Männer und Frauen haben Angst vor Zweiermeetings

Sitzungen zu zweit hinter verschlossener Tür? Sowohl Männer als auch Frauen finden das schwierig. Das wiederum schmälert die Aufstiegschancen von Frauen.

Sheryl Sandberg und Bill Gates: Die Facebook-Chefin und der Microsoft-Gründer trafen sich am World Economic Forum in Davos. (Archibild)

Sheryl Sandberg und Bill Gates: Die Facebook-Chefin und der Microsoft-Gründer trafen sich am World Economic Forum in Davos. (Archibild) Bild: Laurent Gillieron/Keystone

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Um Karriere zu machen, braucht man ein gutes Beziehungsnetz. Und das schafft man sich, indem man auch mal ein Bier mit dem Chef trinkt oder gemeinsam etwas essen geht. Genau das trägt aber offenbar dazu bei, dass Frauen es deutlich schwerer haben, beruflich aufzusteigen, denn: Eine Umfrage des Marktforschungsinstituts Morning Consult für die «New York Times» hat ergeben, dass erschreckend viele es schwierig finden, unter vier Augen mit dem anderen Geschlecht zu reden – selbst wenn es sich um berufliche Meetings handelt.

Von den mehr als 5000 Befragten erklärten 60 Prozent der Frauen und 48 Prozent der Männer, dass ein gemeinsamer Drink «unangemessen» sei. Ein Abendessen würden 53 Prozent der Frauen und 45 Prozent der Männer meiden, den gemeinsamen Lunch 44 respektive 36 Prozent. Das besorgniserregendste Ergebnis der Befragung ist aber: Sogar eine ganz normale Sitzung bei der Arbeit zwischen einem Mann und einer Frau unter vier Augen finden 25 Prozent der Frauen und 22 Prozent der Männer unangemessen.

Arbeitsort als Gerüchteküche

Die Gründe dafür sind vielfältig. Zum einen ist jeder Arbeitsort auch eine Gerüchteküche: Treffen zwischen Männern und Frauen sorgen schnell für Getuschel. Das ist vor allem vielen jüngeren Frauen unangenehm. Laut der Befragung spielte bei vielen Antworten auch die Religion der Befragten eine Rolle. Waren sie nicht gläubig, sahen sie Zweiertreffen eher weniger heikel. Entspannter wurden die Befragten auch mit zunehmendem Alter –vor allem die Frauen.

Problematisch ist diese Einstellung vor allem, weil es für Frauen so noch schwieriger ist, sich beruflich weiterzuentwickeln. Feedbackgespräche, Lohn- oder Beförderungsforderungen und andere für die Karriere wichtige Gespräche finden nun einmal zu zweit statt – und die meisten Chefs sind nun einmal noch immer männlich.

Mittelalte Männer fördern mittelalte Männer

Die Studie bekräftigt zudem die Ergebnisse einer Studie des US-amerikanischen National Bureau of Economic Research. Diese zeigt auf, dass Menschen die Tendenz haben, andere Mitarbeiter zu fördern und zu befördern, die so sind wie sie selbst. Mittelalte Männer befördern also zum Beispiel ebenso mittelalte Männer an höhere Positionen, weil sie sich unter ihresgleichen sicherer und wohler fühlen. Der Begriff, den die Ökonomen dafür verwenden, ist Homophilie. (laf)

Erstellt: 07.07.2017, 14:58 Uhr

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