L wie Lernfahrer

Der Weg zum Führerausweis ist lange und teuer. Dies liegt neben den Fahrstunden an zahlreichen Kursen, die ein Junglenker heute besuchen muss.

Ausbildungstag für Neulenker 2008, Handicap geflutete Fahrbahn: Das Auto rammt drei Elemente. Foto: Gaëtan Bally (Keystone)

Ausbildungstag für Neulenker 2008, Handicap geflutete Fahrbahn: Das Auto rammt drei Elemente. Foto: Gaëtan Bally (Keystone)

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Der erste Schritt auf dem langen Weg zum Führerausweis ist der Nothelferkurs. Ein Kurs, den so oder so jeder mal besucht haben sollte. Hier lernt man Dinge, die man nicht nur beim Autofahren braucht: Beatmen und Feuer löschen zum Beispiel. Danach folgt der Sehtest. Gut zu wissen: Manche Optiker bieten ihn kostenlos an. Hat man Not­helferausweis und Sehtest in der Tasche, steht der Gang zum Strassenverkehrsamt an. Das Gesuchsformular für die Anmeldung kann auf der Website des Strassenverkehrsamtes herunter­geladen werden.

Nach Einreichen der Unterlagen am Schalter erhält der Antragsteller per Post ein Bestätigungsschreiben und kann sich online für die Theorieprüfung anmelden. Zur Vorbereitung darauf sind spezielle Bücher oder CDs nützlich. Übrigens eignen sich auch ältere Versionen, da die Änderungen minim sind. Ist die Theorieprüfung geschafft, flattert der Lernführerausweis per Post ins Haus.

Damit darf der Lernfahrer unter Aufsicht auf die Strasse, 24 Monate lang. Idealerweise zuerst mit dem Fahrlehrer, damit keine Fehler antrainiert werden. Danach ist das Üben mit Mama, Onkel oder anderen nervenstarken Bekannten aus Kostengründen zu empfehlen. Idealerweise besuchen Junglenker gleich nach dem Bestehen der Theorieprüfung den Verkehrskundeunterricht.

Führerausweis auf Probe

Wurde der Kurs besucht und genug ­geübt, gehts an die praktische Fahr­prüfung. Genutzt wird in der Regel der Wagen der Fahrschule. Lernfahrer und Prüfer fahren gemeinsam eine kleine Runde: ein paar anspruchsvolle Kreuzungen, 30er-Zonen mit Rechtsvortritt, kurz auf die Autobahn, am Berg anfahren und Parkieren. Wenige Tage nach der bestandenen Fahrprüfung erhält der Lernfahrer den Führerschein auf Probe.

Der Führerausweis auf Probe wurde im Rahmen der Zweiphasenausbildung eingeführt. Lässt sich der Neulenker während der Probezeit von 3 Jahren etwas zuschulden kommen oder besucht er die vorgeschriebenen Weiterausbildungskurse (WAB) nicht, fängt das ganze Prozedere wieder von vorne an.

Extra schnell in die Kurve

Im WAB 1 wird nochmals Praxis und Theorie vermittelt. Auf einer speziell gesicherten Fahrbahn wird einmal richtig Gas gegeben, abrupt gebremst und zu schnell in eine Kurve gefahren. Im Theorieraum werden Unfallursachen besprochen sowie rechtliche und finanzielle Folgen eines Unfalls thematisiert.

Das Kernelement des WAB 2 ist eine Feedbackfahrt. Hier wird dem ­Fahrer nochmals richtig auf die Finger beziehungsweise das Gaspedal sowie das Fahrverhalten geschaut. Mittels ­Beobachtung werden mögliche angeeignete Fehler erkannt und hoffentlich ­behoben. Zudem steht das ökologische Fahren im Zentrum des Kurstages.

Wenn in den drei Probejahren nichts vorgefallen ist und die Kurse bestätigt wurden, erhält der Fahrer vom Strassenverkehrsamt automatisch den definitiven Führerschein zugestellt. Die Ausbildung ist somit beendet. Über drei Jahre dauert es also, bis man den definitiven Führerschein in der Hand hat.

Erstellt: 28.09.2014, 17:20 Uhr

«Selbstverständlich gratuliere ich zur bestandenen Prüfung»



Michael Baumann
Der Verkehrsexperte ist seit 8 Jahren beim Strassenverkehrsamt Zürich.

Wie sieht Ihr Berufsalltag aus? Was mögen Sie daran?
Als Verkehrsexperte nehme ich pro Woche im Schnitt 12 bis 15 praktische Führerprüfungen ab. Meine Tätigkeit ist sehr abwechslungsreich. Besonders schätze ich die vielfältigen Kontakte mit ganz unterschiedlichen Menschen.

