«Wie man Erfolg hat, ohne die Gefühle von Männern zu verletzen»

Sie arbeitete bei Google, jetzt hat Sarah Cooper einen satirischen Überlebensratgeber für Frauen im Berufsleben geschrieben.

Satire aus dem Arbeitsleben: Bedrohlich - Ich habe eine Idee (links). Nicht bedrohlich - Ich denke nur laut (rechts).

Satire aus dem Arbeitsleben: Bedrohlich - Ich habe eine Idee (links). Nicht bedrohlich - Ich denke nur laut (rechts). Bild: Sarah Cooper/Youtube

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Sie ist so etwas wie die Anti-Sheryl-Sandberg: So beschreiben US-Medien Sarah Cooper. Anstelle eines ernsten Karriereratgebers, den Sandberg mit «Lean in» herausgebracht hat, hat die Amerikanerin kürzlich ein hochsatirisches Buch mit dem Namen «Wie man Erfolg hat, ohne die Gefühle von Männern zu verletzen» veröffentlicht.

Schon in der Beschreibung zum Buch steht: «Ehrgeizige Frauen sind unheimlich. In dieser schnelllebigen Geschäftswelt müssen weibliche Führungskräfte sicherstellen, dass sie nicht als aufdringlich, aggressiv oder kompetent wahrgenommen werden.» Dies könne man mit dem Buch lernen. Dieses enthält Kapitel zu: «Wie man wie ein Mann redet, aber trotzdem als Frau wahrgenommen wird» oder «Wie man belästigt wird, ohne seiner Karriere zu schaden». Diese sind mit bitterbösen Illustrationen bebildert, mit denen Cooper offenbar einen Nerv trifft. In sozialen Medien sind die von ihr beschriebenen Szenen ein Hit.

«Übermässiges Selbstvertrauen ist unangebracht»

Die Zeichnungen zeigen Situationen im Arbeitsalltag, die wohl viele Frauen kennen. Es geht um solche, in denen sie ihr Verhalten anpassen: Meetings, Lohnverhandlungen, Teamarbeit. Cooper zeigt jeweils eine für Männer «bedrohliche» und eine «nicht bedrohliche» Variante auf, wie Frauen auf etwas reagieren können. Dann erklärt sie – natürlich hochironisch –, wieso es Sinn macht, die nicht bedrohliche Variante zu wählen. Etwa wenn es darum geht, einem Mitarbeiter eine Deadline zu setzen:

Quelle: Sarah Cooper/Youtube

Dazu schreibt Cooper: «Anstatt klar zu sagen, bis wann die Person etwas ausführen soll, wäre es besser, den Mitarbeiter zu fragen, was er davon hält, dies zu tun. Das gibt ihm das Gefühl, ihm nichts vorzuschreiben, sondern dass du dich um seine Gefühle kümmerst.»

Oder diese:

Quelle: Sarah Cooper/Youtube

Anstatt klar zu sagen, dass man eine Idee hat, wäre die nicht bedrohliche Art zu sagen, dass man nur seine Gedanken mitteile. «Wenn du eine Ideen vorstellst, ist übermässiges Selbstvertrauen unangebracht. Du willst von deinen männlichen Kollegen nicht als hochnäsig wahrgenommen werden», schreibt Cooper dazu. «Stattdessen: Spiel deine Ideen herunter und sag, dass du nur einen blöden, komischen oder verrückten Gedanken teilen wolltest.»

Designerin für Google

Natürlich hat das Ganze einen ernsten Hintergrund: Cooper arbeitete zunächst für Yahoo und dann jahrelang für Google, wo sie das Design-Team für Google Docs, Sheets und Slides in New York leitete. Mittlerweile ist sie als Autorin, Komikerin und Kolumnistin für Zeitungen wie die «Financial Times» tätig. In ihrem Buch verarbeitet sie Erfahrungen, die sie in einer männerdominierten Tech-Welt gemacht hat. Ihren Aussagen zufolge waren vor allem die Erlebnisse bei Google prägend. «All die Dinge, die ich gemacht habe, um zu gefallen, um nahbarer zu wirken, weniger direkt mit Feedback zu sein.»

