«Man hat die Dinge nie ganz im Griff»

Mit 21 Jahren gründete Roland Brack die Firma brack.ch. Er sagt, warum er als Unternehmer das Ungeplante so mag.

«Ich verstecke mich nicht»: Roland Brack hat keine Scheu vor dem Rampenlicht. Foto: Robert Rieger

«Ich verstecke mich nicht»: Roland Brack hat keine Scheu vor dem Rampenlicht. Foto: Robert Rieger

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Herr Brack, wie viele Klimmzüge schaffen Sie?
Zehn sollte ich noch hinbekommen, hoffe ich. Aber die letzten zwei Monate habe ich wieder viel gearbeitet und zu wenig trainiert. Im Sommer war ich wirklich fit, weil ich mich mit meiner Personal Trainerin intensiv auf die Teilnahme an der TV-Sendung «Ninja Warriors» Anfang August vorbereitet hatte.

Da hiess es immer, Roland Brack sei keiner, der die grosse Bühne sucht. Und nun sind Sie dieses Jahr in zwei TV-Sendungen zu sehen. Haben Sie Gefallen gefunden am Rampenlicht?
Ich suche das noch immer nicht und fühle mich wohler im Hintergrund. Aber ich verstecke mich nicht. Ich war von Anfang an ein grosser Fan der deutschen Sendung «Höhle der Löwen», weil sie Unternehmertum in der breiten Öffentlichkeit als etwas Spannendes und Erstrebenswertes darstellt. Ich kenne viele, die die Sendung en famille schauen, auch mein zwölfjähriger Sohn und meine 14-jährige Tochter finden das spannend. Als TV24 die Sendung in die Schweiz brachte, stellte ich mich deshalb gerne als Löwe zur Verfügung. So wird Unternehmertum hoffentlich auch in der Schweiz populärer.

Das leuchtet ein, zumal Sie sich dort ja auch als Investor an jungen Unternehmen beteiligen. Aber warum «Ninja Warriors», warum über Hindernisse kraxeln und sich durch die Luft hangeln?
Es gab zwei Gründe, die mich bewogen, an der Prominenten-Ausgabe dieser Staffel teilzunehmen. Zum einen hatte ich seit der «Höhle der Löwen»-Produktion einen guten Kontakt zum Fernsehteam. Bei guten Partnerschaften bin ich sehr loyal, das gilt auch für langjährige Mitarbeiter oder Lieferanten. Und dann habe ich tatsächlich als Bub eine ähnliche Sendung gesehen und mir damals gewünscht, da mitzumachen. Nun konnte ich diesen Traum mit 46 Jahren verwirklichen. Und musste feststellen, dass alles noch schwieriger ist, als es am TV aussieht. Aber ich habe besser abgeschnitten als erwartet.

Ist das typisch für den Unternehmer Roland Brack? Er macht, was ihn begeistert, ohne sich zu sehr um die Folgen zu kümmern?
In diesem Fall war der Zweck wichtig: Es wurde Geld gesammelt für die Laureus-Stiftung. Aber sonst haben Sie Recht. Ich habe mich in meinem Leben nie gefragt, ob etwas gut ankommt oder Erfolg und Ansehen bringt. Ich bin meiner inneren Freude gefolgt und habe oft gestaunt, wo mich das hingeführt hat. Wer sich treu bleibt und mit Leidenschaft einer Sache nachgeht, kommt besser mit Rückschlägen zurecht. Bekanntlich werden viele der Erfolgreichen zuerst belächelt. Sie machen aber einfach weiter, weil es sie nicht kümmert.

«Ich finde es wichtig, dass Jugendliche früh mit Unternehmertum in Kontakt kommen.»

Sie haben als 21-Jähriger brack.ch gegründet. Hatten Sie damals eine klare Vorstellung, was daraus werden soll?
Nein, ich hatte keinen konkreten Plan. Die Firmengründung war auch nicht der Anfang der Geschichte, sondern eher das Resultat meiner Hobbys. Ich war ein passionierter Händler und Tüftler, zum Leidwesen meiner Eltern. Sie hätten sich gewünscht, dass ich irgendwo eine sichere Stelle antrete, in der ich später auch pensioniert werden kann. Aber das entsprach so gar nicht meiner Vorstellung.

