Der Männerbonus beim Bonus

Je höher der Posten, desto grösser der variable Lohnanteil – und desto stärker der Geschlechterunterschied beim Salär. Das zeigen Daten aus dem Kanton Zürich im Vorfeld des morgigen «Equal Pay Day».

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15 Prozent Bonus für die Teamverantwortliche A, 21 Prozent Bonus für den Bereichsleiter B – die Bestimmung der variablen Gehälter ist Chefsache. Zahlen zeigen, dass dabei unterschiedliche Massstäbe für Männer und Frauen zum Tragen kommen (siehe Grafik). «Die Unterschiede bei den Boni haben sich vergrössert», schreibt die Direktion der Justiz und des Innern des Kantons Zürich dazu in einer heute veröffentlichten Medienmitteilung. Mit der Zahlenpublikation will der Kanton auf die morgen stattfindende Aktion «Equal Pay Day» aufmerksam machen (siehe Box).

So erhielten männliche Mitglieder des obersten und oberen Kaders in Zürcher Firmen durchschnittlich 44'000 Franken an Sonderzahlungen im Jahr 2010. Bei den Frauen waren es 20'000 Franken, weniger als die Hälfte. Diese Werte stammen aus der Lohnstrukturerhebung des Bundes, welche das Statistische Amt des Kantons Zürich gesondert aufbereitet hat. Kleiner werden die Unterschiede auf den unteren Hierarchiestufen. So lag der Bonus für Männer des unteren Kaders 2010 bei durchschnittlich 12'000 Franken, während Frauen auf derselben Ebene im Schnitt 9000 Franken an Sonderzahlungen erhielten.

Der Vollzeitbonus der Männer

18 Prozent beträgt die Geschlechterdifferenz beim Lohn – schweizweit und über alle Hierarchiestufen hinweg (siehe Grafiken oben). Diese Daten weist das Bundesamt für Statistik aus. Eine Aufschlüsselung nach Grossregionen zeigt: Am grössten sind die Unterschiede im Kanton Zürich, wo die Diskrepanz bei 24 Prozent liegt. Nur 12 Prozent weniger als Männer verdienen Frauen in der Genferseeregion. Was die Daten des Jahres 2010 auch zeigen: Am grössten ist die Lohndifferenz mit 20 Prozent bei «höchst anspruchsvollen und schwierigsten Arbeiten». In den übrigen drei Anspruchsniveaus liegen die Unterschiede zwischen 12 und 14 Prozent. Den Tiefstwert erzielt die Genferseeregion in der Kategorie «Berufs- und Fachkenntnisse vorausgesetzt» mit 7 Prozent Lohndifferenz.

Solche Unterschiede müssen nicht zwingend auf Diskriminierung basieren, wie die Auswertung des Zürcher Statistikamts zeigt. Insgesamt rund zwei Drittel der Diskrepanzen liessen sich auf Faktoren wie Ausbildung, berufliche Erfahrung, Dienstjahre, berufliche Stellung und Anforderungsniveau erklären. Der Restanteil – 2010 lag er bei 32 Prozent – wird in wissenschaftlichen Studien üblicherweise als Diskriminierung bezeichnet. Im Kanton Zürich hat sich dieser Anteil gemäss dem Statistikamt seit dem Jahr 2002 um rund 10 Prozentpunkte verringert. Exakt im Gesamtschnitt liegt der Anteil der Lohndiskriminierung in der Finanzwirtschaft, einer Branche, in der die absoluten Lohnunterschiede nach wie vor am grössten sind.

Übers Ganze gesehen diagnostizieren die Statistiker aus Zürich eine kontinuierliche, wenn auch langsame Verbesserung der Situation. Aufschlussreich ist eine Aufstellung nach Arbeitspensum und Geschlecht (siehe Grafik links): Hier zeigt sich, dass die «Teilzeitstrafe» Männer verhältnismässig stärker trifft als Frauen. So erhalten Teilzeit arbeitende Männer im Durchschnitt 15 Prozent weniger Lohn als Vollzeit arbeitende, wenn man den Lohn fürs Pensum auf 100 Prozent hochrechnet. Bei den Frauen liegt der Unterschied mit 5 Prozent deutlich tiefer. In absoluten Zahlen liegen Männer und Frauen beim Teilzeitgehalt allerdings gleichauf. Anstelle einer höheren «Teilzeitstrafe» müsste demnach eher von einer grösseren «Vollzeitbelohnung» für das männliche Geschlecht gesprochen werden. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 06.03.2013, 13:05 Uhr

Equal Pay Day

Frauen müssten bis am 7. März 2013 arbeiten, um mit ihrem Lohn gleich viel wie Männer im abgelaufenen Jahr 2012 zu verdienen.

Um auf diesen Umstand hinzuweisen, veranstaltet das Netzwerk Business and Professional Women morgen den «Equal Pay Day». Der Aktionstag wird von diversen politischen Parteien unterstützt und soll auf das Anliegen der Lohngleichheit aufmerksam machen.

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