4000 Euro fürs E-Auto – und was tut die Schweiz?

Deutschland fördert den Kauf von Stromautos grosszügig. Was Schweizer Käufer an Vergünstigungen erhalten.

Flitzen mit Strom: Elektroautos sind auf Schweizer Strassen immer häufiger anzutreffen (im Bild ein Tesla-Modell 3).

Flitzen mit Strom: Elektroautos sind auf Schweizer Strassen immer häufiger anzutreffen (im Bild ein Tesla-Modell 3). Bild: ZVG

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Bis in vier Jahren sollen 400'000 neue Elektro- und Hybridautos auf den Strassen zwischen Flensburg und Konstanz unterwegs sein. Das ist das Ziel der deutschen Regierung. Sie hat dafür gestern ein Förderprogramm lanciert, mit dem der Verkauf alternativer Antriebe angekurbelt werden soll. Jeder Käufer eines Elektrowagens bekommt künftig eine Gutschrift von 4000 Euro. Wer sich einen Hybrider anschafft, bekommt 3000 Euro.

Die Kosten von insgesamt 1,2 Milliarden Euro tragen der Staat und die deutsche Autoindustrie gemeinsam. Die Zusammenarbeit ist kein Zufall. Die Branche hat den Trend hin zu E-Autos verschlafen und rollt dem Branchenführer Tesla weit hinterher. Dank der Fördermassnahme sollen Audi, BMW, VW und Co. schnell aufholen. Die Autobauer sollen nun beweisen, dass sie diese «Antriebsform beherrschen» und sie «massenmarktfähig» machen, gab Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel anlässlich der Vorstellung als Ziel vor.

Schweiz weiter als Deutschland

Um mit dem Geld nicht auch den kalifornischen Erzrivalen zu unterstützen, legte die Regierung in Berlin eine Preisobergrenze für die Kaufprämie fest. Nur Autos bis 60'000 Euro werden beim Kauf subventioniert. Damit fallen die beliebten, aber teuren Tesla-Modelle S und X aus dem Programm. In Deutschland sind derzeit 25'500 Elektrowagen und 130'000 Hybrid-PW im Einsatz. Damit kommen sie auf einen noch sehr bescheidenen Anteil am gesamten Autobestand von 0,26 Prozent.

Die Schweiz ist da schon bedeutend weiter. Hierzulande kurven 7530 Elektro-PW und 62'660 Hybridfahrzeuge auf den Strassen herum. Das entspricht einem Anteil an allen zugelassenen PW von 1,6 Prozent (siehe Grafik). «Dies wird als Argument dafür verwendet, weshalb der Bund die Elektromobilität nicht aktiver fördern muss», sagt Krispin Romang vom Interessenverband Swiss E-Mobility. Dabei sei eine staatliche Förderung durchaus sinnvoll, auch um umweltpolitische Ziele zu erreichen.

Über die ganze Lebensdauer günstiger

Noch sind Elektro- und Hybridautos deutlich teurer als herkömmliche PW. Dies hält viele potenzielle Käufer ab. «Macht man eine Vollkostenrechnung, sieht es anders aus», so Experte Romang. Denn die Betriebskosten sind deutlich tiefer als bei klassischen Autos – weil nicht nur der Treibstoff billiger ist, sondern auch der Unterhalt. E-Autos besitzen etwa weniger Verschleissteile. Zudem sind oftmals die Steuern tiefer und Versicherungen günstiger. «Diese Kostenvorteile werden jedoch oftmals nicht in die Kaufentscheidung einbezogen», so Romang. Er würde sich deshalb eine transparente staatliche Förderung wünschen, die auf den Verkaufspreis einwirkt und den Absatz ankurbelt. Dies dürfe aber nicht über Steuern finanziert werden.

Die aktuelle Situation ist nämlich sehr unübersichtlich. «Niemand weiss, was er beim Kauf eines Elektroautos wirklich bekommen würde», so Romang. Direkte Beiträge wie künftig in Deutschland gibt es in der Schweiz nicht. Und gegenüber den deutschen Förderprämien sind die hiesigen Massnahmen bescheiden. Der Bund fördert alternative Antriebe primär über die Importabgabe. Grundsätzlich sind Elektrofahrzeuge (aber nicht die Hybrider) von dieser Steuer im Umfang von 4 Prozent des Preises befreit. Zudem gewähren mehrere Kantone eine Reduktion der Motorfahrzeugsteuer. Die Regeln sind aber uneinheitlich.

Teilweise absurde Resultate

Im Kanton Aargau gibt es beispielsweise keinerlei Rabatte für Elektroautos. In Bern bekommen Besitzer eines E- oder Hybridautos vier Jahre lang 40 Prozent Rabatt auf der Motorfahrzeugsteuer. Im Kanton Glarus wird die Steuer während dreier Jahre ganz erlassen. In Basel-Stadt werden emissionsarme und energieeffiziente Personenwagen zwar steuerlich entlastet, die Berechnung auf Basis des Hubraumes ist aber kompliziert und führt bei Elektromodellen teilweise zu absurden Resultaten.

Der Interessenverband Swiss E-Mobility fordert daher vom Bund mehr. «Eine Förderprämie wie in Deutschland ist in der Schweiz nicht mehrheitsfähig», glaubt Romang. Er wünscht sich eine Lenkungsabgabe auf den Verkaufspreis von Neuwagen. Ein Bonus-Malus-System soll dafür sorgen, dass umweltschonende PW billiger werden und umweltverschmutzende teurer.

Gar neue Steuer geplant

Derzeit geht der Bund eher in die andere Richtung. Letztes Jahr beschloss der Bundesrat, dass es keinen Masterplan zur beschleunigten Entwicklung der Elektromobilität brauche, wie ihn das Parlament gefordert hatte. Und so lief vergangenes Jahr auch ein Programm aus, das beim Import von Elektro- und Hybridautos Händlern CO2-Emissionsgutschriften gewährte, die sie für herkömmliche Wagen nutzen konnten. Damit animierte man sie dazu, mehr Autos mit alternativem Antrieb zu verkaufen.

Zudem plant der Bundesrat ab 2020 gar eine neue Pauschalbesteuerung für Elektrofahrzeuge. Auch sie sollen ab dann die Autobahnen mitfinanzieren. Fördern sieht anders aus. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 28.04.2016, 17:03 Uhr

Artikel zum Thema

Hat der Verbrennungsmotor bald ausgedient?

Eine Studie des Umweltbundesamtes löst eine heftige Debatte in Österreich aus. Ab 2020 sollen Autohändler keine Fahrzeuge mehr mit Diesel- oder Benzinmotor verkaufen dürfen. Mehr...

Der Tesla-Trugschluss

Der Elektromobilität gehöre die Zukunft, sagen ihre Promotoren. Und werben mit ökologischen Vorzügen. Doch E-Autos sind weniger umweltfreundlich, als es scheint. Mehr...

Das ist der neue Tesla

Elon Musk präsentierte in Kalifornien das Model 3 von Tesla. Ein Experte glaubt, das Elektroauto für die Massen werde vergleichbare Modelle von BMW abhängen. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Blogs

Mamablog Soll man dem künftigen Vater trauen?

Sweet Home Camping mit Stil

Abo

Abo Digital Light - 18 CHF im Monat

Unbeschränkter Zugang auf alle Inhalte und Services (ohne ePaper). Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Die Welt in Bildern

Umstrittene Tradition: Der spanische Matador Ruben Pinar duelliert sich am San Fermin Festival in Pamplona mit einem Stier. (14. Juli 2018)
(Bild: Susana Vera ) Mehr...