Montagsinterview

«Apple macht sehr vieles richtig»

Olivia El Sayed beschäftigt sich mit Marken. Erst Glaubwürdigkeit mache eine solche stark, sagt sie. Der letzte Markenartikel, den sie gekauft hat, war eine Tube Zahnpasta.

Berät Unternehmen, die ihre Marke stärken wollen: Olivia El Sayed.

Berät Unternehmen, die ihre Marke stärken wollen: Olivia El Sayed. Bild: Sophie Stieger

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Wie viel von H & M tragen Sie heute?
Gar nichts.

Aus Prinzip?
In meinem Kleiderschrank finden sich Sachen von H & M und Zara. Überbleibsel von früher, heute kaufe ich da nicht mehr ein.

Wo kaufen Sie Kleider in Zürich?
Tolle Läden sind Waldraud, Dings oder Little Black Dress – die Preise sind zwar höher. Wer es sich aber leisten kann, sollte auf Nachhaltigkeit und Fairness achten.

Mit schmalem Budget ist man entschuldigt?
Eher.

Welchen Markenartikel haben Sie sich zuletzt geleistet?
Eine Tube Elmex.

Sie sind Markenexpertin, wer braucht Sie?
Unsere Agentur Branders berät Unternehmen, die ihre Marke stärken wollen.

Wie stärkt man eine Marke?
Indem man kontinuierlich daran arbeitet. Eine Marke soll erlebbar sein, und ganz wichtig: glaubwürdig. Als Dienstleister reichen einige freundliche Worte im Internet nicht. Die Mitarbeiter müssen diese Freundlichkeit leben.

Wer hätte eine Beratung nötig?
Alle, die Websites mit Schreibfehlern betreiben. Das geht gar nicht. Ich würde zu niemandem gehen, der schon beim Auftritt im Internet schlampt, egal ob Arzt, Anwalt oder Coiffeur.

In «No Logo» kritisierte Naomi Klein den «Markenwahn», Sie sprechen bei einer Marke von einem «Gesamtkunstwerk». Wer hat recht?
Marken stiften Identität, das lässt sich nicht wegdiskutieren. Dennoch hat es ein ausgereifter Charakter natürlich nicht nötig, sich hinter einer Marke zu verstecken. Sich über Statussymbole zu definieren, ist ein Armutszeugnis.

Was fasziniert Sie an einer Marke?
Nehmen wir das Beispiel Apple. Man muss der Firma nicht hörig sein. Aber ist es nicht unglaublich, dass man heute alle Anhänger dieser Marke an ihren weissen Kopfhörern erkennt? Apple macht sehr vieles richtig.

Wie überrascht man heute als Brand?
Ganz einfach: indem man seine Versprechen einhält. Also pünktlich ist und preisgünstiger als die Konkurrenz.

Wie wurden Sie Markenexpertin?
Ich habe in der Ausbildung PR für ein Musiklabel in Deutschland gemacht, später Deutsch und Französisch studiert. Seit ein paar Jahren schreibe ich nun für The Brander Reportagen über Marken und deren Macher – bei mir wars also ein Learning-by-Doing-Prozess.

Ist das Ihr Traumberuf?
Bei der Arbeit für The Brander treffe ich Leute, die den Schritt gewagt haben, etwas Eigenes zu schaffen.

Haben Sie das auch vor?
Jeder macht sich doch diese Gedanken: das Hobby zum Beruf machen, ein brachliegendes Talent nutzen.

Ihr Buch, welches Markengeschichten erzählt, macht sich sehr gut auf dem Couchtisch. Was lernt man aber, wenn man darin liest?
Es kann inspirieren und Mut machen, selbst etwas zu wagen. In der Schweiz ist diese Mentalität ja nicht so verbreitet. In New York hingegen versucht man sich zwei Jahre als Coiffeur, führt dann drei Jahre ein Café und gründet schliesslich eine eigene Agentur. So gesehen kann das Buch jenen einen Schub geben, die erst mit dem Gedanken spielen, etwas Neues anzufangen.


The Brander – Marken und ihre Macher. Eden Books, Berlin 2013. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 08.07.2013, 08:13 Uhr

The Brander – Marken und ihre Macher. Eden Books, Berlin 2013. (Bild: PD)

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