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Kaspar Villiger: UBS-Krisenpräsident im Schatten von Oswald Grübel Von Marc Forster, sda Biografie/Porträt

Zwei Gesichter haben den Neufang der UBS nach ihrer schwersten Krise vor knapp drei Jahren geprägt.

Während Oswald Grübel die Konzernleitung übernahm, trat Kaspar Villiger an, um das schwer zerkratze Ansehen der Bank wiederaufzubauen. Die Bilanz ist gemischt. Der UBS liefen Anfang 2009 die Kunden davon, auch in der Schweiz. Und die Politik, die im Oktober 2008 einen Rettungsplan für die Bank beschliessen musste, misstraute der Bankführung. Der ehemalige FDP- Bundesrat und langjährige Finanzminister Villiger mit seinem Ansehen und seinem Kontaktnetz in Politik und Wirtschaft wurde als der richtige Mann gesehen, um den Schaden wiedergutzumachen. Auch in der Bevölkerung kam die Ernennung Villigers mehrheitlich gut an. Mit seinem grossväterlichen Charme und einer Prise Humor gelang es dem Luzerner, emotional aufgeladene Generalversammlungen geschickt zu leiten. Wenige der aufgebrachten und enttäuschten Kleinaktionäre griffen in an. Über seinen Vor-Vorgänger Marcel Ospel, der nach den Milliardenabschreibern im US-Hypothekensumpf im April 2008 gegangen war, hatte sich am Schluss kübelweise Kritik und Spott ergossen. Auch Villigers direkter Vorgänger, der frühere Chefjurist Peter Kurer, war unpopulär. Doch auch Villigers Bild begann sich zu ändern. Boni und Regulierung Während Grübel mit harter Hand die UBS aus der Krise holte, warb Villiger um Verständnis für die Bank. Er musste die auch nach der Krise immer noch üppigen Boni der verhassten Investmentbanker rechtfertigen, und er musste die Position der UBS gegenüber den Regulatoren und Politikern verteidigen, die den Grossbanken strengere Vorschriften machen mussten. Daneben musste er im Steuerkonflikt mit den USA eine Bank verteidigen, die mit kriminellen Machenschaften das Geld von US- Bürgern am Fiskus vorbeischleuste und so erneut in eine bedrohliche Krise geriet. Auch dies kratzte an der Popularität Villigers, und das Verständnis für ihn begann zu schwinden. Villigers Worte standen immer häufiger im Gegensatz zu den markigen Ankündigungen, die er 2009 machte. Damals hatte er die Millionenboni verurteilt. Weil nichts geschah, malte die Öffentlichkeit immer mehr das Bild eines UBS-Präsidenten als Handlanger der raffgierigen und unbelehrbaren Bankerkaste. Villiger war kein Banker Aber Villiger stand immer im Schatten des Top-Bankers Grübel. Oft wirkte er wie das Sprachrohr des grossen Bankensanierers. Das lag aber auch daran, dass Villiger das Bankengeschäft erst richtig kennenlernen musste. Villiger ist Maschineningenieur und er hatte vor seiner Wahl in den Bundesrat 1989 die familieneigene Zigarrenfabrik geführt. Am 7. Juli 2011 gab die UBS bekannt, dass Villiger 2013 von Axel Weber beerbt werden sollte. Weber war lange Präsident der deutschen Bundesbank, innerhalb des Euro-Systems immer noch ein wichtiger Posten. Damit sollte wieder ein Banker an der Spitze der UBS Platz nehmen und ein stabiles, erfolgreiches Institut weiterführen. Mit Nachfolge beschäftigt Nur wenige Wochen später, am 15. September 2011, platzte eine Bombe, die zum Rücktritt von Konzernchef Grübel führte und die auch Villigers Position schwächte: Ein Händler in London verzockte, von den bankinternen Warnsystemen unbemerkt, so eben einmal 2,3 Milliarden Dollar mit riskanten Finanzoperationen. Nach all den Anstrengungen, die UBS wieder in die Gewinnzone zu bringen, lag das Image der UBS lag erneut in Scherben. Als die Bilder vom verhafteten UBS-Händler in London über die Bildschirme flimmerten, dachte niemand mehr daran, dass das Duo Villiger-Grübel den Milliarden-Kundengeldabfluss nach der Krise gestoppt hatte. Nach Grübels Abschied von der UBS im September 2011 geriet auch Villigers Zukunft in die Diskussion. In die Suche nach dem definitiven Konzernchef hatte sich bereits Axel Weber eingeschaltet. Villigers Plan, bis 2013 im Amt zu bleiben, erschien aufgrund des Bedarfs nach neuen Gesichtern immer unrealistischer.

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