Armutsrisiko für kinderreiche Familien nimmt ab

Wer in der Schweiz drei oder mehr Kinder hat, ist besonders gefährdet, arm zu werden. Doch das Risiko ist geschrumpft – nicht nur aus konjunkturellen Gründen.

Arme unter den Erwerbstätigen

Arme unter den Erwerbstätigen


Prozente

Quelle: Bundesamt für Statistik

Wenn beide Elternteile arbeiten, nimmt das Armutsrisiko ab: Kinder in Basel.


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Das Risiko, als Familie mit drei oder mehr Kindern in Armut zu leben, hat in der Schweiz von 2007 auf 2008 stark abgenommen. Lebten 2007 noch 15 Prozent dieser Familien unter dem so genannten soziokulturellen Existenzminimum, waren es 2008 noch 11,3 Prozent. Die definierte Grenze beinhaltet Grundausgaben wie Miete, Nahrung, Versicherung und Hygiene. Sie liegt bei einem Haushalt mit zwei Erwachsenen und zwei Kindern bei 4800 Franken.

Für den Rückgang sind laut Tom Priester vom Bundesamt für Statistik nicht neue Berechnungswege, sondern «reale Faktoren» verantwortlich. Erstens hat sich die Lage am Arbeitsmarkt in den entsprechenden Jahren stark verbessert. Und zweitens gäbe es laufend mehr Familien, bei denen nicht nur ein, sondern beide Elternteile einer bezahlten Arbeit nachgingen. Der Rückgang des Armutsrisikos hat also auch gesellschaftliche Gründe – die Armutsgefahr für eine Familie nimmt ab, wenn beide Erwachsenen zum Familieneinkommen beitragen.

Quote folgt der Konjunktur verzögert

Der Anteil der Working Poor an der erwerbstätigen Bevölkerung ist in den entsprechenden Jahren auch insgesamt zurückgegangen, allerdings weniger stark. 2007 lag er bei 3,8 Prozent, im Jahr zuvor bei 4,8 Prozent. Laut dem Bundesamt für Statistik waren Ende 2008 rund 118'000 Personen trotz Erwerbstätigkeit arm.

Der Rückgang ist hier vor allem auf die gesamtwirtschaftliche Lage zurückzuführen: «Die Quote folgt mit einer zeitlichen Verzögerung der günstigen Konjunkturentwicklung», schreibt das Bundesamt für Statistik. Entsprechend dürfte sie in den kommenden Jahren im Nachklang zur Wirtschaftskrise wieder ansteigen.

Neben kinderreichen Familien und Alleinerziehenden sind auch Ausländer und gering Qualifizierte besonders gefährdet, trotz Arbeitsstelle in Armut zu leben. Auch Selbständigerwerbende und Temporärarbeiter sind öfter arm als dauerhaft Angestellte.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 04.11.2010, 11:25 Uhr

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