«Die Kunden werden uns sagen, wie wir Geld verdienen»

Brack.ch-Gründer Roland Brack steuert auf die Umsatzmilliarde zu. Wie will der Onlinehändler gegen die Konkurrenz bestehen?

«Der Schweizer Handel muss noch vermehrt zusammenarbeiten», ist Roland Brack überzeugt. Foto: PD

«Der Schweizer Handel muss noch vermehrt zusammenarbeiten», ist Roland Brack überzeugt. Foto: PD

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Herr Brack, Sie haben sich im Rahmen der Sendung «Höhle der Löwen» an 13 Start-ups beteiligt. Wollen Sie sich breiter aufstellen für den Fall, dass Sie als unabhängiger Onlinehändler nicht mehr mit der viel grösseren Konkurrenz mithalten können?
Nein, ich sehe das nicht als Diversifikation, sondern eher als eine Art Nachdiplomstudium «on the Job».

Wie bitte?
Meine eigene Firma, die mir zu 100 Prozent gehört, bleibt mein Hauptinvestment. Ich habe 25 Jahre lang nur das Nötigste herausgenommen und ansonsten alles verdiente Geld in Innovation und Wachstum reinvestiert. Dabei hat sich fast alles in meinem Berufsleben um Logistik und den Online-Fachhandel gedreht. Deshalb habe ich es sehr genossen, dank der TV-Show andere Unternehmer und Branchen kennen zu lernen. Die meisten Start-ups, in die ich investiert habe, sind in einem ganz anderen Geschäft tätig als wir. Mein Fokus lag nicht auf schnellem Profit, sondern ich will mit interessanten Machern gemeinsam einen Weg zurücklegen und auch etwas lernen.

Welches Projekt finden Sie aktuell besonders spannend?
Dieses hier zum Beispiel. (Zieht eine Bankkarte aus seinem Portemonnaie.) Neon bietet komplett digitalisierte Bankdienstleistungen an. Der Bankensektor hat sich ja lange Zeit kaum erneuert, sondern eher versucht, das Bisherige zu verteidigen. Nun kommen junge Akteure auf den Markt, welche die Geschäftsmodelle konsequent digital denken – da bin ich gerne mit dabei. Aber ich mag auch die Geschichte von Veronika Waldvogel, die Kochbananen-Chips produziert und vertreibt – und so ein bisschen Karibik in die Schweiz geholt hat. Übrigens kamen nicht alle der 13 in der Sendung zugesagten Deals zustande. Manche erwiesen sich nach der sorgfältigen Prüfung als zu unsicher, in einigen Fällen wollten die Gründer keinen Deal mehr, bei anderen wie z.B. bei Neon investierten sogar mehr Löwen als geplant, und der investierte Betrag wurde aufgestockt.

Reden wir über Ihr Kerngeschäft. Sie stehen da als Einzelkämpfer in Konkurrenz mit Unternehmen wie Migros, Zalando oder Amazon. Haben Sie nie Angst, da eines Tages nicht mehr mithalten und die Löhne Ihrer 700 Angestellten einmal nicht mehr bezahlen zu können?
Ich trage Verantwortung und spüre auch den Druck, aber ich habe keine schlaflosen Nächte. Bisher ist es uns immer gelungen, gleich gut oder besser zu sein als die grössere Konkurrenz. Wir wachsen in allen Geschäftsbereichen – bis in drei Jahren sollten wir beim Umsatz die Milliardenschwelle erreichen. Unser Vorteil ist, dass wir als relativ kleines Unternehmen sehr rasch auf Kundenbedürfnisse reagieren können. Ich masse mir nicht an zu wissen, womit wir in zehn Jahren unser Geld verdienen – wenn wir gut hinhören, werden es uns die Kunden sagen. Aber natürlich schaue ich auch, was die Konkurrenz macht. Seit einiger Zeit drängen ja chinesische Anbieter in den Markt. Sie profitieren davon, dass sie Pakete bis 2 Kilo zum Preis von Briefpost verschicken können und weder Zollgebühren noch Mehrwertsteuer zahlen müssen. Da braucht es dringend eine Anpassung der Gesetze, damit inländische Unternehmen nicht weiter benachteiligt sind.

