Athen liess seine Beamten durch die Hintertür wieder rein

Laut eines Medienberichts soll Griechenland massiv gegen Sparauflagen verstossen haben. Trotz der Verpflichtung, Beamtenstellen zu reduzieren, habe Athen in zwei Jahren 70'000 Staatsdiener eingestellt.

Sperren sich gegen den Sparkurs: Eine Beamtin hat sich während eines Streiks Ende 2011 in einem Ministeriumsgebäude in Athen verschanzt.

Sperren sich gegen den Sparkurs: Eine Beamtin hat sich während eines Streiks Ende 2011 in einem Ministeriumsgebäude in Athen verschanzt. Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Griechenland soll einem Medienbericht zufolge gegen die internationalen Sparauflagen verstossen haben, indem mehr Beamten eingestellt wurden als erlaubt. Obwohl Griechenland sich verpflichtet habe, nur jede fünfte durch Pensionierung frei gewordene Stelle wiederzubesetzen, seien in den vergangenen zwei Jahren 70'000 Staatsdiener eingestellt worden, berichtete das griechische Nachrichtenmagazin «To Vima» am Sonntag unter Berufung auf einen internen Bericht der Gläubiger-Troika aus EU, Internationalem Währungsfonds (IWF) und Europäischer Zentralbank (EZB). Demnach wurden fast alle frei werdenden Stellen wiederbesetzt.

«Während die Regierung Gesetze zur Reduzierung der Beamtenstellen verabschiedete, liess sie die Leute durch die Hintertür wieder herein», zitierte das Magazin ein namentlich nicht genanntes Mitglied der Troika. «To Vima» berief sich zudem auf einen Bericht des Interims-Finanzministers Giorgos Zannias, wonach die Zahl der griechischen Beamten mit 692'000 nahezu gleich geblieben sei.

Troika verschiebt Besuch

Derweil fielen ausgerechnet vor wichtigen Verhandlungen in dieser Woche zwei Schlüsselfiguren der neuen Regierung aus. Ministerpräsident Antonis Samaras muss nach einer Augenoperation eine Woche lang zu Hause bleiben und kann nicht am EU-Gipfel teilnehmen. Auch der designierte Finanzminister Vasilios Rapanos muss sich nach einem Schwächeanfall schonen.

Aus diesem Grund wurde am Sonntag auch der für Montag geplante Besuch der sogenannten Troika in Athen verschoben. Ein neuer Termin für den Beginn des Kontrollbesuchs der Gläubiger Athens stehe noch nicht fest und solle in einigen Tagen vereinbart werden, hiess es aus griechischen Regierungskreisen.

Europäer erwarten keine Rückzahlung

In Deutschland, Frankreich, Spanien und Italien geht derweil eine Mehrheit der Menschen davon aus, dass Griechenland die erhaltenen Finanzhilfen nicht zurückbezahlen wird. Das zeigt eine Umfrage im Auftrag von Zeitungen in den vier Ländern. In Frankreich rechnen 85 Prozent nicht mit einer Rückzahlung der Hilfen an Griechenland, in Deutschland 84 Prozent, in Spanien 72 Prozent und in Italien 65 Prozent. Deshalb sei ein Grossteil der Befragten auch dafür, Griechenland als Konsequenz aus der Eurozone auszuschliessen.

78 Prozent der Deutschen und 65 Prozent der Franzosen sprachen sich in der Umfrage für den Ausschluss aus. In Spanien und in Italien – auch sie Krisenstaaten im Visier der Finanzmärkte – fällt das Urteil milder aus. Ungefähr die Hälfte – 51 Prozent in Spanien und 49 Prozent in Italien – sind für einen Ausschluss Griechenlands.

Die Aufgabe des Euro hingegen scheint für die Befragten keine Option zu sein. In Deutschland sind 39 Prozent dafür, in Frankreich 26 Prozent, in Spanien 25 Prozent und in Italien 28 Prozent. Die Umfrage in den vier grössten Wirtschaftsnationen der Eurozone wurde vom Ifop-Institut durchgeführt, im Auftrag der Zeitungen «Bild am Sonntag», «Le Journal du Dimanche», «Corriere della Sera» und «ABC». Zwischen dem 18. und 21. Juni wurden in den vier Ländern knapp 4000 Menschen befragt. (kpn/AFP/sda)

Erstellt: 24.06.2012, 22:36 Uhr

Griechen verdienen zu viel

Die Einkommen der Griechen sind nach Einschätzung der Wirtschaftsweisen Claudia Buch zu hoch. Der «Südwest Presse» sagte die Wissenschaftlerin, sie sei überzeugt, dass den Menschen in Griechenland noch massive Einschnitte bevorstehen.

«Die Einkommen sind zu hoch im Vergleich zur derzeitigen Leistung der griechischen Wirtschaft.» Die neue Koalitionsregierung in Athen strebt weitreichende Änderungen des mit den Geldgebern vereinbarten Sparprogramms an.

Harte Anpassungen in Griechenland lassen sich nach Einschätzung von Ökonomin Buch auch nicht umgehen, indem das Sorgenkind aus dem Euro ausscheide. «Die Strukturreformen sind schmerzhaft für die griechische Bevölkerung. Aber sie müssen so oder so kommen, damit die Wirtschaft zukünftig wachsen kann.» Die Professorin war erst im Februar in den fünfköpfigen Rat der Wirtschaftsweisen berufen worden, der die Bundesregierung berät. (SDA)

Bildstrecke

Chronologie: Griechenland in der Krise

Chronologie: Griechenland in der Krise Seit mehr als zwei Jahren macht die Schuldenkrise Griechenlands Schlagzeilen. Ihre Ursachen gehen aber weiter zurück. Die wichtigsten Etappen.

Artikel zum Thema

Samaras sagt Teilnahme an EU-Gipfel ab

Athen stösst mit dem Wunsch nach mehr Zeit auf Ablehnung in der EU. Am Eurogipfel wird es zu keinen Gesprächen mit dem neuen griechischen Ministerpräsidenten kommen. Er hat seine Reise nach Brüssel abgesagt. Mehr...

Monti: Eine Woche, um den Euro zu retten

Italiens Ministerpräsident Mario Monti warnt: Führe der kommende Eurogipfel nicht zum Erfolg, könnten einzelne Euroländer von Spekulanten angegriffen werden. Mehr...

Die grossen vier wollen 130 Milliarden für Wachstum

Merkel, Rajoy und Hollande sind bei Monti zu Gast. Am Vierergipfel in Rom sprachen sie sich für ein Wachstumspaket und die Finanztransaktionssteuer aus. Mehr...

Kommentare

Die Welt in Bildern

Warten auf den Papst: Ein Mann schaut aus seinem Papst-Kostüm hervor. Der echte Papst verweilt momentan in Bangkok und die Bevölkerung feiert seine Ankunft. (20. November 2019)
(Bild: Ann Wang) Mehr...