Worauf achten Sie besonders, wenn Sie Prüfungen abnehmen?
Wichtig ist mir eine angenehme Prüfungsatmosphäre sowie die jederzeitige Gewährleistung der Verkehrssicherheit. Die Missachtung elementarer Verkehrsvorschriften und damit verbundene erhebliche Verkehrsgefährdungen sind unverzeihbar und führen zu einem negativen Prüfungsergebnis. Wenn beispielsweise nicht alle Parkierungsmanöver auf Anhieb klappen, ist das verständlich. Wenn ich während der Prüfungsfahrt jedoch manuell sogenannte Brems- und/oder Lenkeingriffe machen muss, ist das ein deutliches Zeichen, dass die Ausbildung noch nicht abgeschlossen beziehungsweise ungenügend ist. Eingreifen oder abbrechen muss ich jedoch eher selten. Die erste Prüfung wird oft zu früh, das heisst bevor die Ausbildung abgeschlossen ist, absolviert und dann häufig nicht bestanden.

Wie lange dauerte Ihre kürzeste Prüfung?
Nur wenige Minuten. Ich musste kurz nach dem Beginn der Prüfungsfahrt in die Lenkung eingreifen, weil es sonst zu einer Kollision zwischen Fahrschulfahrzeug und Fussgänger gekommen wäre. Daraufhin wurde die Prüfung auf Wunsch des Kunden beendet.

Gibt es Leute, die schlicht nicht Autofahren sollten?
Bei medizinischen oder charakterlichen Problemen veranlassen wir entsprechende medizinische oder verkehrspsychologische Abklärungen, bevor ein neuer Lernfahrausweis erteilt oder die Zulassung zu einer neuen Führerprüfung bewilligt wird.

Stellen Sie bei den Fahrschülern verschiedener Fahrlehrer Unterschiede bei der Qualität der Vorbereitung auf die Prüfung fest?
Ja. Die Bandbreite der Ausbildungsqualität ist erheblich. Im Kanton Zürich sind mehrere Hundert Fahrlehrerinnen und Fahrlehrer tätig. Bei einer so grossen Berufsgruppe darf diese Erkenntnis aber nicht erstaunen.

Was geben Sie den Lernfahrern nach bestandener Prüfung mit auf den Weg?
Selbstverständlich gratuliere ich zur bestandenen Prüfung und wünsche ihnen weiterhin eine gute und unfallfreie Fahrt. Wenn ich während der Prüfungsfahrt trotz positivem Gesamteindruck Verbesserungspotenzial feststelle, gebe ich das unseren Kunden mit auf den Weg.

Mit Michael Baumann sprach Anna Zimmermann

«An meiner Arbeit gefällt mir die Abwechslung, bei jeder Person bin ich wieder neu gefordert. Zu mir in die Fahrstunde kommen Krethi und Plethi: Jugendliche, Kaderleute, Bauernsöhne und Anwälte. Am wichtigsten ist mir das verantwortungsvolle Fahren. Richtig gefährliche Situationen habe ich bis jetzt erst selten erlebt, einmal wurde es bei einem Fussgänger knapp, und einmal ist bei einer Fahrschülerin ein Kind vors Auto gerannt, da sind wir dann aber beide voll auf die ‹Klötze›. Es gibt sicher Leute, die nicht Autofahren sollten, ich hatte bisher aber immer gute Kunden. Meinen Fahrschülern gebe ich mit auf den Weg, dass sie weiterhin so fahren sollen wie bis zur Prüfung: unfallfrei und mit Spass.»

Dominik Gabriel,N&D Fahrschule, Zürich
Seit 7 Jahren Fahrlehrer

­«Das Schöne an meinem Beruf ist, dass ich den Fahrschülern mein Wissen und meine Erfahrungen mitgeben kann. Ich übertrage es quasi auf sie, damit sie die Prüfung bestehen. Wichtig ist, dass die Fahrschüler die Ausbildung nicht im Schnellzugtempo machen, sondern technisch und praktisch eine gute Ausbildung geniessen. Nach der Prüfung werden sie viele schwierige Situationen erleben, die sie gut und unfallfrei meistern müssen. Bei zu wenig Beobachtung vor einem Spurwechsel muss ich besonders oft eingreifen. Das Autofahren ausreden musste ich noch nie jemandem. Ich hoffe, dass meine Fahrschüler nach der Ausbildung so lang wie möglich einen ruhigen Fahrstil beibehalten und ihr Ziel ohne Hast erreichen.»

Walter Kessler,Fahrschule Walter Kessler, Zürich
Seit 43 Jahren Fahrlehrer

­«Faszinierend an meinem Beruf ist die Vielfalt der Menschen. Und es ist schön, jemandem etwas Neues beizubringen und das Resultat zu sehen. Wichtig ist mir die Rücksicht gegenüber anderen Verkehrsteilnehmern. Jeder macht einmal einen Fehler und ist froh, wenn andere diese korrigieren. Es soll ein Miteinander und kein Gegeneinander sein auf der Strasse, egal ob Velo, Auto oder Fussgänger. Nervosität hinter dem Steuer ist immer schlecht und zeigt, dass man noch nicht fahren kann. Die Bedienung mag möglicherweise funktionieren, aber die Weitsicht und das Einschätzen der Situationen fehlen noch. Meine Fahrschüler sollen das, was sie gelernt haben, auch nach der Prüfung bewusst im Verkehr umsetzen.»

Gabi Senn, Fahrschule Gabi Senn, Dietikon
Seit 25 Jahren Fahrlehrerin

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