Die andere Seite des Uhrmachers

Nick Hayek wird heute 60. Grund genug, hinter den Mann mit mehreren Uhren am Handgelenk zu schauen. Was sagte doch Peter Fonda über den Schweizer?

Uneingeschränkt positiv: Nick Hayek dürfte einmal daran gemessen werden, wie er das Thema der intelligenten Uhr gemeistert hat.

Uneingeschränkt positiv: Nick Hayek dürfte einmal daran gemessen werden, wie er das Thema der intelligenten Uhr gemeistert hat. Bild: Martial Trezzini/Keystone

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«Ich hoffe auch, dass ich den jungen Nick Hayek wieder einmal zu Gesicht bekomme», plauderte «Easy Rider» Peter Fonda vor ein paar Wochen in einem Schweizer Zeitungsinterview, als er aus Anlass des Zürcher Filmfestivals wieder einmal auf Besuch im Alpenland weilte.

Der amerikanische Schauspieler und der Chef des weltgrössten Uhrenherstellers Swatch Group haben nicht nur die Leidenschaft für den Film als Gemeinsamkeit. Beide mussten sich ihren eigenen Weg aus den Schatten ihrer überaus erfolgreichen Väter heraus suchen und sorgfältig pflegen beide auch heute noch ihr Rebellen-­Image, das sie sich in jungen Jahren erworben haben. Peter Fonda stellt sich auch mit 74 noch unverdrossen mit Sonnenbrille und Lederjacke vor die Fotografen; an der Fassade des Swatch-Hauptsitzes in der Uhrenstadt Biel braucht der Besucher nur nach einer Piratenflagge Ausschau zu halten, um das Büro zu identifizieren, von dem aus der Boss die Fäden zieht. Der Swatch-Chef wird heute 60 Jahre alt. Die Wege des Schauspielers und des Unternehmers kreuzten sich 1992, als Nick, damals noch Filmregisseur, den berühmten Peter Fonda für seine preisgekrönte Komödie «Family Express» engagierte.

«Ich würde sehr viel lieber Filme machen»

Nick Hayek liess sich lange Zeit, bis er sich zur Laufbahn als Manager entschloss. «Eigentlich will ich nicht nach St. Gallen zurück und mein Studium der Wirtschaftswissenschaften beenden», soll Nick Hayek seinem Vater Nicolas G. Hayek einmal in den Sommerferien in Südfrankreich eröffnet haben, wie der 2005 erschienenen Biografie des NZZ-Journalisten Friedman Bartu zu entnehmen ist. «Ich würde sehr viel lieber Filme machen und dazu nach Paris gehen.»

Der Wunsch wurde schnell Wirklichkeit. Nick Hayek zog in die französische Hauptstadt, absolvierte die Filmakademie CLCF und gründete dort Mitte der 80er-Jahre seine eigene Produktionsgesellschaft Sésame Films. Diese brachte neben Hayeks eigenen Spielfilmen «Family Express» und «Das Land von Wilhelm Tell» auch verschiedene Kurzfilme heraus.

Im nicht mehr ganz zarten Alter von 40 Jahren trat Nick dann doch in die Firma ein, die sein Vater zwölf Jahre zuvor mit der Lancierung der legendären Plastik-Swatch vor dem Untergang gerettet hatte. Als Marketingleiter, Direktionspräsident und schliesslich als Verwaltungsratsdelegierter der Swatch AG verdiente sich der Quereinsteiger die Sporen ab. 2003 löste er seinen Vater an der Spitze der Konzernleitung ab. Als Verwaltungsratspräsident schaute Vater Hayek seinem Zögling aber noch lange auf die Finger, bis ihn im Sommer 2010, 82-jährig, während der Arbeit der Herztod ereilte.

Kein Grund zum Zweifel

In Finanzmarktkreisen wurde der Aufstieg des jungen Hayek nicht ohne Skepsis verfolgt. Doch laut wurde die Kritik kaum einmal. Dafür war der Konzern ganz einfach zu erfolgreich und die Entwicklung verläuft auch seit dem Tod des Visionärs uneingeschränkt positiv. Seit 2010 hat das Unternehmen den Umsatz von 6,4 Milliarden auf 8,8 Milliarden Franken gesteigert und den Gewinn von 1,1 auf 1,9 Milliarden nahezu verdoppelt.

Mit Spannung erwartet die Branche nun, welche Antwort die Hayeks auf intelligente Uhren wie die jüngst lancierte Apple Watch geben werden. Daran wird Nick gemessen werden, wenn er die Zügel dereinst übergeben wird. Die Nachfolge zeichnet sich innerhalb der Familie bereits ab. Es handelt sich um den 43-jährigen Marc Alexander Hayek, den Sohn von Nicks Schwester und Verwaltungsratspräsidentin Nayla Hayek, der als Chef der Luxus- und Prestigemarken Omega, Blancpain, Jaquet Droz bereits in der Konzernleitung sitzt.

Erstellt: 23.10.2014, 09:54 Uhr

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