Google hatte zuletzt mit Vorwürfen der sexuellen Belästigung gekämpft. Weltweit verliessen Anfang November Google-Mitarbeiter ihre Büros, um dagegen zu protestieren.

Ihre eigenen Erlebnisse verarbeitete Cooper nach ihrer Zeit im Konzern zunächst in einem Blog-Eintrag mit dem Titel «9 nicht bedrohliche Führungsstrategien für Frauen». Dieser sei auf sozialen Medien viral gegangen, sehr viele Frauen hätten ihr geschrieben, dass sie ähnliche Erfahrungen im Büro gemacht hätten, erzählt Cooper Businessinsider.com. Deshalb habe sie beschlossen, ein Buch daraus zu machen.

«Leben ein Doppelleben bei der Arbeit»

Sie wolle Frauen Mut machen und ihnen klarmachen, dass sie sich nicht einbildeten, was sie im Alltag störe. Im Buch geht es nicht nur um Frauen, sondern auch darum, wie Farbige und Mitarbeiter der LGBTQ-Gemeinschaft (lesbische, schwule, bisexuelle, transgender, queer) in einer Arbeitswelt überleben, die für weisse, heterosexuelle Männer eines gewissen Alters und einer gewissen Herkunft gemacht ist.

Es sei ihr zunächst schwergefallen, den Humor dafür zu finden, sagt Cooper gegenüber dem Portal Quartz. Die Vorkommnisse im Alltag habe sie vor allem deprimierend gefunden. Denn für sie sei dies sehr persönlich: «Ich bin eine schwarze Frau, ich bin Immigrantin (Cooper wurde in Jamaika geboren), ich habe zwei Schwestern mit Behinderungen.» Nach einer Weile habe sich diese Traurigkeit aber in Wut verwandelt. «Ich war nur sauer, wenn ich über all diese Regeln und Erwartungen nachdachte, die auf Frauen lasten und wie viele davon sich widersprechen und sich nicht natürlich anfühlen. Wir leben ein Doppelleben bei der Arbeit, es ist eine Show.» Darum sei sie zum Schluss gekommen, dass Humor ein möglicher Weg wäre, dies aufzuzeigen.

In Folge ein paar weitere Beispiele aus ihrem Buch:

«Wenn ein männlicher Kollege deine Idee klaut, danke ihm dafür. Lobe ihn, wie gut er deine Idee so klar erklärt hat. Und lasst uns ehrlich sein: Es hätte vermutlich eh keiner gehört, wenn er es nicht wiederholt hätte», schreibt Cooper zu dieser Illustration.

Quelle: Sarah Cooper/Amazon.com

Und hierzu: «Versehe deine E-Mails mit vielen Ausrufezeichen und Emojis, damit du nicht zu klar oder direkt rüberkommst. Deine ineffiziente Art der Kommunikation wird dich nahbarer machen.»

Quelle: Sarah Cooper/Youtube

«Wenn du einen sexistischen Kommentar hörst, ist es sehr wichtig, unbeholfen zu lachen. Dies sollte zu Hause geübt werden, mit Freunden, Familie und vor dem Spiegel. Stelle sicher, dass du wirklich amüsiert klingst, auch wenn du innerlich stirbst.»

Quelle: Sarah Cooper/Youtube

Gefragt, was sie mit ihrem Buch erreichen will und ob sie wie Sheryl Sandberg Selbsthilfegruppen für Frauen gründen möchte, antwortet Cooper gegenüber Businessinsider.com: «Ich würde liebend gern eine nicht bedrohliche Frauenstiftung gründen. Dort würden wir vermutlich nur herumsitzen und uns beieinander entschuldigen.»

Weniger sarkastisch fügt sie dann hinzu: «Das Ziel des Buchs ist, dass Frauen aufhören, sich zu überlegen, ob sie die Gefühle von Männern verletzen. Also würde ich vielleicht eine Stiftung für bedrohliche Frauen gründen.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 16.11.2018, 20:15 Uhr

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