Sie leitet als erste Frau die New York Stock Exchange

An ihrem ersten Arbeitstag war die Damentoilette noch eine umgebaute Telefonzelle: Stacey Cunningham hat den NYSE erobert.

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An ihrem ersten Arbeitstag befand sich die Damentoilette noch in einer umgebauten Telefonzelle, während die Herren einen palastartigen Rückzugsraum zur Verfügung hatten. Keine Frage: Das Börsenparkett der New York Stock Exchange ist in seiner 226-jährigen Geschichte nur höchst selten mit hohen Absätzen betreten worden. Stacey Cunningham liess sich davon schon im Jahr 1994 nicht abschrecken. Damals war sie noch Praktikantin. «Seit ich zum ersten Mal den Handelssaal betreten habe, hatte die NYSE einen besonderen Platz in meinem Herzen», twitterte Cunningham diese Woche.

Stacey Cunningham trat am Freitag ihren Job als Chefin einer der grössten Börsen der Welt an, der New York Stock Exchange. Sie ist die erste Frau an der Spitze des Unternehmens.

Und auch noch eine, die kochen kann. Das tut hier freilich nur deswegen etwas zur Sache, weil nach Ansicht von Cunningham die Grossküche und das Börsenparkett recht ähnliche Gefilde sind: In beiden Umgebungen müsse man vieles gleichzeitig machen und mit Fehlschlägen umgehen können. Und man lerne hier wie da, nicht alles persönlich zu nehmen, verriet sie der «Financial Times». Cunningham weiss in beiden Fällen, wovon sie spricht. Denn obwohl sie bei der NYSE kontinuierlich aufgestiegen ist, schmiss sie 2005 ihren Job hin, um für zwei Jahre eine Ausbildung am «Institute of Culinary Education», einer Kochakademie, zu machen. Sie hatte damals die Geduld mit der Börse verloren, die sich ihrer Ansicht nach zu langsam digitalisierte.

Cunningham ist sich bewusst, dass ihr andere Frauen den Weg geebnet haben.

Aber lange hielt sie es in der Küche nicht aus. 2007 fing sie an, für den grossen Konkurrenten der NYSE zu arbeiten, die Nasdaq. 2012 kehrte sie zur NYSE zurück und brachte neues Wissen und Erfahrungen mit. Binnen drei Jahren stieg sie zur Organisationschefin auf. «Eine Karriere ist nie linear», erklärt sie. «Fähigkeiten lassen sich transportieren.» Sie will der Börse zu neuem Glanz zu verhelfen, indem sie wieder mehr internationale Börsengänge anziehen will.

Cunningham ist sich bewusst, dass ihr andere Frauen den Weg geebnet haben – zum Beispiel Muriel Siebert, die 1967 die erste Frau auf dem Handelsparkett der NYSE war. «Jedes Mal, wenn eine Frau die Grenzen verschiebt, definiert sie die Grenzen für alle Frauen, die nach ihr kommen, neu», sagte sie in einem Interview mit Blick auf Siebert. Jetzt ist die 43-Jährige selbst diejenige, die Grenzen neu definiert.

Fast wirkt es so, als wäre Stacey Cunningham die Antwort der Börsenwelt auf das «Fearless Girl». So heisst jene Statue eines kleinen Mädchens, das seit einem Jahr dem Bullen auf der Wallstreet trotzig entgegenblickt, die Hände in die Hüften gestemmt. Die Statue ist weltweit zum Symbol für den Aufstieg von Frauen in der Wirtschaftswelt geworden. Bald bekommt die Statue einen neuen Standort: direkt vor den Toren der NYSE.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 26.05.2018, 15:50 Uhr

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