Die Schweizer Anbieter sind nicht nur Ihre Konkurrenten, sondern auch Ihre Kunden, weil viele für den raschen Versand auf Brack-Logistik zählen. Haben Sie früher als andere erkannt, wie wichtig die Automatisierung der Logistik ist?
Wir führen mehr als 200’000 Artikel an Lager und verschicken an Spitzentagen mehr als 15’000 Pakete – das wäre ohne moderne Logistik nicht zu machen. Im neuen Logistikzentrum in Willisau sind schon jetzt 250 Roboter im Einsatz. Im Hinblick aufs Weihnachtsgeschäft haben wir 30 weitere bestellt. Es ist gut, dass andere Schweizer Onlinehändler diese Infrastruktur und unser Know-how nutzen. Ich bin seit langem ein entschiedener Verfechter von Partnerschaften. Der Schweizer Handel muss noch vermehrt zusammenarbeiten, wenn er gegen die ausländische Konkurrenz bestehen will. Und es braucht dafür nicht nur Roboter. Es wird ja viel darüber geschrieben, dass Roboter die menschlichen Arbeitskräfte ersetzen werden. Wir haben die Digitalisierung vorangetrieben und gleichzeitig mehr Personal eingestellt. Wer personelle Einsparungen in den Vordergrund stellt, verärgert die Kunden. Ich habe immer gerne Geld investiert, um den Mitarbeitern die Möglichkeit zu geben, unsere Kunden zufriedenzustellen. Sie brauchen dafür eine gute Ausbildung, Zeit, moderne Werkzeuge und die Kompetenz, zu entscheiden. Das Schlimmste ist doch, wenn man als Kunde den Eindruck bekommt, niemand kenne sich aus und keiner sei zuständig.

Fragen Sie sich manchmal, ob Ihre Branche nicht zu viel Ramsch verschickt und ob weniger Konsum nicht sinnvoller wäre?
Ja, diese Frage müssen wir uns alle stellen. Insbesondere bei den Billigprodukten von chinesischen Onlinehändlern frage ich mich schon, ob es nicht nur eine Verschwendung von Ressourcen ist, wenn ein Produkt nach ein-, zweimaliger Verwendung bereits wieder kaputt ist und entsorgt wird. Die Erfahrung bei brack.ch zeigt, dass unsere Kunden im Mittel bessere und höherwertige Produkte einkaufen als im stationären Handel. Das erstaunt Lieferanten immer wieder von neuem. Am Ende entscheidet der Konsument, wo, wie viel und was er kauft. So kann jeder steuern, was ihm wichtig ist und was er unterstützen möchte. Unsere Aufgabe sehe ich darin, mit Bewertungen von Kunden Transparenz über die Qualität der Produkte zu schaffen. Ich werde auch immer wieder gefragt, ob ich mich als Totengräber des stationären Detailhandels sehe. Darauf kann ich nur antworten, dass viele Menschen ihre Ware nun einmal gerne online bestellen, die Jungen sogar fast ausschliesslich. Dieses Kundenbedürfnis versuchen wir bestmöglich zu erfüllen. Auch ich selber kaufe inzwischen das meiste online – ausser frischen Lebensmitteln und Kleidern.

Ist es eigentlich ein Vorteil, dass Ihre Online-Plattform Ihren Namen trägt? Oder würden Sie das rückblickend anders machen?
Aus Marketingsicht ist es vermutlich ganz gut. Es unterstreicht unseren persönlichen Ansatz als unabhängiges, unternehmergeführtes Unternehmen. Ich stehe mit meinem Namen und meinem Geld in der Verantwortung und kann mich nicht verstecken, wenn Fehler passieren. Und doch würde ich es wohl anders machen, wenn ich noch einmal starten könnte. Meine beiden Kinder hatten nicht die Wahl. Sie werden schon als junge Teenager mit dem Geschäft in Verbindung gebracht wegen des Namens. Mir ist wichtig, dass sie sich völlig frei fühlen, später das zu tun, was sie interessiert und erfüllt. Meine Karriere begann ja auch damit, dass ich die Erwartungen meiner Eltern enttäuschte.

Teil 1 des Interviews erschien vor einer Woche an dieser Stelle.

Weitere Beiträge finden Sie im «Beruf + Berufung»-Archiv.

Erstellt: 10.10.2019, 15:14 Uhr

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