Videointerview.

Breitere Suche bei Frauen

Im Zahlenvergleich mit dem Ausland zeigt sich jedoch, dass die Schweiz noch grosses Aufholpotenzial hat. Waren zum Stichtag 1. Januar 2013 nur gerade 8 respektive 11 Prozent der Mitglieder in Geschäftsleitung und Verwaltungsrat von Schweizer Unternehmen weiblich, so liegen die Verhältnisse global betrachtet bei über 40 Prozent. «International steht die Schweiz noch nirgends», hält Schilling fest.

Laut dem Headhunter geben sich die Unternehmen hierzulande aber Mühe, den Frauenanteil in der Chefetage zu erhöhen. Bei weiblichen Führungskräften werde das Fenster der möglichen Herkunftsbranchen einer Person weiter geöffnet als bei Männern. Trotzdem bräuchten Fortschritte Zeit, sagt Schilling: «Das Gras wächst auch nicht schneller, wenn man daran zieht.»

Deutsche wollen nicht mehr in die Schweiz

Eine interessante Tendenz hat der Headhunter beim Verhältnis der Schweizer Wirtschaft zum nördlichen Nachbarland festgestellt. Stammten vor wenigen Jahren noch zahlreiche Konzernchefs von Schweizer Unternehmen aus Deutschland, so findet sich zurzeit nur noch ein einziger Deutscher unter den CEOs. «Es ist anspruchsvoller geworden, deutsche Manager für die Schweiz zu gewinnen», sagt Schilling.

Hätte früher oft ein Telefonanruf genügt, um einen Manager aus Deutschland in die Schweiz zu locken, so zögen heute viele Topleute den Verbleib in Deutschland einem Umzug vor. Wichtigster Grund dafür sei die robuste deutsche Wirtschaft, so Schilling. Doch auch die negative Berichterstattung zum Image der Deutschen in der Schweiz hätte zur Trendumkehr beigetragen.

Erstellt: 27.05.2013, 16:39 Uhr

Schillingreport 2013

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