Jede siebte Mutterschaft führt zur Kündigung

Obwohl eine Schwangerschaft laut Gesetz zu keinem Nachteil am Arbeitsplatz führen darf, sieht es in der Praxis anders aus – zeigt eine neue Studie.

Frauen müssen oft nach der Geburt gegen ihren Willen eine Erwerbspause einlegen, jedenfalls gaben dies 15 Prozent der Befragten in einer repräsentativen Befragung von rund 3000 Frauen an. Foto: Keystone / Gaetan Bally

Frauen müssen oft nach der Geburt gegen ihren Willen eine Erwerbspause einlegen, jedenfalls gaben dies 15 Prozent der Befragten in einer repräsentativen Befragung von rund 3000 Frauen an. Foto: Keystone / Gaetan Bally

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16 Wochen dauert die Sperrfrist für eine Kündigung nach der Geburt eines Kindes. Weil jedoch viele Krippen keine Babys unter sechs Monaten akzeptieren, kehren laut einer neuen Studie 71 Prozent der Frauen im Schnitt 22 Wochen nach der Geburt wieder zu ihrem Job zurück.

Ein Knackpunkt wie eine Untersuchung, die das Büro für arbeits- und sozialpolitische Studien (Bass) im Auftrag des Bundes durchgeführt hat, zeigt. Wie die «NZZ am Sonntag» schreibt, führt eine Geburt bei 15 Prozent der Frauen zu einer unfreiwilligen Erwerbslosigkeit.

Die Wenigsten wehren sich

In den meisten Fällen ist der Grund eine Kündigung oder die fehlende Möglichkeit eines tieferen Pensums. Die weiteren vier Prozent müssen den Job wegen eines Mangels an Betreuungsplätzen vorübergehend aufgeben.

Vor 24 Jahren wurde das Gleichstellungsgesetz eingeführt. Trotzdem führt die Mutterschaft verbreitet zu Diskriminierungen. Pierre Derivaz, Rechtsanwalt beim Verband Angestellte Schweiz sagt: «Diese Fälle bleiben aber meist im Dunkeln, weil sich nur die wenigsten Betroffenen rechtlich dagegen wehren.»

«Lange Zeit war es ein Tabu, nach Kinderwunsch zu fragen»

2017 kamen lediglich ein Dutzend Fälle vor die Schlichtungsbehörden. Das Problem: Selbst bei einem Erfolg winkt nur eine Entschädigung von maximal sechs Monatslöhnen. Ausserdem fürchten die Frauen, dass sie bei einer Klage ein schlechtes Arbeitszeugnis erhalten.

Doch nicht nur die Schwangerschaft sorgt für eine Diskriminierung. Immer mehr Betriebe fragen bei einem Bewerbungsgespräch nach dem Kinderwunsch. Claudia Kaufmann, Ombudsfrau der Stadt Zürich, sagt: «Lange Zeit war es ein Tabu, nach dem Kinderwunsch zu fragen. Das hat sich jedoch geändert.» Auch hier lohnt sich eine Klage allerdings fast nie. Den Nachweis zu erbringen, dass die Mutterschaft zur Nichtanstellung führte, ist sehr schwierig.

Erstellt: 02.06.2019, 09:34 Uhr

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