Der Traum der Reichen: Länger arbeiten, um älter zu werden

Eine Umfrage unter Reichen zeigt, dass Schweizer mehr als andere damit rechnen, sehr alt zu werden. Dafür würden sie auch ihr Vermögen aufgeben.

Nicht den Ruhestand geniessen, sondern länger arbeiten: Das sehen reiche Schweizer als Mittel für eine bessere Gesundheit und ein längeres Leben.

Nicht den Ruhestand geniessen, sondern länger arbeiten: Das sehen reiche Schweizer als Mittel für eine bessere Gesundheit und ein längeres Leben. Bild: Urs Jaudas

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Fast nirgendwo auf der Welt rechnen die Reichen mehr damit, 100-jährig zu werden als in der Schweiz. Das zeigt eine Umfrage der Grossbank UBS unter 5000 Anlegern in den zehn Ländern Deutschland, Hongkong, Italien, Mexiko, Singapur, Taiwan, Grossbritannien, den Vereinigten Arabischen Emiraten, den USA und eben der Schweiz. Hierzulande wurden 400 Personen befragt.

Einzig in Deutschland glauben mit 76 Prozent der Befragten noch mehr Reiche, ein ganzes Jahrhundert leben zu können. In der Schweiz sind es 68 Prozent. Angesichts des Umstands, dass die Lebenserwartung in den Industrieländern gegenwärtig bei 80 Jahren liegt, rechnen in diesen Ländern die Reichen damit, besser als der Durchschnitt abzuschneiden. Auffällig sind im Vergleich dazu die deutlich pessimistischeren Erwartungen in den angelsächsischen Ländern. Unter den reichen Briten erwarten nur 32 Prozent, dieses hohe Alter zu erreichen. Am wenigsten gehen die Amerikaner mit nur gerade 30 Prozent davon aus.

Die wohlhabenden Amerikaner sind es laut der Umfrage mit einem Anteil von 69 Prozent aber auch, die sich am meisten wegen steigender Gesundheitskosten sorgen, in Deutschland, wo die meisten Reichen damit rechnen, 100 zu werden, teilen diese Sorge mit einem Anteil von nur 35 Prozent dagegen die wenigsten. In der Schweiz sind es mit 54 Prozent mehr als die Hälfte der Befragten.

Sorgen um die Gesundheit

Ganze 91 Prozent der reichen Schweizer gaben an, dass ihnen Investitionen in die Gesundheit wichtiger sind als der Aufbau ihres Vermögens, ein Drittel davon sind sie zu opfern bereit, wenn sie dadurch 10 Jahre länger leben könnten. In der Umfrage zeigen sie aber auch Solidarität: 83 Prozent sind der Ansicht, dass wohlhabende Schweizer verpflichtet sind, auch zur Gesundheit anderer beizutragen. Mit ihrem gegenwärtigen Gesundheitszustand ist mit 91 Prozent ein sehr grosser Anteil der Wohlhabenden zufrieden. Aber eine Mehrheit von 69 Prozent befürchtet dennoch eine Verschlechterung über die nächsten zehn Jahre.

Wie die Umfrage ebenfalls zeigt, wollen die reichen Schweizer im Alter so lange wie nur möglich arbeiten. Das begründen sie einerseits wiederum mit der Gesundheit. 87 Prozent glauben, dass sich diese dadurch verbessert und dass dadurch die Lebenserwartung steigt. Nur bei den Bewohner von Hongkong sind mit 93 Prozent der Befragten noch mehr davon überzeugt, dass möglichst langes Arbeiten die Gesundheit fördert. Am wenigsten – wenn auch hier eine Mehrheit – glauben das mit 52 Prozent die Amerikaner. Auch wegen ihrer Finanzen wollen allerdings die reichen Schweizer möglichst lange arbeiten. Viele glauben, dass sie nur so ihren Ruhestand finanzieren können. 70 Prozent gaben an, dass sie länger arbeiten, um den bisherigen Lebensstil aufrechtzuerhalten.

Bessere Work-Life-Balance

Trotz der Bereitschaft, im Alter länger zu arbeiten, bemühen sich die wohlhabenden Schweizer aber mehr als jene in anderen europäischen Ländern, ein besseres Gleichgewicht zwischen Arbeits- und Privatleben zu erreichen. Mehr als 60 Prozent aller Altersgruppen arbeiten nicht an Feiertagen oder an Wochenenden. Zwei Drittel der über 51-Jährigen nehmen ausserhalb der Arbeitszeit keine geschäftlichen E-Mails oder Anrufe entgegen. 41 Prozent der reichen Schweizer haben bereits eine Auszeit (Sabbatical) genommen. Im übrigen Europa sind es nur 34 Prozent.

Die von den Reichen erwartete längere Lebensdauer wirkt sich gemäss der UBS-Umfrage auch auf ihre Nachlassplanung aus. Mit fast 80 Prozent beabsichtigen mehr Befragte in der Schweiz als in anderen Ländern einen grösseren Teil ihres Vermögens noch zu Lebzeiten an ihre Nachkommen zu übertragen. Das sagen selbst 71 Prozent der befragten 18- bis 34-Jährigen. 80 Prozent wollen ihre Nachkommen bei Entscheiden über das Erbe mit einbeziehen. Bei Unternehmen ist dieser Anteil wenig überraschend mit 89 Prozent noch höher. Denn hier erfordert das die Nachfolgeplanung an die nächste Generation. Trotz diesen geäusserten Absichten hat aber nur eine Minderheit bereits konkrete rechtliche Schritte zu einer solchen Erbschaftsplanung unternommen. Nur 42 Prozent haben für die Nachlassplanung ein Testament aufgesetzt und noch weniger eine Vollmacht erteilt. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 25.04.2018, 14:19 Uhr

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