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«Die Frachtschiffe erreichen ihr Ziel erst nach dem Brexit-Datum»

Schon vor dem Brexit müssen britische Bauern entscheiden, ob sie ihre Ware noch verschiffen. Besonders Schafzüchter sind in Sorge um ihr Vieh.

Düstere Aussichten für Schafzüchter: Viehmarkt in Grossbritannien.
Düstere Aussichten für Schafzüchter: Viehmarkt in Grossbritannien.
Melton Mowbray, Reuters

29. März 2019: Das Brexit-Datum naht, und noch gibt es keine Einigung zwischen Grossbritannien und der EU. Die Aussicht, dass es zu einem ungeregelten EU-Ausstieg kommen könnte, hat bereits jetzt Auswirkungen auf den Handel. Die britische Lebensmittelindustrie steht vor schwierigen Entscheidungen.

«Nächste Woche werden die Schiffe mit Fracht an Bord aus Grossbritannien abfahren – einschliesslich der britischen Lebensmittelexporte. Diese werden nach dem 29. März ihr Ziel erreichen», warnte zuletzt Minette Batters, die Präsidentin des britischen Bauernverbands. Eine Ladung gefrorenes Fleisch erreicht den Fernen Osten beispielsweise nach rund einem Monat. Landwirte und Lebensmittelproduzenten müssten also jetzt entscheiden, ob sie britische Produkte auf Schiffe verladen, die am 28. Februar – nächsten Donnerstag – von britischen Häfen aus in See stechen werden.

4,5 Millionen Lämmer ohne Abnehmer

Gewisse Destinationen haben Handelsabkommen mit der EU abgeschlossen, aber nicht mit dem Vereinigten Königreich. Im Fall eines Brexit ohne Abkommen könnten Lieferungen am Zielort mit Zöllen oder anderen Handelsschranken belegt werden. Gewisse Handelsfirmen haben deshalb bereits angefangen, ihre Güter per Luftfracht zu verschicken.

Besonders betroffen von einem ungeregelten EU-Ausstieg wären die Schafzüchter. Sie hingen sehr stark vom Handel mit der EU ab und hätten Mühe, überhaupt einen Absatzmarkt für ihre Produkte zu finden, sagte Bauernpräsidentin Batters. Für rund 4,5 Millionen Lämmer gäbe es im Prinzip keinen Markt.

Massenschlachtungen

Die EU hatte mitgeteilt, dass es bis zu sechs Monate dauern könnte, bis Importe von britischen Lebensmittelherstellern autorisiert werden könnten. Der Bauernverband bezeichnete dies als De-facto-Handelsembargo und mahnte, dies würde Schafzüchter dazu zwingen, ihre überschüssigen Tiere zu schlachten.

Denn die Bauern stünden vor einer schweren Wahl: ihre Herden zu töten oder sie weiter zu füttern. Ein Abgeordneter des britischen Parlaments hatte dem «Guardian» zufolge in einem Treffen mit dem Verband noch gewitzelt, es gebe in ersterem Fall ein «Brexit-Grillieren». Nick von Westenholzen vom Bauernverband sagte derweil, es sei möglich, dass die Regierung den Bauern mit einer Schlachtprämie unter die Arme greifen könnte – einer Art Subvention.

Umweltminister Michael Grove hatte am Dienstag ebenfalls bekannt gegeben, dass die Regierung im Fall eines ungeregelten Brexit wohl Zölle auf Lebensmittelimporte anwenden würde, um die heimischen Landwirte zu schützen.

Nicht genügend Saisonarbeiter

Für die britischen Bauern ist derweil nicht nur der Export von Ware ein Problem. Ebenfalls sorgen sie sich, ob sie bei einem ungeregelten Brexit genügend Saisonarbeiter aus anderen Ländern einstellen können. Besonders Früchte- und Blumenproduzenten wären davon betroffen.

Hinzu kommt, dass auch der Import von Gütern aus dem Ausland bei einem harten Brexit schwierig werden dürfte. Entsprechend wird Ware bereits jetzt gehortet.

Tesla schickt Autos nach China

Ähnliche Probleme wie bei den Briten bestehen derzeit zwischen den USA und China. Denn am 1. März läuft im Handelskonflikt zwischen den beiden Ländern eine wichtige Frist ab, die Anfang Dezember beschlossen worden war. Damals hatten sich US-Präsident Donald Trump und Chinas Staatschef Xi Jinping darauf verständigt, 90 Tage lang keine weiteren Zollaufschläge zu verhängen. Gewisse Firmen werden nun wieder nervös.

Der Elektroautobauer Tesla etwa hat in letzter Minute offenbar Frachter voller Autos in Richtung China geschickt, wie «Bloomberg» berichtet. Mindestens drei Frachter sollen Ende dieses Monats in China ankommen.

US-Frachter drehte Kreise

Bereits zuvor hatte der Handelsstreit für Ärger auf den Meeren gesorgt: Wegen neuer Zölle hatte ein US-Frachter etwa im Sommer letzten Jahres während über eines Monats auf See seine Kreise gedreht. Die Peak Pegasus hatte Sojabohnen im Wert von über 20 Millionen Dollar an Bord.

Die chinesische Hafenstadt Dalian erreichte der Frachter allerdings kurz nachdem US-Präsident Donald Trump neue Strafzölle auf chinesische Produkte eingeführt und China mit Gegenzöllen gekontert hatte. Für Wochen drehte der Container deshalb Kreise vor der chinesischen Küste. Weitere Schiffe erlitten dasselbe Schicksal.

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