Starökonom muss wegen Titanic in Rente

Die Universität Zürich verlängert den im Sommer auslaufenden Vertrag mit dem Glücksforscher Bruno S. Frey nicht mehr. Grund dürften die Vorwürfe wegen Eigenplagiats sein.

Am 31. Juli geht seine Ära an der Universität Zürich zu Ende: Der Ökonom Bruno S. Frey. (Archivbild)

Am 31. Juli geht seine Ära an der Universität Zürich zu Ende: Der Ökonom Bruno S. Frey. (Archivbild) Bild: Keystone

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Der weit über die Grenzen hinaus bekannte Ökonom Bruno S. Frey wurde 2006 emeritiert. Doch gerade wegen seiner Verdienste für die Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät der Universität Zürich entliess die Hochschulleitung den Professor nicht in den Ruhestand, sondern beschäftigte ihn in einem privatrechtlichen Arbeitsverhältnis weiter. Der Vertrag ist jeweils auf zwei Jahre befristet und wurde stets aufs Neue verlängert. Die nächste Frist läuft am 31. Juli 2012 ab. Dann ist für Frey Schluss. «Eine Verlängerung der Anstellung darüber hinaus wird nicht erfolgen», erklärt Beat Müller, Medienbeauftragter der Uni Zürich, auf Anfrage. Über Gründe schweigt sich die Uni aus, Personalgeschäfte würden nicht kommentiert, heisst es.

Uni-intern sowie in Ökonomenblogs macht man hingegen kein Geheimnis aus den Gründen: Frey, so tönt es unisono, sei über die Plagiatsvorwürfe gestolpert, gegen die er seit letztem Sommer ankämpft. Damals tauchten in Ökonomenforen immer mehr Vorwürfe auf, Frey schreibe sich quasi selber ab, indem er ähnlich oder gleichlautende Artikel in verschiedenen akademischen Fachzeitschriften publiziere, ohne auf die jeweils anderen hinzuweisen. Diese als Eigenplagiat bezeichnete Methode ist in der Welt der Wissenschaft verpönt. Als ein Beispiel diente ein Artikel über den Untergang der «Titanic», den Frey zusammen mit zwei Mitautoren in vier angesehenen Fachjournalen platzierte, ohne dies offenzulegen. Die Sache wurde auch in der nicht akademischen Welt publik, nachdem das deutsche «Handelsblatt» darüber schrieb.

Kommission empfahl der Unileitung, Frey einen Verweis zu geben

Das hoch angesehene «Journal of Economic Perspectives» rüffelte den Schweizer öffentlich, auch andere Zeitschriften gaben ihrem Missfallen Ausdruck. Obwohl sich Frey entschuldigte und die fehlenden Hinweise als einmaligen Ausrutscher bezeichnete, teilte ihm das «Journal» dem Vernehmen nach mit, dass man von ihm nichts mehr abdrucken werde – ein harter Schlag für Frey, der nicht zuletzt wegen seiner Publizierfreudigkeit zu den angesehensten Ökonomen im deutschsprachigen Raum avanciert war.

Die Universitätsleitung setzte eine externe Kommission zur Überprüfung der Vorwürfe ein. Zwei Vertreter der London School of Economics und ein Vertreter der Universität von Wien sichteten die «Titanic»-Beiträge. Ihr Fazit: Das Verhalten von Frey sei «unsauber» gewesen. Die Kommission empfahl der Unileitung in ihrem Schlussbericht, Frey einen Verweis zu geben, aber auf weitere Schritte zu verzichten, da davon auszugehen sei, dass es sich um ein «einmaliges Ereignis» gehandelt habe.

Frey warf Kollegen vor, für sie seien nur die Publikationen in wissenschaftlichen Zeitschriften wichtig

Obwohl der Bericht unter Verschluss blieb, wurde die Arbeit der Kommission und der Universitätsleitung bereits im März unter Bloggern und auch innerhalb der Uni heftig kritisiert: Es gebe noch mehr und teilweise schlimmere Plagiatsfälle von Frey, dennoch habe man nur den «Titanic»-Fall untersucht. Die Kommission habe entweder schlampig gearbeitet oder sie habe sich blind an die Vorgaben der Universität gehalten, ärgerten sich Wirtschaftsblogger. Das internationale Renommee der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät drohte immer mehr Schaden zu nehmen. Und so entschied sich die Uni, Freys Vertrag nicht mehr zu verlängern. Bruno S. Frey war gestern für den «Tages-Anzeiger» nicht zu sprechen.

Seither ist die Harmonie zwischen dem Glücksforscher und der Uni nachhaltig gestört. Auf Newsnet/Tages-Anzeiger warf Frey vor knapp zwei Wochen seinen Nationalökonomie-Kollegen an der Uni Zürich vor, sie seien «in den wirtschafts- und finanzpolitischen Debatten fast ohne Ausnahme absent». Für sie seien «nur die Publikationen in wissenschaftlichen Zeitschriften wichtig». Eine Kritik, die an der Uni nur noch Kopfschütteln auslöst. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 23.04.2012, 22:07 Uhr

Bruno S. Frey

Der heute 70-jährige Forscher arbeitet seit 1977 an der Universität Zürich. Daneben ist er Professor an der britischen University of Warwick.

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