Wo es dieses Jahr mehr Lohn gibt

Plus 0,9 Prozent: Wegen der Nullteuerung bleibt mehr in der Tasche, als noch im Herbst erwartet worden ist. Die Lohnerhöhungen 2017 nach Branchen.

Wer in der Pharmaindustrie arbeitet, darf auf 1,31 Prozent mehr Lohn hoffen: Labor-Präsentation von Roche in Basel. Foto: Martin Rütschi (Keystone)

Wer in der Pharmaindustrie arbeitet, darf auf 1,31 Prozent mehr Lohn hoffen: Labor-Präsentation von Roche in Basel. Foto: Martin Rütschi (Keystone)

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Das gibt es selten: Einer der höchsten Gewerkschafter gibt offen zu, dass er zufrieden ist mit der Entwicklung der Löhne. Daniel Lampart, Sekretariatsleiter und Chefökonom des Schweizerischen Gewerkschaftsbunds, bezeichnet die Lohnerhöhungen in diesem Jahr als «im Gesamtergebnis befriedigend».

Der Grund: Laut einer Befragung der St. Galler Beratungsfirma Know bei 349 Personalchefs von Deutschschweizer Unternehmen steigen die Löhne dieses Jahr im Durchschnitt um 0,89 Prozent. Zudem erhöht jede sechste Firma ihre Lohnnebenleistungen. Nur jede fünfzehnte senkt sie. «Dies ist trotz sehr niedriger Teuerung das dritte Jahr in Folge mit einer durchschnittlichen Erhöhung von 0,7 bis 0,9 Prozent», sagt Andreas Kühn, Geschäftsführer von Know.

Insgesamt erhöhen 92 Prozent der Firmen die Löhne, nur bei 8 Prozent gibt es eine Nullrunde. Die deutlichsten Lohnerhöhungen gewähren Pharma-, Verkehrs- und Transportfirmen sowie Dienstleister für andere Unternehmen (Anwälte, Treuhänder, Berater). Am knausrigsten sind das Bildungswesen und die Chemieindustrie.

Der durchschnittliche Anstieg um 0,89 Prozent ist höher als erwartet. Noch im Herbst hatte alles darauf hingedeutet, dass die Löhne nur geringfügig steigen – und von der Teuerung weggefressen werden. Die Grossbank UBS gab im Oktober bekannt, gemäss einer Umfrage bei 314 Schweizer Unternehmen würden die Löhne um 0,6 Prozent steigen. Doch weil mit einer Teuerung von 0,4 Prozent zu rechnen sei, bleibe von der Lohnerhöhung kaum etwas im Portemonnaie übrig. Teuerungsbereinigt würden die Löhne nur um 0,2 Prozent zulegen.

Auch die Firma Know rechnete im Herbst aufgrund der provisorischen Angaben der Personalchefs mit einem tieferen Anstieg. Damals hiess es, es gebe 0,75 Prozent mehr Lohn. Nun liegen aber von den meisten befragten Unternehmen die fertig ausgehandelten, etwas höheren Ergebnisse vor.

Nur 23 Prozent der Firmen zahlen allen mehr Lohn

Vor allem aber haben sich die Ökonomen mit ihren Teuerungsprognosen getäuscht, nicht nur jene der UBS. Auch das Staatssekretariat für Wirtschaft ging im September von einer Inflation von 0,3 Prozent aus. Doch von einem Anstieg der Preise ist weit und breit keine Spur. Nun rechnet der Bund dieses Jahr mit einer Nullteuerung. «Damit zeichnet sich wiederum eine Verbesserung der Reallöhne ab – entgegen den Schätzungen der UBS», sagt Roland Müller, Direktor des Schweizerischen Arbeitgeberverbands. Trifft die aktuelle Prognose ein, verbleibt den Lohnempfängern im Schnitt 0,89 Prozent mehr Geld in der Tasche.

Viele Arbeitnehmer spüren jedoch vom durchschnittlichen Lohnanstieg persönlich nichts oder nur wenig. Denn nur 23 Prozent der Unternehmen gewähren allen Beschäftigten eine Lohnerhöhung. Wie in den Vorjahren überwiegen die individuellen Erhöhungen. Dies bereite ihm besonders Sorge, sagt Arno Kerst, Präsident der Gewerkschaft Syna. «Dies umso mehr, weil die Kriterien, wer profitiert und wer leer ausgeht, intransparenter werden. So bleiben immer mehr Arbeitnehmende auf ihrem Lohn sitzen.»

Die Unternehmen sind gemäss der Befragung der Firma Know optimistisch für dieses Jahr. 25 Prozent der Unternehmen rechnen mit einer Verbesserung ihrer Wirtschaftslage, nur 9 Prozent mit einer Verschlechterung, 67 Prozent sind unentschieden. (SonntagsZeitung)

Erstellt: 13.03.2017, 08:38 Uhr

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