Wann zeichnete sich das unternehmerische Talent zum ersten Mal ab?
Ich war als kleiner Bub begeistert vom Modellbau. Immer, wenn ich ein Ersatzteil für ein Flugzeug oder Benzin brauchte, musste ich einen Erwachsenen finden, der mich mit dem Auto die 20 Kilometer von Bözen im Fricktal nach Rupperswil fuhr, damit ich dort einkaufen konnte. Um die Abhängigkeit zu reduzieren, kaufte ich jeweils deutlich mehr ein als ich benötigte und versorgte dann auch Freunde mit meiner Ware. Da zeigte sich, dass ich ein Flair fürs Verkaufen und Beraten habe. Das Geld für meine Einkäufe hatte ich übrigens selber verdient dank meinem Ferienjob in der Müllabfuhr. Das war sehr gut bezahlt – pro Tag gab es 100 Franken. Meine Eltern fanden, ich würde das Geld besser auf die Bank bringen und sparen, aber ich wollte es für etwas einsetzen, das mir Freude machte.

Und mit der Zeit kauften Sie keine Modellflugbauteile mehr, sondern Komponenten für Computer?
Genau, in den 90er-Jahren kamen die Heimcomputer auf. Ich kaufte dank einem Vorschuss von meinem Grossvater eine erste grosse Lieferung in Taiwan und verkaufte die Komponenten dann vom Estrich des Elternhauses aus weiter. Schön war, dass meine Eltern mich gewähren liessen, obwohl sie eine andere Vorstellung hatten und es ihnen zum Beispiel wichtig war, nicht aufzufallen. Ich wusste: Ich kann im Prinzip machen, was ich will, aber wenn es schief herauskommt, muss ich die Konsequenzen tragen. Ich spürte ihr grundsätzliches Vertrauen und konnte mir erlauben, Neues auszuprobieren. So bin ich noch heute unterwegs. Ich hasse nichts mehr, als wenn alles durchgeplant ist – ganz egal, ob es um die nächsten Ferien geht oder ums Geschäft. Als Unternehmer muss man akzeptieren: Man hat die Dinge nie ganz im Griff. Gerade das Ungeplante macht die Reise zum phantastischen Abenteuer. Aber natürlich muss man nicht jeden Fehler selber machen.

Sie haben mit 21 Jahren Ihre Firma gegründet – warum ist das in der Schweiz eher die Ausnahme?
Viele Jugendliche haben schlicht keine Vorstellung von Unternehmertum – wenn nicht zufällig Eltern oder Lehrkräfte die Begeisterung wecken können, gehen sie entweder möglichst lange in die Schule, um Zeit zu gewinnen, oder lernen einen Beruf, den die Eltern für sicher halten. Das Wohlstandsniveau ist so hoch in der Schweiz, dass wir extrem darauf bedacht sind, dieses Level zu halten, uns abzusichern. Deswegen ist für viele das höchste Ziel, keine Risiken einzugehen, Fehler zu vermeiden. Zudem haben wir ein zwiespältiges Verhältnis zum Erfolg. Wenn jemand als Unternehmer richtig erfolgreich ist und vielleicht sogar ein teures Auto fährt, dann wird er eher angefeindet als bewundert. Deshalb finde ich es so wichtig, dass Jugendliche früh mit Unternehmertum in Kontakt kommen, denn am leichtesten startet man direkt nach der Ausbildung damit – wenn man noch kein feudales Leben und entsprechend wenig zu verlieren hat.

Deshalb engagieren Sie sich bei Start-ups?
Ja, ich hatte Glück, dass es bei mir funktioniert hat – nun kann ich etwas zurückgeben und andere bei den ersten Schritten begleiten. Es fehlt nämlich in der Startphase nicht nur am Wissen, sondern oft auch am Geld. Wenn ein Start-up gut losgelegt hat, wollen viele investieren, aber vorher, wenn die Gründer nicht viel mehr vorzuweisen haben als eine gute Idee und Enthusiasmus, ist es sehr schwierig, an Risikokapital heranzukommen – denn auch die Investoren sind in der Schweiz sehr auf Sicherheit bedacht. Ich funktioniere da etwas anders. Ich rechne nicht jährlich nach, wie viel Rendite welches Investment gebracht hat, sondern investiere aus Freude an einer Idee. Ich finde es spannend, junge Leute kennenzulernen, die in mir unbekannten Geschäftsfeldern tätig sind. Wenn ich da etwas von meiner Erfahrung einbringen und zum Gelingen beitragen kann, ist das sehr befriedigend. Ich würde mir wünschen, dass deutlich mehr Unternehmer oder andere Interessierte die Start-ups begleiten – das wäre ein wichtiger Beitrag zur Wettbewerbsfähigkeit unseres Landes.

Teil 2 des Interviews erscheint in einer Woche an dieser Stelle.

Weitere Beiträge finden Sie im «Beruf + Berufung»-Archiv.

Erstellt: 04.10.2019, 14:30 Uhr

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